Vom Abstiegskampf in die Champions-League?

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Ballgewandt: Daniel Baier.

Daniel Baier wandelt zwischen zwei Fußballwelten. Noch fünf Spiele begleitet er den FC Augsburg im Abstiegskampf der Zweiten Liga.

Am Freitag geht es gegen seinen Ex-Klub, den TSV 1860 (18 Uhr, Rosenaustadion). Beim 1:0 im Hinspiel schoss der Flügelspieler in der Allianz Arena den Treffer des Tages, sein bislang einziges Saisontor, einen Lupfer nach Pirouette im Stile eines Zinedine Zidane. Kaum zu glauben, dass das 2. Liga war. „Es war das schönste Tor meiner Karriere“, meint Baier, und schiebt sofort hinterher: „Aber nicht, weil es gegen 1860 war.“

Vor dem Rückspiel fehlen seinem FCA etwa drei Zähler zum Klassenerhalt. Abstiegskampf, immer noch. Wenn das überstanden ist, könnte Baier Meister sein – und Champions-League-Teilnehmer, wenn alles nach Plan läuft. Wie so was möglich ist? Tabellenführer VfL Wolfsburg hat den 24-Jährigen für diese Saison an die Schwaben ausgeliehen. „Ich bin froh, dass ich den Schritt nach Augsburg gemacht habe. Dazu stehe ich voll und ganz. Ich habe hier eine gute Zeit“, sagt der scheidende Spieler, ohne dabei sentimental zu werden. Er fügt staubtrocken an: „Aber es ist so geregelt, dass ich wieder zurückgehe.“

Manager Andreas Rettig sieht es genauso: „Die Vertragslage ist klar. Wir müssen Wolfsburg dankbar sein, dass sie ihn uns für ein Jahr zum Nulltarif überlassen haben.“ Also danke Daniel – und tschüss? Nicht so schnell: Der neue Trainer Jos Luhukay ist von Baier angetan. „Keine Frage: Er hat Qualität. Bei der Effizienz – Tore und Vorlagen – hat er noch viel Potenzial. Dafür braucht er Spielpraxis. Ich hoffe, es gibt die Möglichkeit, dass wir ihn behalten.“ Keine einfache Angelegenheit. Verhandlungsspielraum sieht Rettig nur, wenn Wolfsburg Baier nicht brauchen kann. Was nicht ganz unwahrscheinlich ist. In dieser Saison zieht Zvjezdan Misimovic als Spielmacher die Fäden. Auf den Flügelpositionen spielen unter anderem Sascha Riether, Christian Gentner und Ashkan Dejagah. Keiner der Genannten hat einen auslaufenden Vertrag.

Aber immerhin: Die Kontakte zu den Niedersachsen sind gut, schließlich blieb Ex-Wolf Uwe Möhrle dem FCA nach Ablauf seiner Leihfrist erhalten. Doch zunächst gelte für Baier das gleiche wie für seine Mitspieler, mahnt Rettig: Erst der Klassenerhalt, dann die Zukunft. Deshalb versucht Baier, so wenig Wolfsburg und so viel Augsburg wie möglich im Kopf zu haben. „Wo ich nächstes Jahr bin, interessiert jetzt nicht“, sagt er nüchtern. „Ich konzentriere mich darauf, dass das hier ordentlich über die Bühne geht.“ So ganz verleugnen, woher er kommt und wohin er geht, kann er aber auch nicht.

Ein Beispiel: Weil er mit dem FCA bereits am Freitag in Fürth spielte, stand am Sonntag die Titeljagd der Wölfe auf dem Programm. „Natürlich sehe ich es mir an“, gibt Baier zu. „Da spielen meine Jungs. Ich drücke ihnen die Daumen. Ich habe im Training jeden Tag gemerkt, dass sie ein Riesenpotenzial haben. Aber dass Wolfsburg so einschlägt, hätten wohl wenige gedacht.“ Zum Erfolgsmacher Felix Magath hat er keinen Kontakt. „Warum sollte ich?“, fragt Baier. „Ich brauche ihm ja nicht jede Woche gratulieren, dass er eine gute Arbeit macht.“

Tobias Kimmel

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