Kein Elfer trotz Ringereinlage

VAR-Chaos in England: Fragwürdige Entscheidungen lassen Klopp, Havertz und Werner zürnen

Liverpools Teammanager Jürgen Klopp gestikuliert an der Seitenlinie.
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Hat derzeit viel Diskussionsbedarf: Jürgen Klopp und der FC Liverpool sind in dieser Saison nicht dir größten VAR-Fans.

In der Premier League entbrennt mehr und mehr eine Debatte um den VAR. Im Mittelpunkt stehen dabei Jürgen Klopp und der FC Liverpool. Doch auch der FC Chelsea um Kai Havertz und Timo Werner hat Grund zu granteln.

  • In der Premier League rückt der VAR Woche für Woche ins Zentrum der Kritik.
  • Am 6. Spieltag sind der FC Chelsea und der FC Liverpool die Leidtragenden.
  • Jürgen Klopp hat eine verständliche Bitte für die Zukunft.

München - Für Schiedsrichter ist es das größte Lob, wenn nicht über sie und damit ihre Leistung gesprochen wird. Genauso verhält es sich dann auch natürlich auch mit dem Videoassistenten, also Video Assistant Referee - kurz: VAR. In dieser Hinsicht müssen die Herren aus dem Kölner Keller in dieser Saison sehr viel richtig machen. Denn über den VAR, der noch in der vergangenen Spielzeit beinahe das liebste Prügelkind von Experten und Fans, aber auch Trainern und Profis war, wird in diesen Wochen nahezu kein Wort verloren. Dieses Schweigen dürfte Musik in den Ohren von DFL und Unparteiischen sein.

Viel mehr Diskussionsstoff tritt die technische Hilfe für die Pfeifenmänner derzeit im Mutterland des Fußballs los. An diesem Wochenende gab es in Englands Premier League zwei höchst zweifelhafte Entscheidungen zum Leidwesen großer Klubs. Da wäre die Ringereinlage von Manchester Uniteds Abwehrrecke Harry Maguire im Zweikampf mit Chelsea-Kapitän Cesar Azpilicueta. Im strömenden Regen schlang der Engländer seine Arme von hinten um den Spanier, der aufschrie und womöglich einen Tick zu theatralisch zu Boden sank.

VAR-Ärger in England: Maguires Ringereinlage animiert VAR nicht zum Eingriff

Nun geht es in der Premier League bekanntlich deutlich härter zur Sache als etwa in der Bundesliga. Dass die Pfeife nach dieser Szene stumm blieb, verwunderte dennoch auch auf der Insel. So weit - so merkwürdig. Doch auch der VAR mischte sich nicht ein. Warum? Interessante Frage. Die englische Boulevardzeitung Sun fühlte sich an eine Wrestling-Aktion erinnert und empfahl dem stämmigen Abwehrchef der „Red Devils“ eine Zukunft im Oktagon. Für die „Blues“ um die zuletzt treffsicheren Kai Havertz und Timo Werner war die fragwürdige Einschätzung der Unparteiischen besonders ärgerlich, weil die Partie im Old Trafford torlos endete und somit durchaus mehr greifbar gewesen wäre - trotz deutlich mehr Abschlüssen aufseiten des Rekordmeisters.

Hier geht alles mit rechten Dingen zu - zumindest nach VAR-Maßstab: Harry Maguire von Manchester United (h.) wirft sich ins Duell mit Cesar Azpilicueta vom FC Chelsea.

Einmal mehr über den VAR ärgern musste sich auch Jürgen Klopp. Nachdem eine Woche zuvor im Merseyside Derby Evertons Keeper Jordan Pickford ungestraft das Kreuzband von Virgil van Dijk durchtreten konnte, weil es zuvor eine Abseitsstellung gegeben hatte, und der Videoassistent später den vermeintlichen Siegtreffer von Jordan Henderson fälschlicherweise einkassierte, bescherte der VAR diesmal dem Gegner des FC Liverpool einen diskussionswürdigen Elfmeter.

Jürgen Klopp lobt das soziale Engagement von ManUniteds Marcus Rashford

VAR-Ärger in England: Liverpool-Gegner Sheffield bekommt nach Eingriff Elfer statt Freistoß

Was war passiert? Fabinho grätschte in der Anfangsphase gegen Oliver McBurnie von Sheffield United an der Strafraumgrenze nach dem Ball, der Schiedsrichter sah ein Foul und entschied auf Freistoß. Doch dann intervenierte der VAR und wies den Referee darauf hin, dass die Aktion auf der Linie passiert sei und es folglich Elfmeter geben müsse. Selbst diese Auslegung ließ sich nicht lückenlos beweisen.

Was aber vor allem für Aufruhr sorgte: Für viele Beobachter hatte der Brasilianer seinen Gegenspieler überhaupt nicht regelwidrig abgeräumt, sondern den Ball gespielt. Gegen diese Auslegung hat der VAR womöglich auch gar nichts einzuwenden, interessanterweise gehörte diese Beurteilung aber nach Angaben der Liga gar nicht zum Aufgabenbereich des Videoassistenten. Dieser habe nach dem Pfiff nur anzugeben, wo Fabinhos Tackling stattgefunden habe. Bei der Entscheidung über das Foul hatte also der Referee auf dem Platz die alleinige Hoheit.

Der stets hochemotionale Klopp könnte angesichts der Erfahrungen in dieser Saison schon resignieren. Im Interview nach dem noch mit 2:1 gewonnenen Spiel gegen das Überraschungsteam der vergangenen Saison sprach „the Normal One“ davon, dass die „Reds“ bereits in drei der bisherigen sechs Premier-League-Auftritte der Saison „auf der falschen Seite dieser Entscheidungen“ gewesen seien. Seine simple Bitte: „Es ist nicht so, dass wir einen Vorteil haben wollen. Wir wollen nur einfach nicht benachteiligt werden.“ (mg)

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