Europas oberste Fußballinstanz

UEFA: Gründung, Geschichte, Präsidenten, Skandale – alle Infos zum europäischen Fußballverband

Aleksander Ceferin, Präsident der UEFA, spricht bei der Pressekonferenz nach einem UEFA Exekutivkomitee-Treffen
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Aktueller Präsident der UEFA ist Aleksander Čeferin

Die UEFA ist so unverzichtbar wie umstritten. Die Union der europäischen Fußballverbände reguliert sämtliche Fragen des europäischen Fußballs auf internationaler Ebene und richtet bedeutende Wettbewerbe aus.

  • Die UEFA wurde 1954 in Basel gegründet.
  • Derzeit gehören dem europäischen Fußballverband 55 Landesverbände an.
  • Amtierender Präsident ist der Slowene Aleksander Čeferin.

Nyon – Die UEFA ist eine der sechs Konföderationen des Weltfußballverbandes FIFA. Ihr sind insgesamt 55 europäische Landesverbände angeschlossen. Durch die Mitgliedschaft Russlands erstreckt sich das geografische Gebiet der UEFA bis nach Zentralasien und an den Pazifik.

Die UEFA: Vorgeschichte und Gründung

Die neue Sportart Fußball organisierte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst in einem allgemeinen internationalen Fußballverband. Dieser trug den offiziellen französischen Namen Fédération Internationale de Football Association (FIFA). Die Gründung erfolgte 1904 im Rahmen des ersten Länderspiels Belgien – Frankreich in Uccle bei Brüssel. Gründungsmitglieder waren neben Frankreich und Belgien Deutschland, Dänemark, Schweden, die Niederlande, die Schweiz und das vom Madrid Football Club vertretene Spanien.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs die FIFA um Mitglieder aus aller Welt und veranstaltete 1930 die erste Weltmeisterschaft in Uruguay. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue kontinentale Verbände, um der permanent wachsenden Zahl der angeschlossenen Nationen gerecht zu werden. Der europäische Zweig wurde die Union des Associations Européennes de Football, kurz UEFA. Die offizielle Gründung des europäischen Fußballverbandes erfolgte am 15. Juni 1954 in Basel in der Schweiz mit 31 Mitgliedsstaaten.

Die UEFA heute

Das Hauptquartier der UEFA befand sich zunächst in Paris und später in Bern. Seit 1995 ist die UEFA in der Stadt Nyon am Genfersee in der Schweiz ansässig. Der Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens führte in den 90er-Jahren zum größten Wachstumsschub in der Geschichte der UEFA. Die Zahl der Mitglieder stieg auf 55.

Diese entsprechen zum größten Teil den europäischen Staaten, allerdings gibt es auch Ausnahmen. Zwei souveräne europäische Staaten (Monaco und Vatikanstadt) sind keine Mitglieder der UEFA. Auf der anderen Seite sind die zum Vereinigten Königreich gehörenden Länder England, Schottland, Wales und Nord-Irland separate Mitglieder der UEFA, ebenso wie das britische Territorium Gibraltar, die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln und der nicht überall anerkannte Staat Kosovo.

Nicht alle UEFA-Mitglieder liegen geografisch in Europa, fühlen sich jedoch politisch und kulturell Europa zugehörig. Dazu gehören vor allem ehemalige Mitgliedsstaaten der Sowjetunion und Israel, das 1974 aufgrund politischer Spannungen von der AFC (dem asiatischen Pendant der UEFA) ausgeschlossen wurde.

UEFA: Die Mitglieder im Überblick

Diese 56 Staaten sind derzeit aktuelle Mitglieder der UEFA:

  • England, Verbandsgründung: 1863, in der UEFA seit: 1954
  • Schottland, Verbandsgründung: 1873, in der UEFA seit: 1954
  • Wales, Verbandsgründung: 1876, in der UEFA seit: 1954
  • Nordirland, Verbandsgründung: 1880, in der UEFA seit: 1954
  • Dänemark, Verbandsgründung: 1889, in der UEFA seit: 1954
  • Niederlande, Verbandsgründung: 1889, in der UEFA seit: 1954
  • Belgien, Verbandsgründung: 1895, in der UEFA seit: 1954
  • Belgien, Verbandsgründung: 1895, in der UEFA seit:1954
  • Schweiz, Verbandsgründung: 1895, in der UEFA seit: 1954
  • Italien, Verbandsgründung: 1898, in der UEFA seit: 1954
  • Deutschlandm Verbandsgründung: 1900, in der UEFA seit: 1954
  • Tschechien, Verbandsgründung: 1901, in der UEFA seit: 1954
  • Ungarn, Verbandsgründung: 1901, in der UEFA seit: 1954
  • Norwegen, Verbandsgründung: 1902, in der UEFA seit: 1954
  • Österreich, Verbandsgründung: 1904, in der UEFA seit: 1954
  • Schweden, Verbandsgründung: 1904, in der UEFA seit: 1954
  • Finnland, Verbandsgründung: 1907, in der UEFA seit: 1954
  • Luxemburg, Verbandsgründung: 1908, in der UEFA seit: 1954
  • Rumänien, Verbandsgründung: 1909, in der UEFA seit: 1954
  • Spanien, Verbandsgründung: 1909, in der UEFA seit: 1954
  • Russland, Verbandsgründung: 1912, in der UEFA seit: 1954
  • Portugal, Verbandsgründung: 1914, in der UEFA seit: 1954
  • Frankreich, Verbandsgründung: 1919, in der UEFA seit: 1954
  • Polen, Verbandsgründung: 1919, in der UEFA seit: 1954
  • Serbien, Verbandsgründung: 1919, in der UEFA seit: 1954
  • Irland, Verbandsgründung: 1921, in der UEFA seit: 1954
  • Bulgarien, Verbandsgründung: 1923, in der UEFA seit: 1954
  • Griechenland, Verbandsgründung: 1926, in der UEFA seit: 1954
  • Albanien, Verbandsgründung: 1930, in der UEFA seit: 1954
  • Island, Verbandsgründung: 1947, in der UEFA seit: 1954
  • Malta, Verbandsgründung: 1900, in der UEFA seit: 1960
  • Türkei, Verbandsgründung: 1923, in der UEFA seit: 1962
  • Zypern, Verbandsgründung: 1934, in der UEFA seit: 1962
  • Liechtenstein, Verbandsgründung: 1934, in der UEFA seit: 1974
  • San Marino, Verbandsgründung: 1931, in der UEFA seit: 1988
  • Färöer-Inseln, Verbandsgründung: 1979, in der UEFA seit: 1990
  • Slowenien, Verbandsgründung: 1920, in der UEFA seit: 1992
  • Estland, Verbandsgründung: 1921, in der UEFA seit: 1992
  • Lettland, Verbandsgründung: 1921, in der UEFA seit: 1992
  • Litauen, Verbandsgründung: 1922, in der UEFA seit: 1992
  • Georgien, Verbandsgründung: 1990, in der UEFA seit: 1992
  • Ukraine, Verbandsgründung: 1991, in der UEFA seit: 1992
  • Armenien, Verbandsgründung: 1992, in der UEFA seit: 1992
  • Kroatien, Verbandsgründung: 1912, in der UEFA seit: 1993
  • Slowakei, Verbandsgründung: 1938, in der UEFA seit: 1993
  • Belarus, Verbandsgründung: 1989, in der UEFA seit: 1993
  • Moldawien, Verbandsgründung: 1990, in der UEFA seit: 1993
  • Nord-Mazedonien, Verbandsgründung: 1926, in der UEFA seit: 1994
  • Israel, Verbandsgründung: 1928, in der UEFA seit: 1994
  • Aserbaidschan, Verbandsgründung: 1992, in der UEFA seit:1994
  • Andorra, Verbandsgründung: 1994, in der UEFA seit: 1996
  • Bosnien-Herzegowina, Verbandsgründung: 1946, in der UEFA seit: 1998
  • Kasachstan, Verbandsgründung: 1994, in der UEFA seit: 2002
  • Montenegro, Verbandsgründung: 1931, in der UEFA seit: 2007
  • Gibraltar, Verbandsgründung: 1895, in der UEFA seit: 2013
  • Kosovo, Verbandsgründung: 2008, in der UEFA seit: 2016

UEFA: Frühere und zukünftige Mitglieder

Manche frühere Mitglieder der UEFA existieren heute nicht mehr:

  • Saarland (1954-1956, seither Mitglied im DFB)
  • DDR (1954-1990, seither Mitglied im DFB)
  • Tschechoslowakei (1954-1994, seither getrennt in Tschechien und Slowakei)
  • Sowjetunion (1954-1991, seither getrennt in die Nachfolgestaaten, die teilweise der UEFA und teilweise der asiatischen AFC angehören)

Ein Sonderfall stellt Jugoslawien dar. Der heutige serbische Verband wird als Nachfolger des ehemaligen jugoslawischen Verbandes betrachtet, der somit nie wirklich aufgehört hat zu existieren.

Das zu Dänemark gehörende Grönland strebt eine Aufnahme in den europäischen Fußballverband an. Möglich wurde dies durch die Streichung der Vorgabe, wonach ein Land über mindestens einen Naturrasenplatz verfügen muss.

UEFA: Die wichtigsten Turniere

Der europäische Fußballverband richtet mehrere große Turniere für die europäischen Nationalmannschaften und die Vereine der europäischen Ligen aus. Darüber hinaus organisiert die UEFA die europäischen Qualifikationsrunden für die Fußball-Weltmeisterschaft.

Fußball-Europameisterschaft der Herren

Wichtigstes Turnier der UEFA ist die alle vier Jahre stattfindende Fußball-Europameisterschaft. (https://www.uefa.com/) An der ersten EM im Jahr 1960 nahmen lediglich vier Mitglieder teil. Heute sind es 24 Mannschaften, die zunächst in Gruppen aufeinandertreffen.

Die bisherigen Europameister der UEFA:

  • 1960, Gastgeber: Frankreich, Europameister: Sowjetunion
  • 1964, Gastgeber: Spanien, Europameister: Spanien
  • 1968, Gastgeber: Italien, Europameister: Italien
  • 1972, Gastgeber: Belgien, Europameister: Deutschland
  • 1976, Gastgeber: Jugoslawien, Europameister: Tschechoslowakei
  • 1980, Gastgeber: Italien, Europameister: Deutschland
  • 1984, Gastgeber: Frankreich, Europameister: Frankreich
  • 1988, Gastgeber: Deutschland, Europameister: Niederlande
  • 1992, Gastgeber: Schweden, Europameister: Dänemark
  • 1996, Gastgeber: England, Europameister: Deutschland
  • 2000, Gastgeber: Belgien/Niederlande, Europameister: Frankreich
  • 2004, Gastgeber: Portugal, Europameister: Griechenland
  • 2008, Gastgeber: Österreich/Schweiz, Europameister: Spanien
  • 2012, Gastgeber: Polen/Ukraine, Europameister: Spanien
  • 2016, Gastgeber: Frankreich, Europameister: Portugal

Zur Feier des 60-jährigen Bestehens der UEFA sollte die Fußball-EM 2020 europaweit in zwölf verschiedenen Städten ausgetragen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde sie auf den Sommer 2021 verschoben.

Fußball-Europameisterschaft der Damen

Nach zwei inoffiziellen Europameisterschaften 1969 und 1979 führte der europäische Fußballverband UEFA 1980 eine europäische Meisterschaft ein, die über zwei Jahre ausgespielt wurde. 1987 wurde erstmals ein echtes EM-Turnier mit vier Teilnehmern ausgetragen.

  • 1987, Gastgeber: Norwegen, Europameister: Norwegen
  • 1989, Gastgeber: Deutschland, Europameister: Deutschland
  • 1991, Gastgeber: Dänemark, Europameister: Deutschland
  • 1993, Gastgeber: Italien, Europameister: Norwegen
  • 1995, Gastgeber: europaweit, Europameister: Deutschland
  • 1997, Gastgeber: Norwegen/Schweden, Europameister: Deutschland
  • 2001, Gastgeber: Deutschland, Europameister: Deutschland
  • 2005, Gastgeber: England, Europameister: Deutschland
  • 2009, Gastgeber: Finnland, Europameister: Deutschland
  • 2013, Gastgeber: Schweden, Europameister: Deutschland
  • 2017, Gastgeber: Niederlande, Europameister: Niederlande

Weitere Turniere

Zudem trägt die UEFA die Europameisterschaften der U17, U19 und U21 sowie im Futsal (Hallenfußball) aus.

2018 wurde die UEFA Nations League eingeführt, die den ehemaligen Freundschaftsspielen der Nationalmannschaften mehr Spannung verleihen sollte. Über die Nations League können sich nach einer furchtbar komplizierten Regelung vier weitere Mannschaften für die Fußball-EM qualifizieren.

UEFA Champions League und Europa League

Nach der Gründung 1954 beschlossen die Mitglieder der UEFA die Austragung von Turnieren für Vereinsmannschaften auf europäischer Ebene. Daraus entstanden:

  • Europapokal der Landesmeister (seit 1955)
  • Europapokal der Pokalsieger (seit 1960)
  • UEFA-Cup (seit 1972)

In den 90er-Jahren reformierte der europäische Fußballverband die internationalen Wettbewerbe. Nachdem einerseits auch zweitplatzierte Mannschaften zum Europapokal der Landesmeister zugelassen wurden und andererseits durch den Zerfall des Ostblocks neue Mitglieder hinzukamen, wurde der Wettbewerb zur UEFA Champions League umgestaltet. Der Europapokal der Pokalsieger wurde mit dem UEFA-Cup zur UEFA Europa League verschmolzen.

UEFA: Präsident und Vorstand

Aktueller Präsident der UEFA ist der Slowene Aleksander Čeferin, der 2016 den zurückgetretenen Michel Platini ersetzte. Dem Präsidenten ist der Generalsekretär unterstellt, der das Tagesgeschäft des europäischen Fußballverbandes wahrnimmt. Aktuell ist dies Theodore Theodoridis aus Griechenland. Der Präsident steht außerdem dem Exekutivkomitee der UEFA vor, das neben ihm 16 weitere Mitglieder umfasst. Diese werden auf vier Jahre gewählt.

Die bisherigen Präsidenten der UEFA im Überblick:

  • Ebbe Schwartz, Nationalität: Dänemark, Amtszeit: 1954-1962
  • Gustav Wiederkehr, Nationalität: Schweiz, Amtszeit: 1962-1972
  • Sándor Barcs, Nationalität: Ungarn, Amtszeit: 1972-1973*
  • Artemio Franchi, Nationalität: Italien, Amtszeit: 1973-1983
  • Jacques Georges, Nationalität: Frankreich, Amtszeit: 1983-1990
  • Lennart Johansson, Nationalität: Schweden, Amtszeit: 1990-2007
  • Michel Platini, Nationalität: Frankreich, Amtszeit: 2007-2015
  • Ángel María Villar, Nationalität: Spanien, Amtszeit: 2015-2016*
  • Aleksander Čeferin, Nationalität: Slowenien, Amtszeit: seit 2016

*als Interimspräsident

UEFA: Ärger und Skandale

Der europäische Fußballverband UEFA produzierte im Laufe der Zeit eine Reihe Skandale, viele davon in Zusammenhang mit der FIFA. Für großen Ärger unter den Fußballfans sorgte vor allem die stark kommerzielle Ausrichtung der UEFA ab dem neuen Jahrtausend. So wurden rund um die Europameisterschaften nur noch die Marken der Hauptsponsoren zugelassen. Dazu übernahm die UEFA ab 2008 selbst die Produktion der Fernsehbilder ihrer Turniere, was ihr den Vorwurf der Zensur einbrachte. Alle möglicherweise störenden Bilder aus den Stadien wurden aus den Übertragungen geschnitten und die nationalen Fernsehsender und Fußballverbände müssen sich an strenge Regeln halten.

Einen der größten Skandale der jüngeren Geschichte produzierten UEFA und FIFA gemeinsam. UEFA-Präsident Michel Platini wurde der Korruption bezichtigt, nachdem er als Europavertreter für die Vergabe der WM 2022 an Katar zugestimmt hatte. Sein Sohn Laurent Platini erhielt kurz darauf einen lukrativen Posten bei der Gruppe Qatar Sports Investments. Wenig später musste sich Michel Platini für die Annahme von Zahlungen in Millionenhöhe von FIFA-Chef Sepp Blatter verantworten. Die Ethikkommission der FIFA suspendierte Platini zunächst für 90 Tage und sperrte ihn im Oktober 2015 für acht Jahre. Erst im Mai 2016 trat er offiziell von seinem Amt zurück.

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