Veganz-Gründer Bredack im Gespräch

Bundesliga wird immer veganer: „Damit können wir Menschen überzeugen“

Setzt auf vegane Ernährung: Leipzigs Dani Olmo (r.).
+
Setzt auf vegane Ernährung: Leipzigs Dani Olmo (r.).

Vegan und Fußball: Passt das zusammen? Veganz-Gründer Bredack erklärt sein Leipzig-Engagement und welcher Welt-Klub sich noch um eine Partnerschaft bemüht.

München – Fußball und eine klassische Bratwurst – das gehört für die meisten Bundesliga-Fans bei einem Stadionbesuch dazu. RB Leipzig geht da andere Wege. Vor dieser Saison schlossen die Sachsen eine bis 2024 gültige Partnerschaft mit Veganz, das kürzlich in einem Handelsblatt-Ranking als innovativstes Lebensmittelunternehmen des Jahres ausgezeichnet wurde. Mithilfe der Berliner werden in der Red Bull Arena nun auch vegane Alternativen angeboten: Stadionwurst, Schnitzelbaguette, Crispy Nuggets und Süßigkeiten.

„Unser Slogan lautet ‚Iss mal was fürs Klima’“, betont Veganz-Gründer Jan Bredack, 49, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Unsere Mission ist es nicht, den Menschen mit der Keule zu kommen und zu sagen: ‚Flieg nicht mehr! Fahr nicht mehr mit dem Auto! Du tötest Tiere!’ Das auf keinen Fall. Wir wollen ein freundliches Angebot bieten, darauf hinweisen, dass vegane Ernährung viermal weniger CO2 verbraucht und damit mehr Einfluss auf das Klima hat als das Fliegen und Autofahren zusammen.“

Vegane Stadionwurst: Veganz-Gründer Bredack über Kooperation mit RB Leipzig

Auch in Sachen Geschmack möchte Bredack den Fans die Angst vor veganem Essen nehmen. Vor allem die Stadionwurst komme bisher sehr gut an in der Red Bull Arena. „Damit können wir Menschen überzeugen“, ist sich Bredack sicher. „Wenn die Menschen die Stadionwurst probieren, und keinen Unterschied zu ihrer gewohnten Bratwurst merken, dann fallen die letzten Vorurteile.“

Fußball und Vegan? Veganz Gründer und CEO Jan Bredack spricht über die Kooperation mit dem RB Leipzig - er selbst lebt seit 2009 vegan.

„Wenn die Menschen die Stadionwurst probieren, und keinen Unterschied zu ihrer gewohnten Bratwurst merken, dann fallen die letzten Vorurteile.“

Veganz-Gründer Jan Bredack

Die Fußball-Akademie von RB Leipzig, an der Profis und Nachwuchsspieler regelmäßig auch essen, versorgt Veganz mit seinen Produkten. „Wir liefern ihnen Produkte mit wenig oder gar keinem Zucker“, so Bredack. Auf Laktose verzichte man bei Leipzig ohnehin, zudem achte der Verein darauf, dass die Spieler wenig Gluten essen. Eine ähnliche Ernährung wie die von Bayern-Star Robert Lewandowski (33). Dadurch verringert sich auch die Verletzungsanfälligkeit der Spieler.

Vegane Fußball-Partnerschaft - Auch Madrid, Wolfsburg und Stuttgart zeigen Interesse

Veganz ist bei RB Leipzig auf den Werbebanden und bei Spielen im DFB-Pokal sowie der Champions League auf dem Trikotärmel zu sehen. Interessant: Eigentlich war Bredack erst mit einem anderen Verein im Gespräch über eine Zusammenarbeit. Das passte aber aus Sicht des Veganz Gründers nicht. „Ich sagte damals: Wenn ich mir eine Partnerschaft vorstellen könnte, dann mit Leipzig. Daraufhin wurden wir bei RBL empfohlen und eingeladen“, verrät Bredack, der in Salzwedel geboren wurde, und erklärt: „„Die Leipziger sind jung, dynamisch und selbst ein Start-up, denken nicht in starren Strukturen und sind bereit, neue Wege zu beschreiten und mit innovativen Firmen wie uns zu kooperieren. RB ist über die Grenzen von Leipzig bekannt und in derselben Region, wie wir, den östlichen Bundesländern, verankert. Ich bin auch aus dem Osten. Da gibt es eine Verbindung.“

Nach Bekanntgabe der Zusammenarbeit mit Leipzig meldete sich einer der größten Fußballvereine der Welt bei Veganz: Real Madrid. „Sie haben uns ein Angebot gemacht und betont, dass wir super zusammenpassen würden“, sagt Bredack. Die Gespräche laufen bereits. Auch Wolfsburg und Stuttgart bemühen sich um eine Partnerschaft.

„Der VfL hat eine Klimaschutz- bzw. Nachhaltigkeitsagenda, ist da schon sehr weit. Deswegen wäre das eine Zusammenarbeit, die wir uns vorstellen könnten“, so Bredack. Und beim VfB? „Die Verbindung kam über Timo Hildebrand zustande, den ich auf seinem Weg zum Veganer begleitet habe. Der VfB ist jung und wild wie wir“, erklärt Bredack, der sich seit 2009 - inspiriert durch seine zweite Frau - vegan ernährt.

Fußball und Vegan: Veganz-Gründer über Kooperationen - Warum es bei 1860 München nicht passte

Vor der Gründung von Veganz im Jahre 2011 war er Manager bei Daimler, krempelte nach einem Burnout sein Leben um - und lebt bescheidener. Berührungspunkte mit seinem ehemaligen Arbeitgeber hat er aber noch: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton (36), der bei Mercedes fährt und ebenfalls Veganer ist, fährt privat nämlich auf Veganz-Produkte ab. „Alle paar Monate erhält er ein Paket von uns. Aber wir bezahlen ihn nicht“, sagt Bredack. „Eine Partnerschaft mit einem Formel-1-Team käme für uns aus vielen Gründen aktuell auch nicht infrage.“

Der Marketing-Fokus von Veganz liegt derzeit auf Fußball. Bredack erklärt: „TV-Werbung machen wir nicht mehr. Unser Budget dafür fließt nun in den Sport, insbesondere den Fußball.“

Übrigens: Drittligist TSV 1860 hoffte ebenfalls auf eine Kooperation mit Veganz. „Wir haben uns super verstanden“, verrät Bredack: „Am Ende wäre uns die Sichtbarkeit aber zu regional gewesen.“ (pk, bok)

Auch interessant

Kommentare