Schwabl und Welzmüller im Doppelinterview

Haching-Neustart in der Regionalliga: „Arroganz wäre fehl am Platz“

Markus Schwabl, Stephan Hain und Josef Welzmueller (v. li.)
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Blick nach vorn: Schwabl & Co. setzen auf die Jugend - und Sandro Wagner

Mit Sandro Wagner und vielen jungen Spieler will die SpVgg Unterhaching wieder zu alter Stärke finden. Vor dem Auftakt am Donnerstag gegen Aubstadt (18.30 Uhr) stellen sich Josef Welzmüller und Markus Schwabl den Fragen der tz.

Unterhaching - Neustart in der Regionalliga! Sandro Wagner startet mit den Hachingern am Donnerstag gegen Aubstadt (18.30 Uhr) in die Saison. Im tz-Interview warnen Routinier Markus Schwabl (30) und Kapitän Josef Welzmüller (31) vor den Gegnern. Lob gibt es für den neuen Trainer.

Manni Schwabl hat einen „bayerischen Klopp“ gesucht. Hat er den in Sandro Wagner gefunden?
Welzmüller: Für mich ja. Sandro identifiziert sich total mit dem Verein. Er hat sich mit einer unglaublichen Akribie über jeden Spieler informiert. Und er bringt krasse Emotionen mit – wie Klopp.
Schwabl: Sandro ist ein unbeschriebenes Blatt, aber von seiner Vita und dem Auftreten her, ist er genau das, das wir gebraucht haben. Er polarisiert und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Letzte Woche hat er uns gesagt: „Bevor wir gegen Aubstadt spielen, werdet ihr alles über den Gegner wissen. Von der Schuhgröße über Stärken und Schwächen…“ Ich glaube, das war ein Volltreffer.
Als was für eine Art Trainer haben Sie ihn bis jetzt wahrgenommen
Schwabl: Er versucht eine gewisse Distanz zu halten. Aber vor oder nach dem Training kann man mit ihm schon mal einen Witz machen. Sobald es losgeht, erwartet er aber 100 Prozent Vollgas.
Welzmüller: Und er will selbst lernen, das ist ganz wichtig. Er hält sich nicht für Gott, der Fußball erfunden hat. Natürlich hat er hoch gespielt, aber das Traineramt ist neu und er will jeden Tag dazulernen. Keine Ahnung, wo er die Energie auftreibt. Das ist völlig irre.
Markus, Sie haben um drei Jahre verlängert und Haching auf Instagram Ihre Liebe erklärt. Haben Sie Bock auf Aubstadt und Co.?
Schwabl: Am Schluss hat das Herz entschieden. Ich bin mit Unterbrechungen seit 2001 in Haching, kenne hier so gut wie jeden. Manchmal steht die Liebe über der Kohle. Ich habe mit meiner Frau gesprochen – wir haben gerade ein Kind bekommen – und sie meinte, ich soll machen, was mich glücklich macht.
Welzmüller: Und mit mir wolltest du auch nochmal spielen, oder?
Schwabl: Ja, ich wollte nochmal mit meinem besten Mitspieler...
Welzmüller: Und Vorbild!
Schwabl:… und Vorbild Josef Welzmüller spielen, weil oft haben wir uns auf dem Platz noch nicht gesehen (lacht).
Die tragenden Säulen Hain, Stahl, Welzmüller, und Schwabl bleiben. Wie wichtig ist das?
Welzmüller: Super wichtig. Haching hat sich die Jugendarbeit seit Jahren auf die Fahne geschrieben und das soll auch weiterleben. Das Konzept mit Nachwuchsleistungszentrum und der U 19 in der Bundesliga funktioniert aber nur, wenn auch die erste Mannschaft hoch spielt. Da gehört es eben dazu, dass man ein paar gestandene Spieler in der Mannschaft hat.
Schwabl: Ich habe noch mit Roman Tyce gespielt. An so Spielern kannst du dich hochziehen. Selbst wenn die einen schlechten Tag hatten, waren sie präsent und haben uns gepusht. Im Trainingslager waren Jungs, die sind 15. Hut ab! Mit 15 war ich nicht halb so weit.
Welzmüller: Für die alten Spieler ist das auch eine Erfüllung, solchen Spielern etwas mitzugeben. Uns macht das Spaß, die Jungs zu prägen und Dinge zu vermitteln.
Kommen die Jugendspieler auch auf Sie zu?
Welzmüller: Zum Markus für Fragen zur Liebe und zu mir für alles Fußballerische (lacht).
Schwabl: Wenn einer wissen will, wie er ein Kind hinkriegt, kann er mich gerne fragen. (lacht) Es ist nicht mehr so, dass die Jungs eine hohe Hemmschwelle haben. Natürlich kommen sie mal und holen sich Tipps.
Wie fühlt man sich unter den Jungen?
Welzmüller: Alt. Sehr alt.
Schwabl: Es tut schon weh. Natürlich sieht man so das Ende kommen. Wenn man 18, 19 ist, hat man sein Fußballerleben noch vor sich.
Und diese junge Truppe peilt jetzt den direkten Wiederaufstieg an?
Welzmüller: Das Ziel ist, jedes Spiel zu gewinnen. Wir haben ein neues Trainerteam, ein neu zusammengewürfeltes Team – da ist es schwierig, den Aufstieg als Ziel auszugeben. Ich denke, alle haben den Anspruch, in Aubstadt drei Punkte zu holen und in den nächsten Spielen genauso zu verfahren.
Wie schwer wird das in dieser Liga?
Schwabl: Man darf sie auf keinen Fall unterschätzen. Die können alle kicken. Wenn wir gegen Mannschaften wie Buchbach spielen und denken: „Wir waren letztes Jahr dritte Liga, die hauen wir weg“… so schnell kannst du gar nicht schauen, wie du da zwei-, dreimal auf den Sack kriegst.
Welzmüller: Andere Teams rüsten auch auf. Schweinfurt, Bayreuth. Auch Bayern II ist nicht zu unterschätzen. Fakt ist, dass wir letztes Jahr für die dritte Liga zu schlecht waren. Arroganz wäre fehl am Platz.

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