tz-Experten-Kolumne von Rudi ­Gutendorf

"Wie immer schon: Glänzen für Europa"

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Rudi ­Gutendorf.

München - Am Wochenende hat der Afrika Cup begonnen. In seiner tz-Experten-Kolumne schreibt der ehemalige Fußballtrainer Rudi ­Gutendorf darüber.

Am Wochenende hat der Afrika Cup begonnen, für mich natürlich ein hochinteressantes Turnier. Ich werde mir die Spiele anschauen, soweit sie bei uns im Fernsehen laufen. Denn in Europa werden nur die Topspiele gezeigt, wir bekommen längst nicht alles zu sehen – was sicher auch verständlich ist. Das Interesse am Afrika Cup ist für den gemeinen Fußballfan nicht allzu groß, bei den Beratern sieht das schon wieder ganz anders aus – und das schon seit Jahren! Die Gründe haben sich nicht großartig geändert: Es gibt richtig gute Spieler in Afrika, die relativ günstig zu haben sind. In meiner Zeit in Ghana Mitte der 80er-Jahre ist mir zum Beispiel ein gewisser Anthony Yeboah aufgefallen. Fußballkenner

wissen, was er später für eine große Karriere in Saarbrücken, Frankfurt und dann Leeds hingelegt hat. Und so läuft das Geschäft heute noch, was bedeutet: Die Spieler hauen sich gerade beim Afrika Cup richtig rein! Sie spielen für ihr Land, aber sie glänzen für Europa! Sie trainieren heute härter als früher, die jungen Spieler haben ihre Vorbilder. Dementsprechend ist die Einstellung eine andere als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Was man bei so einem Turnier natürlich nicht aus den Augen verlieren darf, das ist die politische Situation im Land. Der diesjährige Ausrichter Äquatorialguinea beispielsweise ist eine lupenreine Diktatur. Da herrschen höchst bedenkliche Zustände. Aber soll man das Turnier deswegen nicht dorthin vergeben? Soll man es boykottieren? Ich sage: Die politische Situation erlangt erst durch den Fußball Aufmerksamkeit. Natürlich ist sie längst nicht so hoch wie in anderen Ländern. Aber es ist ein Anfang. Mit zunehmender Dauer wird hoffentlich auch bei uns noch mehr berichtet vom Afrika Cup 2015.

Was ich Ihnen jetzt schon sagen kann, ist, wen ich als Topfavoriten auf der Rechnung habe: Da ist zum einen Algerien, wir kennen sie noch gut von der WM. Und da ist die Elfenbeinküste. Die Jungs darf man nie abschreiben!

Rudi ­Gutendorf, ehemaliger Fußballtrainer

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