tz-Kolumne 

tz-Experte verrät: Über England lachen sogar die eigenen Fans

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Trotz zahlreicher Ausfälle scheinen die Engländer dennoch gute Laune zu haben. 

Vor dem Länderspiel-Klassiker zwischen dem DFB-Team und England begräbt Sunday-Mirror-Reporter Simon Mullock seine Hoffnungen, dass den „Three Lions“ bei der WM 2018 eine Überraschung gelingen könnte.   

Wir Engländer bewundern unsere Spieler nur dann, wenn sie nicht im Nationalteam sind. Ein Beispiel: Jene Kicker, die beim EM-Debakel gegen Island nicht mit dabei waren, genossen danach plötzlich höheres Ansehen. Schließlich waren sie nicht Teil dieser nationalen Erniedrigung gewesen. Es überrascht daher nicht, dass sich sechs (!) Akteure vor den Partien gegen Deutschland (hier geht es zum Live-Ticker) und Brasilien drücken. Kane, Alli, Sterling, Henderson, Delph und Winks täuschen Verletzungen vor – ein offenes Geheimnis. Aber: Sollte England beide Partien verlieren, müssen sie sich nicht um ihre Reputation sorgen. Sie waren ja nicht dabei.

Der englische Fußball ist momentan ein Widerspruch an sich. Wir sind uns nicht sicher, ob wir weinen oder lachen sollen. Erst vergangenen Monat kehrte unsere U 17 mit dem WM-Titel im Gepäck aus Indien heim. Im Halbfinale musste Brasilien dran glauben, im Finale stand es nach einem 0:2-Rückstand gegen Spanien 5:2. Die U 20 wurde im Sommer ebenfalls Weltmeister, die U 17 zudem Vize-Europameister. Was die Herren angeht, sind die Hoffnungen auf eine bessere Vorstellung als in Frankreich hingegen wie immer: nicht gegeben.

Nach der Schande von Nizza war das Team eine einzige Verunsicherung

Simon Mullock

Immerhin: Man kann Teammanager Southgate nicht ankreiden, er habe in der WM-Quali keinen guten Job gemacht. Die Mannschaft, die er übernahm, war nach der Schande von Nizza eine einzige Verunsicherung. England ist ungeschlagen durch die Gruppe marschiert, in der es aber auch auf Kaliber wie die Slowakei, Slowenien, Schottland, Litauen und Malta getroffen ist. Tiefschlafgruppe statt Todesgruppe. Die Schotten konnte man in Glasgow dennoch nicht bezwingen.
Dafür ist England die einzige Mannschaft, über die sogar ihre eigenen Fans lachen. Während der Quali gab Southgate tatsächlich zu, ein Spieler würde quasi garantiert nominiert, wenn er zwei Fragen mit ja beantworten könne: Sind Sie Engländer? Und spielen Sie in der Premier League? Sollte beides zutreffen, solle er sich doch bitte samt Fußballschuhen beim National Football Centre am St. George’s Park melden.

Acht legendäre Duelle zwischen Deutschland und England

Englische Nationalmannschaft? „Lästige Pflicht“

Wer gegen Deutschland und Brasilien statt Kane & Co. dabei ist? Sie müssen schon ein wahrer Experte sein, um mit diesen Namen etwas anfangen zu können. Sagen wir so: Angst vor Paparazzi müssen diese Kicker nicht gerade haben, wenn sie daheim einen Fuß vor die Tür setzen. Sollten Sie Ballartisten wie Jordan Pickford, Joe Gomez, Michael ­Keane, Harry Maguire, Jack Livermore, Ruben Loftus-Cheek, Jack Cork oder Tammy Abraham doch kennen, sind Sie ein Fußballstreber! Ashley Young hingegen kennt man. Er ist 32 und wäre von United fast nach China verkauft worden, heute ist er aber mit von der Partie. Es gab Zeiten, da war es noch eine Ehre, für England aufzulaufen. Heute ist es lästige Pflicht.

Simon Mullock, Korrespondent beim Sunday Mirror

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