tz-WM-Kolumne

Für diesen Reporter ist es die 14. (!) WM

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Journalist Hartmut Scherzer

Für den Journalisten Hartmut Scherzer ist Brasilien 2014 bereits die 14 (!) WM. tz-Reporter Michael Knippekötter hat sich mit ihm zum Interview getroffen.

Das ist es dann also gewesen mit dieser WM, der 20. der Fußballgeschichte. Zeit für ein Fazit. Ich dachte mir, am besten setze ich mich dazu mit Hartmut Scherzer (76) zusammen, der Journalist beendet hier gerade seine 14. (!) WM, damit hat er den Rekord eines englischen Kollegen eingestellt. Kann das also irgendeiner besser einordnen?

Herr Scherzer, was war Ihre erste WM?

Scherzer: 1962 in Chile, damals war ich für eine amerikanische Nachrichtenagentur dort. Und nur so war das überhaupt finanzierbar, schließlich kostete ein Flug von Frankfurt nach Santiago so viel wie ein Volkswagen. Vor Ort waren wir 15 deutsche Journalisten, die Mannschaft war in einer Kaserne untergebracht. Da ging das also schon los mit der Abschottung! Immerhin durfte man nach den Spielen in die Kabine.

Welche Weltmeisterschaft war für Sie die, die am stärksten in Erinnung blieb?

Scherzer: Ich habe sogar eine persönliche Rangliste! Die schönste WM war 1966, weil da einen Tag nach der Geburt meiner Tochter Nicole Lothar Emmerich dieses sensationelle Tor geschossen hat. Die Kollegen meinten schon, nun kann das Mädchen nur Emma heißen! Soweit ist es aber nicht gekommen (lacht). Auch das ganze Ambiente, die Dramatik mit dem Wembley-Tor sind unvergessen! Nummer zwei war 1970 in ­Mexiko, mit dem ganz besonderen Provinz-Flair in Leon. Und die drittschönste WM war für mich 1990 in Italien.

Was fällt Ihnen zu Brasilien ein?

Scherzer: Die Arbeitsmöglichkeiten, die technischen Voraussetzungen – das ist gelungen. Schlimm ist allerdings, dass die FIFA und die Organisatoren so viele Spielorte in diesem riesigen Land mit seinen verschiedenen Klimazonen auswählten. Sie jagen die Mannschaften drei- bis viertausend Kilometer durchs Land, was auch eine große Rücksichtslosigkeit gegenüber den Fans ist. Was die auf sich nehmen, ebenso wie wir Journalisten, da kann ich nur sagen: Von der Logistik her ist es die schlimmste WM, die von uns auch physisch am meisten abverlangt.

Und deshalb ist jetzt Schluss?

Scherzer: Nein. Wenn der liebe Gott es so will, fliege ich in vier Jahren nach Moskau. Dann werde ich alleiniger Weltrekordhalter. Das ist aber nicht der Grund – es ist einfach mein Job. Und übrigens: Ich bin der Hartmut, freut mich!

Interview: Michael Knippenkötter

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