Der neue Coach will die Wende

Los, Juhukay!

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Da geht’s auf die Gewinnerstraße! Jos Luhukay (Mitte) setzt alle Hebel in Bewegung

Nur 56 Stunden. Die Zeit läuft. Jos Luhukay hat seit seinem Amtsantritt am Mittwoch um 10 Uhr nur wenig Zeit, aus dem FC Augsburg eine schlagfertige Truppe zu formen.

Schon Freitag, 18 Uhr, geht’s im Rosenaustadion gegen den VfL Osnabrück wieder zur Sache. Der neue Erfolgstrainer soll’s richten, erst mit dem Klassenerhalt. Dann will er wie bei seinen vorherigen Arbeitgebern „guten, offensiven und attraktiven Fußball, der die Fans beeindruckt und begeistert“ bieten: Los, Juhukay!

„Juhukay“, so taufte der Kölner Express den Niederländer in seinem Aufstiegsjahr bei Borussia Mönchengladbach. Ähnlichen Erfolg will er fortan auch den Schwaben einimpfen, auch wenn ihm die nächste Saison als Start seiner Mission lieber gewesen wäre… „Ich finde es schade, dass es die Mannschaft in den letzten Wochen nicht geschafft hat, gegen Mitkonkurrenten die erwünschten Dreier zu holen“, bedauert Luhukay: „Einfach schade.“

Auch für ihn kam der Rückschlag unerwartet. Die Gründe dafür kennt Luhukay ebenso wenig wie sein Vorgänger Holger Fach. Ist ihm auch erst mal egal. Mit den vergangenen Misserfolgen will er sich nicht mehr plagen. „Die Kehrtwende soll gleich am Freitag einsetzen, mit einem Sieg!“, fordert der 45-Jährige. „Wir dürfen keine Angst haben zu verlieren. Da setze ich den Hebel an. Die Spieler brauchen ein Erfolgserlebnis als Heilmittel.“

Sie braucht nicht nur das: Wie die tz aus mehreren Quellen erfuhr, war es um die Teamchemie schon mal besser bestellt. Deutlicher gesagt: Sie gleicht einem explosiven Knallgasgemisch. Als Chemiker und Medizinmann hat Luhukay bis Freitag kaum Mittel zur Hand. Bis Stunden vor dem Anpfiff will er die Spieler auf dem Rasen beobachten, dazu Einzel- und Gruppengespräche führen.

Eine Einheit setzte er für Donnerstag, 17 Uhr an, was dem Biorhythmus fürs anstehende Abendspiel entgegenkommen soll. Davor geht es wie gehabt ins Team-Hotel. Das Abschlusstraining findet um 10 Uhr statt. Dann geht’s an die Aufstellung, die er voraussichtlich nach eigenem Gusto anfertigt.

Luhukay gilt als Trainer, der gerne auf junge Spieler setzt. Das steht im Widerspruch zur Fach-Elf, die aus vielen Routiniers um den wiedergenesenen Kapitän Lars Müller bestand. Spieler wie Stephan Hain (20 Jahre alt), Mark Prettenthaler (26) und Robert Strauß (22, wegen einer Zerrung fraglich) fielen dabei kategorisch durch das Raster. Das könnte sich schnell ändern, weil Luhukay jeden Spieler neu bewerten will. Muss er auch, denn live hat er die Spieler in den letzten Wochen nicht inspiziert: „Ich wollte mich nicht aufdrängen und meinem Kollegen nicht im Weg stehen. Ich habe die Mannschaft nur mit Abstand im Fernsehen verfolgt“, erklärt Luhukay.

Stattdessen hat er sich in den vergangenen Monaten in anderen Ligen umgesehen, dort nach möglichen Kandidaten für den FCA gesucht. Zunächst muss er mit der Elf Vorlieb nehmen, die ihm Fach überlassen hat. Ratschläge vom Vorgänger will sich Luhukay nicht einholen, auch aus Anstand: „Er möchte sicher erst Abstand nehmen“, vermutet Luhukay. Er kennt diese „andere Seite des Trainerlebens“ aus Gladbach.

Dort wurde er in der Saison nach dem Aufstieg vom Juhukay zum Buhukay und schließlich gefeuert. „In dieser Situation waren auch viele andere gute Kollegen. Das hat mich nicht umgeworfen“, sagt der Trainer. Vergangenheit, abgehakt. Jetzt tickt für ihn in Augsburg die Uhr. Weil er jede seiner 56 Stunden nutzen will, wird die Aufstellung gegen Osnabrück eine Last-Minute-Entscheidung. Luhukay bleibt locker: „Am Freitag werde ich irgendwann zu einem Kader und einer ersten Elf kommen.“

Tobias Kimmel

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