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Die tz-Analyse und was ten Hag sagt

Es lag auch an Robben: Darum verpasste Holland die EM

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Das Gesicht des Niedergangs: Bondscoach Danny Blind .

Hannover - Erstmals seit 1984 verpassen die Niederlande eine EM. Die tz-Analyse: Wie konnte es dazu kommen? Was muss sich verändern? Was macht Mut?

Skandalös, demaskiert, blamabel – Hollands Presse ging mit ihrem Nationalteam nach der verpassten EM-Quali hart ins Gericht. Island, Tschechien und Türkei hießen die Gegner, die den Vizeweltmeister von 2010 und WM-Dritten von 2014 hinter sich ließen. Erstmals seit 1984 verpassen die Niederlande eine EM. Die tz-Analyse:

Wie konnte es dazu kommen? „In Holland wurde schon vor der WM 2014 auf die Probleme aufmerksam gemacht. Doch in Brasilien hatten wir mit Louis van Gaal einen Welttrainer und mit Arjen Robben einen Superstar in Topform, die unsere Probleme überdeckt haben“, erklärt Erik ten Hag (45) im Gespräch mit der tz. Der Ex-Coach der Bayern-Amateure, seit dieser Saison Trainer und Sportdirektor des Erstligisten Utrecht, macht deutlich, dass die Ursache für die Krise nicht nur bei der Nationalelf liegt, sondern tiefer geht. „Da muss man bei den Trainingsinhalten der Junioren anfangen. Deren Trainer werden vom Verband mit einer sturen Philosophie ausgebildet. Die Schwerpunkte werden falsch gesetzt, auf den physischen und mentalen Bereich wird kaum Wert gelegt. Das muss sich ändern“, so ten Hag.

Noch einen Schritt weiter geht Erik Meijer (46). „Wir haben genug Jungs mit Potenzial. Aber die sind vielleicht zu sehr verwöhnt worden. Viele können gut Fußball spielen, aber haben sie auch die Kraft, um zu kämpfen und zu beißen?“, fragt Meijer. Sieht auch ten Hag so: „Um zu den Besten zu gehören, musst du physische und mentale Grenzen überwinden. Aber das wird von unseren jungen Spielern nicht verlangt. Im Jugendbereich geht es nur darum, dass sich bloß niemand verletzt.“

Was muss sich verändern? Bondscoach Danny Blind und seine „Blindgänger“ mussten viel Spott ertragen. Blind übernahm im Juli das Amt von Guus Hiddink, um die Elftal zumindest noch in die Relegation zu führen. Doch innerhalb eines halben Jahres den dritten Coach zu installieren, hält Meijer für falsch – obwohl er kein großer Freund des 54-Jährigen Blind ist. „Viel wichtiger ist die Frage, wie wir unsere Spieler zu einer guten Mannschaft formen. Wir brauchen eine Mischung aus Kämpfertypen, die mit dem Ball umgehen können, und Einzelkönnern, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Und wisst ihr, wer uns das wunderbar vorgemacht hat?“, fragt Meijer die tz: „Die deutsche Nationalmannschaft!“ Auch ten Hag sieht den DFB als Vorbild für seine Landsleute, aber unter einem anderen Gesichtspunkt. „Was uns fehlt, ist eine starke Person. Wir haben mit Jelle Goes zwar einen Technischen Manager, doch was uns fehlt, ist ein Sportdirektor. Einer, wie Matthias Sammer früher beim DFB. Der sich Problemen annimmt, Lösungen sucht und Entscheidungen trifft. Doch das will der Verband nicht.“ Die Strukturen bereiten ten Hag Sorgen. „In Holland muss alles ausdiskutiert werden. Bis zur Entscheidung dauert es ewig.“

Was macht Mut? Zum einen die vielen jungen Talente. Zum anderen sein Superstar: Arjen Robben. Trotz seiner 31 Jahre verschwendet der Kapitän keinen Gedanken an einen Rücktritt. Vergangene Woche kam das Team erstmals seit dem Scheitern in der Quali wieder zusammen. Auch Robben war dabei, obwohl er nach seiner Adduktorenverletzung noch nicht ganz fit ist. „Ich habe eine gewisse Verantwortung als Kapitän“, erklärte Robben der tz. „Wäre Arjen in der Qualifikation nicht so häufig verletzt gewesen, wären wir mindestens Dritter in der Gruppe geworden“, sagt ten Hag – und glaubt an eine erfolgreiche Zukunft der Nationalmannschaft: „Die Talente sind da. Wenn sie richtig gefördert werden, werden wir auch wieder erfolgreich sein. Wir sind gerade zwar am Boden, aber noch nicht K.o. – weil die Infrastruktur einfach zu gut ist. Wir werden zurückkommen.“

Sven Westerschulze

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