tz-Experten-Kolumne

Kohler: "Ein großer Dank an Berti Vogts!"

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Jürgen Kohler, Weltmeister 1990.

München - In seiner tz-Experten-Kolumne analysiert Jürgen Kohler die Gründe für den WM-Titel - und schickt einen Dank an Berti Vogts.

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an Jogi Löw und die deutsche Mannschaft, dieser Weltmeister-Titel ist in jeder Hinsicht verdient. Wir 1990er-Weltmeister haben absolut würdige Erben gefunden!

Ich habe schon vor der WM in verschiedenen Interviews gesagt, dass ich in diesem Turnier keine bessere Mannschaft sehe als Deutschland. Spanien und Italien sind mit diesen Kaderzusammenstellungen über ihren Zenit hinaus gewesen, die Südamerikaner waren zwar größtenteils gut, aber auch nicht überragend. Deutschland hat trotz der Ausfälle von Mario Gomez, Ilkay Gündogan und Marco Reus die am stärksten besetzte Auswechselbank mit nach Brasilien gebracht. Im Finale hat genau das den Ausschlag gegeben. Argentinien hat zwar sein mit Abstand bestes Turnierspiel abgeliefert, aber sie konnten in der entscheidenden Phase des Spiels nicht mehr nachlegen. Ich will Palacio und Gago nicht zu nahe treten, aber sie haben im Vergleich zu Schürrle und Götze nicht die ganz große Qualität. Schürrles Tempo und Götzes technische Klasse haben die Partie mit dem herrlichen Tor zum 1:0 entschieden.

Jogi Löw hatte bei seinen Einwechslungen im gesamten Turnier stets das richtige Händchen. Er hat hervorragend gecoacht, bei Bedarf die Taktik angepasst, und er hat es geschafft, eine Einheit zu formen, die den spielerischen Ansatz mit deutschen Tugenden verknüpft. Diese WM war sein Meisterstück. Der ganz große Titeldruck ist seit Sonntag weg, das Selbstvertrauen noch mal gewachsen. Ich sehe keinen Grund, warum Deutschland in den nächsten Jahren nicht weitere Turniere gewinnen sollte. An jungen Spielern herrscht kein Mangel, die Bundesligaklubs liefern Qualität in einem nie dagewesenen Ausmaß. Von daher ist jetzt auch mal ein großer Dank an Berti Vogts fällig, der den am Boden liegenden, abgehängten deutschen Fußball um die Jahrtausendwende mit seinen Impulsen in Sachen Nachwuchsförderung und Leistungszentren wieder aufs richtige Gleis gesetzt hat. Ohne Berti wären Jürgen Klinsmann und Jogi Löw kaum Bundestrainer geworden, das wird leider viel zu oft übersehen. Deshalb trägt dieser Weltmeister-Titel auch Bertis Namen.

Jürgen Kohler

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