Hertha? Braucht keiner!

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Hertha-Trainer Lucien Favre.

tz-Kolunist Jörg Heinrich hat eine deutliche Meinung über den derzeitigen Tabellenführer der Bundesliga.

Niemand kann allen Ernstes wollen, dass Tabellenführer Hertha BSC Berlin aus Versehen Deutscher Meister wird. Und dass es bei der Meisterfeier zwar wie immer Weißbier gibt – diesmal aber mit Waldmeistersirup. Denn Hertha BSC ist der Totensonntag unter den Bundesliga-Vereinen – übellaunig wie ein Berliner Droschkenkutscher, mausgrau, wolkenverhangen, leblos bis tot. Arm, aber unsexy. Oder, wie es das Magazin 11 Freunde letztens so trefflich schrieb: „Die hässliche Fratze der Bundesliga.“

Hey Hertha, jetzt hömma zu: Niemand kann euch leiden. Schon gar nicht die Berliner. Die Karten für eure Heimspiele werden im Supermarkt verscherbelt wie bei uns die Tengelmann-Herzen. Für 75 Euro Einkauf bei Kaiser’s drängt man den armen Kunden zwei kostenlose Karten für den Betonbunker Olympiastadion auf. Für zwei Kästen mieses Carlsberg-Bier gibt’s zur Strafe auch noch ein Hertha-Ticket.

Dauerkarten sind am Grabbeltisch ab 109 Euro zu haben. Hingehen will trotzdem kein Mensch. Klar: Kennen Sie einen Hertha-Fan? Ich nicht. Kennen Sie einen, der einen Hertha-Spieler kennt – außer dem schnarchlangweiligen Arne Friedrich, und außer Marko Pantelic, dem einzigen mit Minimal-Glamour, der deshalb auch nicht mehr mitspielen darf?

Genau genommen ist alles schlimm an Hertha BSC Berlin. Dieter Hoeneß ist der Ralf Schumacher unter den Managern, abzüglich Cora. Die Anhänger sind als chronisch dumpfbackig verschrien. Und Trikotsponsor ist, wegen erheblicher politischer Protektion, die Deutsche Bahn AG – also praktisch Hartmut Mehdorn und seine oberste Chefin Angela. Na prima. Die Hertha-Spieler würden also eh zur spät zur Meisterfeier kommen.

Und die Zeitungsanzeigen im Mai mag man sich nicht einmal in den finstersten Träumen ausmalen: Hartmut, Angie und Wowi gratulieren dem Deutschen Meister Hertha BSC Berlin. Fürchtet Euch nicht! Auf dem Platz lautet die Hertha-Taktik auch unter Trainer Favre: „Niemand hat die Absicht, keine Mauer zu errichten.“ Weil die Konkurrenz noch übler kickt und weil Favre ein cleveres Kerlchen ist, hat es die Mannschaft damit unglücklicherweise an die Spitze gespült.

Aber noch stehen die Chancen gut, dass sich die Berliner auch diesmal für den Wettbewerb qualifizieren, in den sie gehören – den UI-Cup. Traditionelles Ausscheiden gegen Lokomotive Sewastopol inbegriffen. Wollen Sie sich das Gemetzel vorstellen, wenn Barça in der Champions League über Hertha herfällt? So oft kann Bayern gar nicht 12:1 gegen Lissabon gewinnen, um unseren Fußball in der Uefa-Wertung vor dem Mehdorn-Verein zu retten.

Zusammengefasst: Der Gedanke an einen Deutschen Meister Hertha BSC Berlin ist so erfreulich wie eine Tierseuche. Nieder mit Hertha BSE! Eisern Union!

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