Comeback beim FC Bayern

Zweite Rückkehr nach Trennung: „Mull“ als „Supervisor“

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9. Spieltag 1982/83: Die Bayernbank mit Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (v.l.n.r.), Manager Uli Hoeneß und Trainer Pal Csernai.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wird beim FC Bayern Chef eines mehrköpfigen Medizinerteams. Vereinsboss Uli Hoeneß skizziert die Pläne für eine neue Praxis an der Säbener Straße.

München – Einst nervte Uli Hoeneß Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ungemein, doch der Arzt ertrug den umtriebigen damaligen Jungmanager geduldig, ja mehr noch: Er schätzte die ständige Fragerei, die permanente Präsenz des anderen in seiner Praxis. Müller-Wohlfahrt, in der Folge „der Mull“, empfand das Ende der 70er, als er erstmals anfing, den FC Bayern medizinisch zu betreuen, als Wertschätzung: Da war jemand, der sich für seine Arbeit interessierte und seinen Hang zum Perfektionismus teilte.

Müller-Wohlfahrt und der Rekordmeister sind seit jenen Tagen eng verwoben, auch wenn der Arzt im Frühjahr 2015 nach einem Streit mit dem damaligen Trainer Pep Guardiola seine Arzttasche zuklappte und sich trollte, mitsamt seinem Stab, inklusive seines talentierten Sohns Kilian. Dass Wunden verheilen, weiß ein Doktor aber besser als jeder andere, und so kehrt er zurück, wie übrigens einst schon einmal, als eine Weiterführung der Zusammenarbeit erst nach der Demission von Jürgen Klinsmann wieder möglich wurde.

Zwei Jahre herrschte beim FC Bayern ein „medizinisches Unruhefeld“

Gegenüber unserer Zeitung erläuterte Uli Hoeneß nun die Eckdaten des Comebacks des Mannes, der mit 75 noch immer unwiderstehlich auf den Platz sprintet, mit wehender Mähne, wenn sich ein Fußballer am Boden krümmt. Alles habe sich so ergeben, als Volker Braun vor einer Woche gesagt hatte, er trete als Teamarzt zurück, so der Präsident, der zu diesem Thema aber längst einmal Grundsätzliches loswerden wollte: „Dieses Thema war zwei Jahre lang ein ständiger Unruheherd im Verein. Es war ja nicht nur eine Ancelotti-Problematik, sondern auch ein medizinisches Unruhefeld um den FC Bayern.“ Hoeneß sei nun „überzeugt, dass es genauso, wie es mit Jupp Heynckes innerhalb kürzester Zeit zur Ruhe gekommen ist, auch mit dem Team Müller-Wohlfahrt ruhig wird“. Der neue, alte Coach hat über die lange Zeit ein beispielloses Vertrauensverhältnis zu dem 75-Jährigen aufgebaut. Dass Heynckes an den Zeitplänen zweifelt, die der Doc bei Comebacks vorschlägt, ist undenkbar. Unter Guardiola sah sich Müller-Wohlfahrt in dem Punkt permanent unter Druck. Und nach seiner Demission litt der Aufbau einer funktionierenden medizinischen Abteilung unter dem Umbruch, der mit dem mysteriösen Betreuerstab um Carlo Ancelotti stattfinden musste.

Wieder vereint beim FC Bayern: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Uli Hoeneß.

Klar sei laut Hoeneß nun aber auch: „Wenn er jetzt zurückkommt, kommt er nicht als eine Art Müller-Wohlfahrt-Superstar – sondern als Teamplayer. Er ist der Kopf der jungen Leute, die er um sich geschart hat.“ Man werde „zwei bis drei Ärzte haben, die das gemeinsam machen. Wenn du Champions League-Spiele hast und Bundesliga-Auswärtsspiele und nebenbei noch eine vernünftige Praxis führen willst – dann kann man das nur auf verschiedenen Schultern verteilen.“

Säbener Straße: Neue Praxis mit 200 Quadratmetern

Mittelfristig ist laut FCB-Vereinsboss Uli Hoeneß vorgesehen, „dass die Ärzte auch eine Praxis an der Säbener Straße aufmachen“. Aktuell wird dort gebaut, wo über Jahre die Turnhalle stand. Büros für Mitarbeiter entstehen, „aber auch eine Praxis mit 200 Quadratmetern“, so der Präsident. Spätestens im nächsten Herbst solle alles fertig sein. „Zwei der jungen Ärzte werden dann wohl die Mannschaft betreuen, so ist es im Moment vorgesehen. Und Müller-Wohlfahrt wird dann eine Art Supervisor sein“, skizzierte Hoeneß. Wie unsere Zeitung erfuhr, wird einer dieser Ärzte der Leiter des dreiköpfigen Ärzteteams bei den Basketballern, Jochen Hahne, sein.

Hoeneß wird das neue Team um „Mull“ nicht mehr tagtäglich nerven wie einst, als er bei jeder Untersuchung persönlich dabei war. Er weiß längst: Ist nicht mehr nötig. Auf „Mull“ ist Verlass.

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