tz-Besuch bei Mesut Özil

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Mesut Özil hat sich seinen Traum erfüllt und spielt bei einem der größten Vereine der Welt.

Madrid - Er hat soeben die bitterste Niederlage seiner Karriere erlebt. Dennoch ist Mesut Özil bei Real Madrid überglücklich. Wir haben den Nationalspieler in Spanien besucht.

Das Wunderkind sitzt am Ende des langen Holztisches. Mesut Özil hat ein anthrazitfarbenes T-Shirt an. Darunter spannen sich seine Muskeln. Er trägt einen schwarzen Schal um seinen Hals, seine pechschwarzen Haare sind nach hinten gekämmt.

Das 0:5-Debakel von Real Madrid gegen den Erzfeind Barcelona ist gerade ein paar Tage her. Daran hat Özil noch zu knabbern. Trotzdem fühlt er sich in Madrid wohl. Er sagt: „Real ist eine andere Welt, es ist ein Traum. Real ist Mythos. Und ich bin ein Teil davon. Darauf bin ich stolz.“

Özil sitzt im Restaurant Omar, nur einen Steinwurf entfernt vom Fußball-Mekka Santiago Bernabeu. Es gibt türkische Spezialitäten. Der 22-Jährige isst Beyti. Fleisch, eingerollt in Teig. Dazu Paprika und Tomate. Er trinkt Light-Cola. Die tz besuchte den Real-Star in seiner neuen Heimat.

Herr Özil, 0:5 gegen Barcelona, Sie wurden zur Halbzeit ausgewechselt. Wie weh tat das?

Özil: Es war bitter, sehr bitter. Real gegen Barcelona ist das größte Derby der Welt. Und wir haben uns abschlachten lassen. Das war eine Katas­trophe.

Wie hat Ihr Trainer José Mourinho reagiert?

Özil: Er kam in die Kabine und hat uns aufgemuntert. Wir müssen aufstehen und im nächsten Spiel die einzig richtige Antwort geben: einen Sieg holen.

Haben Sie Ihn verstanden?

Özil: Klar. Ich spreche schon ein wenig spanisch. Bis zu 15 Stunden in der Woche pauke ich. Und es macht Spaß: Wir spielen Uno, gehen Einkaufen.

Was ist so besonders an Mourinho?

Özil: Vor meinem Wechsel hat er mit mir gesprochen. Danach wusste ich: Egal, wo Mourinho hingeht, da will ich auch hin. Dass er bei Real Madrid ist, ist dann doppeltes Glück.

Mesut Özil privat: Der Jungstar öffnet sein Fotoalbum

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Was hat Sie an ihm fasziniert?

Özil: Sein Vertrauen, seine Klasse, sein Ehrgeiz.

Hat auch Bundestrainer Joachim Löw die Klasse von Mourinho?

Özil: Ja. Herr Löw ist für mich auch ein absoluter Weltklassetrainer. Er bereitet uns perfekt auf die Spiele vor.

Wer ist besser: Mourinho oder Löw?

Özil: Das kann man nicht so vergleichen. Jeder Spieler hat unterschiedliche Qualitäten, genauso ist es auch bei den Trainern. Aber beide sind absolute Spitzencoaches.

Vor der WM waren Sie einer von vielen guten Spielern im deutschen Team. Danach hat sich die Fußball-Welt vor Ihnen verneigt. Was ist passiert?

Özil: Ich hatte auch vorher eine tolle Saison bei Werder Bremen. Aber bei der WM ist die Aufmerksamkeit eine andere, da schaut die ganze Welt zu. Die ganze Mannschaft hat gut gespielt, auch ich wollte die Chance ergreifen.

Das haben Sie geschafft…

Özil: Und darauf bin ich stolz.

Und nun spielen Sie beim größten Klub der Welt…

Özil: Das ist natürlich ein Traum für jeden Fußballer.

Mehr geht doch nicht, oder?

Özil: Doch! Ich will mit Real viele Titel gewinnen und mich zu einem der besten Fußballer der Welt entwickeln.

Was fehlt noch zur Perfektion?

Özil: Ich trainiere hart daran, dass mein rechter Fuß und mein Kopfballspiel besser werden. Und ich bin dreimal die Woche im Kraftraum.

Sie haben zugenommen.

Özil: Ja. Zwei Kilo. Ich trainiere viel für den Oberkörper und die Bauchmuskulatur.

Warum singen Sie bei Länderspielen die deutsche Nationalhymne nicht mit? Weil Ihre Wurzeln in der Türkei liegen?

Özil: Nein, damit hat das nichts zu tun. Seit ich fünf Jahre alt bin, bete ich immer vor jedem Spiel. Das ist jetzt zu einem festen Ritual geworden. Es beruhigt mich, es macht mir vor dem Anpfiff noch einmal bewusst, dass ich dankbar dafür sein muss, dass ich gesund auf dem Platz stehen darf.

Wie war das Treffen mit Ihrem Vorbild Zinedine Zidane?

Özil: Wunderbar. Er war ganz locker. Aber ich habe vom ersten Moment an gespürt, dass da ein ganz besonderer Mensch und Fußballer vor mir steht. Für mich war er der kompletteste Spieler aller Zeiten.

Welches Ziel haben Sie mit der deutschen Mannschaft?

Özil: Ich will Europameister werden. Wir müssen 2012 den Titel holen.

Interview: Thomas Gassmann

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