Strand sollte gesperrt werden

Unmut über DFB-Camp: "Sie bauen die Mauer auf!"

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Safety first: das deutsche WM-Quartier ist streng abgeschirmt.

Campo Bahia - Das Ziel ist klar: Der DFB will ein gutes Verhältnis zu den Menschen vor Ort am Campo Bahia pflegen. Doch die Verbands-Verantwortlichen eckten mit ihrer Rundum-Sorglos-Organisation schon an.

Man will die zweite Mannschaft hinter Brasilien werden, der Liebling der Einheimischen – „und es klingt überall an, als würden wir sehr viele Sympathien erfahren“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff bei der ersten offiziellen Vorstellung im brasilianischen Quartier. Das Ziel ist klar: Der DFB will ein gutes Verhältnis zu den Menschen vor Ort pflegen. Doch die Verbands-Verantwortlichen eckten mit ihrer Rundum-Sorglos-Organisation für Lahm & Co. auch schon an!

Wie die tz erfuhr, gingen den Einheimischen die Bemühungen um die Abgeschirmtheit des DFB-Trosses bereits zu weit! So plante man, den Strandabschnitt vor dem Campo Bahia, der Bungalow-Anlage des Teams, komplett zu sperren und mit einem Sichtschutz aus hohen Pflanzen dichtzumachen. Das augenscheinliche Ziel: Die Stars sollten ungehindert durch den Sand schlendern können, in aller Ruhe Zugang zum Meer bekommen. Niemand sollte reinschauen ins Jogi-Camp. Schon vor Wochen kreiste die Drohne eines deutschen TV-Senders von dieser Seite in die Anlage und machte Filmaufnahmen. Als vor wenigen Tagen erneut so ein ferngesteuertes Fluggerät, dieses Mal für einen brasilianischen Sender, starten sollte, wurde dies umgehend untersagt. Es geht um die Privatsphäre des Teams – und um die Sicherheit, wie auch bei dem Gedanken mit der Absperrung!

Doch die Behörden von Santo André schoben dem Ganzen einen Riegel vor. Schließlich gehöre der Strand in Brasilien allen Menschen, die Anwohner würden dort joggen und spazieren gehen. Eine komplette Sperrung wäre nicht machbar, der DFB musste von seiner Idee Abstand nehmen.

Direkt vor dem Strandzugang der Anlage patrouillieren nun im Übrigen bewaffnete Polizisten. Überhaupt ist die Mannschaft enorm abgeschirmt, überall wimmelt es von Sicherheitspersonal.

Verrammeltes Paradies: Arbeiter errichten einen Zaun am Strand vor dem deutschen WM-Quartier.

Helmut Sandrock, DFB-Generalsekretär, sagt: „Die Sicherheit ist Aufgabe des Gastgeberlandes. Das ist die von der FIFA eingeforderte Garantie des Bewerbers, bevor er überhaupt den Zuschlag für so ein Turnier bekommt. Und nun liegt die gesamte Sicherheitsverantwortung in den Händen des Ausrichters.“ Demnach muss man sogar darauf verzichten, die kurze Strecke vom Mannschaftsquartier bis zum Trainingsplatz etwa mit dem Fahrrad zurückzulegen. Die Spieler werden stets in Kleinbussen mit Polizeibegleitung gefahren. Nur beim Thema Strandabschnitt hört bei den Behörden die Sicherheitssorgfalt zugunsten der Anwohner auf.

Bei eben jenen ist die Abschottung des deutschen Teams im Übrigen nicht gänzlich gut angekommen. In einer Zeitung vor Ort war dieser Tage ein hoher Zaun zu den Seiten des Quartiers kritisiert worden. Wörtlich stand in dem Artikel: „Die Deutschen bauen die Berliner Mauer wieder auf!“ Noch ist man offensichtlich nicht überall der große Sympathieträger.

mic

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