Der neue Spielmacher im tz-Interview

Özil: Gebet bei der Hymne

Mesut Özil
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Mesut Özil: „Es ist sehr schade, dass die Türkei ausgeschieden ist.“

So einen wie ihn hat es im deutschen Fußball lange nicht gegeben: Mesut Özil (20) soll die Löw-Elf bei der WM zum Titel lenken. Der türkischstämmige Gelsenkirchener über Träume, Gebet und den Druck als Hoffnungsträger.

Nach Ihrem ersten Start­elf-Auftritt als Spielmacher gegen Südafrika sind Sie zum Heilsbringer gemacht worden. Wie haben Sie das Lob aufgenommen?
Özil:

Ich bin immer noch der alte Mesut. Wenn ich auf dem Platz bin, bin ich einfach glücklich und will Gas geben, Spaß und Erfolg haben. Und ich hasse es zu verlieren.

Wer hilft Ihnen dabei, nicht zu hoch zu fliegen?
Özil:

So etwas wird mir nicht passieren, weil ich einfach so erzogen wurde.

Es wird bald so sein, dass Sie nicht unerkannt über die Straße gehen können. Graut Ihnen davor?
Özil:

Nein, mir macht es Riesenspaß, wenn die Leute kommen und sagen, dass ich gut gespielt habe oder Autogramme haben wollen. Für mich ist das eine Ehre.

Mesut Özil privat

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Der klassische Zehner schien im modernen Fußball auszusterben. Wie interpretieren Sie Ihre Rolle?
Özil:

Ich war schon in der Jugend immer der Spielmacher. Wenn ich den Ball habe, will ich immer was für die Offensive machen. Wenn der Gegenspieler kommt, muss man eben schnell entscheiden. Ich denke, dass ich diese Gabe habe.

Ihre Spielweise birgt Risiken. Wie wichtig ist die Rückendeckung der erfahrenen Mitspieler?
Özil:

Michael Ballack oder Philipp Lahm sagen immer: Wir sind hinter dir, du hast alle Freiheiten nach vorne – das macht für mich natürlich vieles leichter.

Träumen Sie schon von der WM?
Özil:

Natürlich. Wir wollten unbedingt dabei sein. Das haben wir geschafft. Ich muss konstant Leistung bringen und gesund bleiben, dann denke ich auch, dass ich spielen werde. Und dann wollen wir natürlich den Titel holen. Das Potenzial haben wir.

Wie wichtig war der Wechsel von Schalke nach Bremen für Ihre Entwicklung?
Özil:

Sehr wichtig. Ich bin robuster, erfahrener und selbstständiger geworden. Früher hatte ich meine Familie, die alles für mich gemacht hat. Aber die heimische Küche fehlt mir schon.

Sie stehen mehr im Fokus als früher – werden Sie auf dem Platz auch härter attackiert?
Özil:

Fußball ist hart, man kriegt eben auf die So­cken – zum Glück tragen wir Schienbeinschoner.

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Die Türkei ist nicht bei der WM dabei…
Özil:

Es ist sehr schade, dass die Türkei ausgeschieden ist. Die Deutschen drücken mir sicher die Daumen. Wenn die Türken das jetzt vielleicht auch machen, bin ich umso glücklicher.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie vor dem Spiel die Nationalhymne hören?
Özil:

Ich bin natürlich stolz. Und ich bete Verse aus dem Koran – das gibt mir Kraft. Wenn ich das nicht machen würde, hätte ich ein schlechtes Gefühl.

Interview: Sven Töllner

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