Löw verzichtet auf den Stürmer

tz-Kommentar zu Kruse-Rauswurf: "Wer nicht hören will, muss fühlen"

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tz-Redakteur Sven Westerschulze.

München - Joachim Löw hat Max Kruse nach seinen jüngsten privaten Fehltritten nicht für die Länderspiele gegen England und Italien nominiert. tz-Redakteur Sven Westerschulze kommentiert die Ausbootung.

Das war es jetzt also für Max Kruse. Nicht nur die beiden anstehenden Länderspiele ­gegen England und Italien haben sich für ihn erledigt, sondern auch die EM im Sommer. Nach den jüngsten Enthüllungen deutet alles darauf hin. Es ist mehr als verständlich, denn nach der Vielzahl an ­Eskapaden blieb Joachim Löw gar keine andere Wahl, als Kruse aus dem EM-Zug nach Frankreich zu werfen. Wer jetzt sagt, auch ein Fußballprofi habe das Recht, ­seinen Geburtstag feiern zu dürfen, ohne dabei gleich aus dem Team geschmissen zu werden, dem will ich gar nicht widersprechen. Aber bei ­Kruse steckt mehr dahinter.

tz-Redakteur Sven Westerschulze.

Der nächtliche Ausflug vergangenen Samstag nach Berlin war nicht der einzige Grund, ihn aus dem Kader zu streichen – er war lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Schon die WM 2014 verpasste Kruse trotz guter Form überraschend, Grund soll ein verbotener Damenbesuch im Teamhotel beim Länderspiel in England im November 2013 gewesen sein. Die Nicht-Nominierung für ­Brasilien war der Denkzettel für Kruse, in der Folge setzte Löw wieder auf ihn. Der Wolfsburger bedankte sich für die zweite Chance, sein 2:1-Siegtreffer gegen Georgien bescherte dem DFB-Team Platz eins in der EM-Qualifikation. Doch der 28-Jährige gab nicht nur auf, sondern auch abseits des Platzes weiter Vollgas. Erst die Gerüchte um ein Techtelmechtel des Nationalspielers mit einer Kandidatin der Kuppelshow „Der Bachelor“, dann die Taxiaffäre, jetzt der Geburtstagszoff – ­irgendwann ist das Maß voll. Ganz zu schweigen von dem jetzt noch aufgetauchten ­Privatvideo.

Das hat auch Jogi Löw so gesehen und Kruse, obwohl er ihm vergangene Woche noch einmal ausdrücklich ins Gewissen geredet hatte, abserviert. Es war die einzig richtige Entscheidung, um die Mission EM-Titel nicht durch solche Schlagzeilen zu gefährden. Löw hat den exzentrischen Angreifer gewarnt – doch wer nicht hören will, muss fühlen. Sonst hätte der Bundestrainer nicht nur an Autorität eingebüßt, sondern auch den so gerne beschworenen Teamgeist der Mannschaft auf eine harte Probe gestellt. Natürlich hat auch ein Fußballer das Recht auf Privatsphäre, aber genauso besitzt er auch eine Vorbildfunktion. Und, das dürfte im Fall Kruse der ausschlaggebende Punkt gewesen sein, auch eine Verantwortung gegenüber seinen Teamkollegen. Der hat Kruse sich entzogen. Und das nicht nur einmal.

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