Hoeneß in neuer Rolle

Uli Hoeneß legt als RTL-Experte los: „Beim DFB ist viel zu verändern“ - Klartext zu Löw-Nachfolger

FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß kritisiert den DFB.
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FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß kritisiert den DFB.

FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß kritisiert als neuer RTL-Experte den DFB. Auch zur Nachfolger-Debatte um Bundestrainer Jogi Löw äußert er sich.

Köln - Uli Hoeneß ist zurück im Rampenlicht. Der Ehrenpräsident des FC Bayern gibt am Donnerstag beim Länderspiel zwischen Deutschland und Island sein Debüt als Experte bei RTL.

Diametral abkippende Sechser und die Polyvalenz asymmetrisch-fluider Außenverteidiger überlässt Uli Hoeneß mit Genuss den anderen. „Ich werde nichts von Ketten oder sonst irgendwas erzählen“, sagt der neue RTL-Experte im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, und er verspricht für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft Klartext: „Ich werde sagen, ob die Jungs alles gegeben haben oder nicht.“

Uli Hoeneß als neuer RTL-Experte - „Abteilung Attacke“ gegen den DFB?

Früher hat Hoeneß die Fußball-Experten im Fernsehen eher „belächelt“, wie er zugibt. Er hat sie auch mal abgewatscht, wenn einer seinen Herzens-Klub angriff. Didi Hamann, früherer Bayern-Profi und heutiger Sky-Experte, blaffte Hoeneß mal an, er fühle sich „wie der Messias der Fußball-Kommentatoren“. Jetzt wagt Hoeneß selbst einen Versuch und wird zunächst drei WM-Qualifikationsspiele als Experte analysieren. „Ich möchte erstmal sehen, ob ich das kann, ob ich es gut mache, ob die Zuschauer mich akzeptieren. Ich bin ziemlich selbstkritisch“, verrät Hoeneß.

Bei der Analyse wird er auch direkt auf Jogi Löw treffen, denn der Bundestrainer spricht nach dem Schlusspfiff traditionell zuerst bei dem Sender, der das Spiel live überträgt. „Und da werde ich sagen, was ich gesehen habe“, kündigt Hoeneß, die langjährige Abteilung Attacke aus Bayern und für Bayern, an. Löw habe er dabei aber gar nicht als Zielscheibe im Visier. „Wer glaubt, dass ich alles in Schutt und Asche rede, der täuscht sich“, sagt Hoeneß: „Ich will konstruktiv und kritisch, aber - wenn möglich - auch positiv die Länderspiele begleiten.“ Man stelle sich nur mal vor, Hoeneß wäre schon beim jüngsten 0:6 der DFB-Elf gegen Spanien der Experte im Fernsehstudio gewesen. Wäre da nicht Anlass zu einer „Schutt-und-Asche“-Rede gewesen?

FC-Bayern-Ehrenpräsident Hoeneß kritisiert DFB - Flick als Löw-Nachfolger?

Bereits im Vorfeld stellte Hoeneß dem DFB kein gutes Zeugnis aus. „Ich bin überzeugt, dass beim DFB ohnehin viel zu verändern ist - nicht nur der Bundestrainer.“ Löw hört bekanntlich nach der EM im Sommer auf. Hoeneß kündigte an: „Ich werde mich sicherlich auch mit der aus meiner Sicht schwierigen Situation beim DFB beschäftigen. Ich sehe es als großes Problem an, was da im Moment passiert.“ Hoeneß meint, dass darüber gesprochen werden muss, „was man tun kann, um die Attraktivität der Nationalmannschaft zu verbessern und ihr wieder den Stellenwert in der Gesellschaft zu geben, den sie verdient“.

Die Nachfolge-Regelung von Löw solle Oliver Bierhoff und der DFB „in aller Ruhe entscheiden“, meinte Hoeneß. „Ich finde es gut, dass man sich Zeit lassen will. Es gibt sicherlich die eine oder andere Möglichkeit - und am Ende muss der Schuss sitzen.“ Zu einem möglichen Trainertausch - Flick zum DFB und Löw zum FC Bayern - wollte sich der Welt- und Europameister nicht zu viel entlocken: „Naja, jetzt wollen wir uns nicht die Köpfe der anderen zerbrechen. Karl-Heinz Rummenigge hat sich ja ziemlich festgelegt, was Hansi Flick anbelangt. Und dem ist im Moment nichts hinzuzufügen.“ Gut möglich aber, dass Hoeneß mit seinen TV-Auftritten eine neue Dynamik in die Bundestrainer-Debatte bringen wird. (ck/dpa/sid)

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