Kommt die Fußball-Revolution?

UEFA plant europaweite EM 2020

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UEFA-Boss Michel Platini sorgte schon einige male für Aufsehen mit seinen Vorschlägen zur Modernisierung des Fußballs.

Kiew - Es wäre eine Fußball-Revolution! UEFA-Präsident Michel Platini erwägt, die EM 2020 europaweit auszutragen. Auf Torlinientechnik hat er aber keine Lust.

Michel Platini plant die EM-Revolution. Der UEFA-Präsident will die Endrunde 2020 nicht mehr nur in höchstens zwei Ländern ausrichten, sondern an „12 oder 13 Städte“ in ganz Europa vergeben. Von der UEFA-Exekutive erhielt der Franzose grünes Licht, seine ungewöhnliche Idee den Landesverbänden zu unterbreiten. Im Dezember oder Januar soll eine Entscheidung fallen.

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

Diego Maradona wird von vielen als bester Kicker aller Zeiten gesehen. Dem Argentinier kosteten seine Kokainsucht und sein unsteter Lebenswandel aber auch beinahe das Leben. © dpa
Maik Franz ist für viele Stürmer ein Alptraum. Das Rauhbein wurde von Bayern Knipser Mario Gomez sogar mit dem A-Wort betitelt. © dpa
Mark van Bommel ist in ganz Europa berüchtigt für seine harte Gangart auf dem Platz. Seine Mitspieler sehen in ihm aber auch den idealen Anführer. © dpa
Roy Keane war Ende der 90er-Jahre Kapitän bei Manchester United. Er galt als giftiger Mittelfeld-Leader. Der Ire war bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehen. © dpa
Kevin-Prince Boateng beendete mit einem harten Foul Michael Ballacks DFB-Karriere. Auch neben dem Platz ist er immer wieder durch Undiszipliniertheiten aufgefallen. Beim AC Milan hat er den Durchbruch geschafft. © dpa
Supertalent oder Gossenjunge? Marko Arnautovic sorgt regelmäßig für Diskussionsstoff. © dpa
Beim FC Bayern genießt er messiasähnlichen Status. In gegnerischen Stadien wird Uli Hoeneß regelmäßig ausgepfiffen. © dpa
Cristiano Ronaldo - Sein selbstverliebtes Gehabe bringt viele Fußballfans auf die Palme. Andere bewundern sein Tempo und seine Technik. © dpa
Der portugiesische Star-Verteidiger Pépe wird in Spanien "Furia" genannt. Er ist bekannt für fiese Fouls und zügellose Ausraster. © dpa
Mario Ballotelli hat es nicht leicht. In Italien musste er oft rassistische Beleidigungen ertragen. Seinen Dartpfeilwurf auf einen Jugendspieler entschuldigt das aber auch nicht. © dpa
Gennaro Gattuso gilt als einer der gefürchtetsten Mittelfeldabräumer Europas. Mit zahllosen Stars hatte er schon Privatfehden auf dem Platz. © dpa
Adrian Mutu ist der derzeit wahrscheinlich beste Fußballer Rumäniens. Leider fiel er auch immer wieder durch Kokain-Affären auf. © dpa
David Jarolim zählt zu den unbeliebtesten Gegenspielern in der Bundesliga. Der Tscheche teilt gerne aus, mimt aber selbst oft den "sterbenden Schwan". © dpa
Den Brasilianer Rafinha würden wohl viele mit dem Ausdruck "Giftzwerg" beschreiben. Der harte Rechtsverteidiger ist bekannt für seine ausschweifenden Haus-Partys. © dpa
Vinnie Jones war einer der härtesten Kicker die die Premier-League je gesehen hat. 13 Platzverweise zeichnen seine Vita. Heute ist das Rauhbein ein englischer Filmstar. © dpa
Andy Möller wurde von vielen Kollegen als "Heulsuse"bezeichnet. Legendär war sein gewagter Wechsel vom BVB zu Schalke 04. © dpa
Besonders für die Bayern-Fans ein Alptraum -Strafraumwühler Filippo Inzaghi schoss den FCB schon öfter aus der Champions League. Er gilt aber auch als großer Schauspieler auf dem Platz. © dpa
Jens Lehmann ist bekannt für seinen großen Ehrgeiz. Lief etwas nicht nach Plan, rastete er wie hier gegen Ulf Kirsten gerne mal aus. © dpa
In anderen Stadien wurde Oliver Kahn oft mit Bananen beworfen. Im Jahr 2000 traf ihn ein Golfball. Für Bayern-Feinde war er jahrelang Symbolfigur ihres Hasses. Andere feierten ihn als Titan. © dpa
Werner "Beinhart" Lorant galt als harter Trainer, der die Löwen von der Bayernliga in die Bundesliga brachte. Er war aber auch für seine Ausraster berühmt. © dpa
Bernd Schuster wurde in Spanier als "blonder Engel" verehrt. Dem grazilen Techniker wurden aber auch Egoismus und Geldgier nachgesagt. © dpa
Mit seiner Führungsstärke führte Stefan Effenberg den FC Bayern zum Champions-League-Titel 2001. Seine manchmal überhebliche Art stößt aber nicht überall auf Gegenliebe. © dpa
Als Spieler wurde Matthias Sammer Europas Fußballer des Jahres. Bei Spielern und Fans trug er für seine impulsive Art den Spitznamen "Motzki". © dpa
Der Franzose Eric Cantona wurder auf der Insel als "Le King" verehrt. Vielen bleibt aber auch sein Kung-Fu-Ausraster gegen einen Fan in Erinnerung. © dpa
Der kanllharte Manndecker Uli Borowka (links) trug den Beinamen "Axt". Der Ex-Nationalspieler galt als schwieriger Charakter. Seine jahrelange Alkoholsucht hat er mittlerweile überwunden. © dpa
Toni Schumacher war einer der besten Keeper, die Deutschland jemals hatte. Mit seiner Biographie und seinem berümten Foul im WM-Halbfinale hat er sich aber auch viele Feinde gemacht. © dpa
Tim Wiese gilt bei vielen als Narzist, der gerne zu Ausrastern neigt. Seine Leistungen werden aber nicht nur von Jogi Löw geschätzt.  © dpa
Paolo Di Canio ist bekennender Mussolini-Verehrer. Der ehemalige Kicker von Lazio Rom wurde von den eigenen Fans geliebt. Für viele ist er Sinnbild für die Fremdenfeindlichkeit im italienischen Fußball.  © dpa
Durch die Beleidigung Zinedine Zidanes im WM-Finale 2006 erlangte Marco Materazzi Berühmtheit. Auch heute ist der knallharte Inter-Verteidiger bei den Gegenspielern noch äußerst unbeliebt. © dpa
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Wandelte jahrelang zwischen Genie und Wahnsinn: Paul Gascoigne hat sein leben bis heute nicht in den Griff bekommen. Für seine spektakuläre Spielweise wird er auf der Insel noch immer verehrt. © dpa
Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs
Mario Basler hatte als Spieler auf dem Rasen bisweilen den Aktionsradius eines Bierdeckels, während er abseits des Platzes richtig Gas gab. Auch heute ist Basler als Experte noch um keinen Spruch verlegen. Sich dabei Feinde zu machen, stört ihn nicht im Geringsten. © Getty
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Louis van Gaal eilte ein zweifelhafter Ruf voraus, als er nach München kam. Der Niederländer wurde seinem Ruf gerecht. Zu seinen größten Feinden zählen Journalisten ebenso wie Spieler, die von seinem rigorosen Kurs abweichen. © Getty
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Michael Thurk hat sich bei seinen Ex-Vereinen Eintracht Frankfurt, FSV Mainz 05 und Energie Cottbus mit seiner leidenschaftlichen Art viele Freunde, aber auch viele Feinde gemacht. Er sagt seine Meinung stets gerade heraus. Deswegen hat ihn der FC Augsburg suspendiert. © Getty
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Zlatan Ibrahimovic geht kaum einer Nickligkeit aus dem Weg und neigt zu versteckten Fouls. Aber wehe, ihn fasst einer an ... (siehe oben) © Getty
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Keiner pendelt so sehr zwischen Genie und Wahnsinn wie José Mourinho. Der Trainer sieht sich selbst zwischen Gott und Jesus, und nimmt sich daher so einiges heraus. © Getty
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Craig Bellamy trägt den schönen Spitznamen "The Nutter with the Putter" (frei übersetzt: Der irre mit dem Golfschläger), weil er einst einen Golfschläger fachfremd einsetzte. Der Waliser gilt auch sonst nicht gerade als einfach ... © Getty
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Holger Fachs Sympathiewerte liegen unter denen der FDP (Stand September 2011). Bei seinen Ex-Vereinen stellte er sich durch seine unversöhnliche Art schnell ins Abseits. Jetzt trainiert er in Kasachstan. Dort kennt keiner die FDP. © Getty
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Streit - der Name ist Programm. Albert Streit galt stets als Talent, doch Defizite im zwischenmenschlichen Bereich verhinderten eine große Karriere. Mit einem dicken Gehalt ausgestattet fühlte er sich auch bei Schalke II nicht unwohl. Das haben ihm viele Fußball-Fans übelgenommen. © Getty
Wolfram Wuttke soll Jupp Heynckes' Spitznamen "Osram" erfunden und seinem Trainer Dietrich Weise einst ins Bett gepinkelt haben. Stimmt zwar beides nicht, trug aber zur Legendenbildung bei. © dapd

„Wir können in zwölf Städten in einem Land spielen, aber auch in zwölf Städten in ganz Europa. Es ist bislang nur ein Vorschlag, aber ich halte das für eine großartige Idee und freue mich auf die Diskussion darüber“, sagte Platini, der hervorhob, dass der Vorschlag von ihm stammte. „Wir bräuchten keine Stadien oder Flughäfen zu bauen, sondern könnten auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen. Das wäre wichtig in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagte dem SID: „Der DFB ist offen für solche Planspiele, über die mich Michel Platini vorab informiert hatte. Aber ein endgültiges Urteil ist erst möglich, wenn die von der UEFA eingesetzte Kommission bis ins letzte Detail eine Konstruktion entwickelt hat.“

Bedenken wegen der zu bewältigenden weiten Wege wischte derweil Platini beiseite: In Zeiten fallender Flugpreise sei der Vorschlag umsetzbar, und es „ist doch einfacher, von London nach Paris oder Berlin zu kommen als von Cardiff nach Danzig“.

Bislang gibt es drei offizielle Bewerber um die EM 2020: Die Türkei sowie die Bündnisse Wales/Schottland/Irland und Georgien/Aserbaidschan. Ein Hintergrund für Platinis Vorschlag könnten auch die Probleme sein, die vor allem der aktuelle Co-Gastgeber Ukraine im Vorfeld der EM bereitet hatte.

Platini räumte am Samstag ein, dass die UEFA im Vorfeld der EM erwogen hat, der Ukraine die Endrunde wegen organisatorischer Mängel zu entziehen. „Wir hatten nie Zweifel an Polen, aber wir hatten eine Weile lang Zweifel an der Ukraine. Wir haben über acht Spielstädte in Polen nachgedacht“, sagte Platini, der betonte, dass Deutschland als Ersatz-Gastgeber nie in Betracht gekommen sei.

Der Türkei, die bislang als aussichtsreicher Kandidat für die EM 2020 galt, gab Platini eine klare Ansage mit auf den Weg. „Wir werden nicht auf die Entscheidung des IOC warten, auf keinen Fall. Wir haben viele potenzielle Kandidaten“, sagte Platini mit Blick auf die Tatsache, dass sich die Türkei mit Istanbul auch noch für die Olympischen Spiele 2020 bewirbt. Gegner sind Tokio und Madrid, die Entscheidung fällt im September 2013.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erwägt eine Kandidatur für die EM 2020, falls Istanbul den Olympia-Zuschlag erhält. Nach Platinis Aussagen am Samstag könnten nun die Karten völlig neu gemischt werden.

Zudem gingen Platini und seine Exekutive, der auch der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger angehört, in puncto Torlinientechnik mehr denn je auf Konfrontationskurs mit dem Weltverband FIFA und dessen Präsidenten Joseph S. Blatter. Das Gremium sprach sich einstimmig dafür aus, künftig das schon während der EM-Endrunde praktizierte System mit einem Schiedsrichter, zwei Assistenten und zwei Torrichtern anzuwenden.

„Ich bin absolut gegen die Torlinientechnik. Was ist, wenn es ein Handspiel auf der Linie gibt, dann sieht das keine Technik der Welt. Wo sollen wir eine Grenze ziehen? Ich bin nicht nur gegen Torlinientechnik, sondern gegen Technik an sich“, sagte Platini und ergänzte: „Sepp Blatter weiß genau, wie ich darüber denke.“ Die UEFA-Exekutive forderte die FIFA und deren Regelhüter vom International Board IFAB zu einer „offenen Diskussion über technische Hilfe“ auf. Am kommenden Donnerstag (5. Juli) entscheiden Blatter und die IFAB bei einer Sitzung in Zürich über die Torlinien-Technik.

Platini äußerte sich zudem am Tag vor dem Finale zwischen Titelverteidiger Spanien und Italien hochzufrieden mit dem Verlauf der EM. Polen und die Ukraine könnten „stolz“ sein, sagte Platini. Der 57-Jährige hob hervor, es habe „keine großen Rassismusvorfälle in Polen und der Ukraine“ gegeben.

Die bislang verhängten Strafen gegen die Teilnehmerverbände wegen rassistischer Beleidigungen durch Fans waren relativ gering ausgefallen - vor allem im Vergleich zu der Strafe in Höhe von 100. 000 Euro, die der dänische Stürmer Nicklas Bendtner wegen unerlaubter Werbung erhalten hatte. Einen Kommentar dazu lehnte Platini ab: „Fragen Sie die Disziplinarkommission, das ist ein unabhängiges Gremium. Ich kann dazu nichts sagen.“

Platini hob zudem hervor, dass die insgesamt mehr als 1,3 Millionen Zuschauer in den Stadien einen EM-Rekord bedeuteten. Bislang hielt die Endrunde 1996 in England mit 1,29 Millionen Fans die Bestmarke. 100 Prozent der Tickets seien verkauft worden, die Auslastung liege laut Platini bei 98 Prozent: „Die zwei Prozent, die nicht gekommen sind - selbst schuld!“

SID

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