Zu schnell gefahren

"Bleifuß" Löw sechs Monate ohne Führerschein

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Joachim Löw will seine Fahrweise verändern.

St. Martin - Nach dem Theater um Kevin Großkreutz hat nun auch Bundestrainer Joachim Löw für negative Schlagzeilen gesorgt.

Dass Formel-1-Pilot Nico Rosberg am Dienstag etwas Abwechslung ins Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft bringen sollte, war Zufall. Aber irgendwie passte es wie die Faust aufs Auge, dass ausgerechnet an diesem Tag bekannt wurde, dass Joachim Löw wegen überhöhter Geschwindigkeit seinen Führerschein verloren hat. Der Bundestrainer hat nicht nur mit der DFB-Auswahl, sondern auch in Flensburg reichlich Punkte gesammelt, was er auch freimütig einräumte.

"Jogi ärgert sich selbst am meisten"

„Selbstverständlich stehe ich dazu, dass ich manchmal leider zu schnell gefahren bin, ich weiß, dass ich mich hier zügeln muss“, sagte der 54-Jährige in einer offiziellen Mitteilung: „Ich habe meine Lektion gelernt und werde mein Fahrverhalten ändern. Es gibt da nichts schönzureden, natürlich muss ich jetzt mit den Konsequenzen leben und nutze häufig die Bahn.“

Teammanager Oliver Bierhoff nahm die Meldung mit Humor. „Wir werden mit unserem Generalsponsor sprechen, dass man Jogi nur noch Autos gibt, die tempolimitiert sind“, sagte der Europameister von 1996. Bierhoff schien dennoch genervt war, dass an diesem verregneten und trostlosen Tag in Südtirol der Besuch von Monaco-Sieger Rosberg, Golf-Star Martin Kaymer und DTM-Talent Pascal Wehrlein bei Philipp Lahm und Co. etwas in den Hintergrund rückte.

In Helmut Sandrock äußerte sich auch der DFB-Sekretär zu der Angelegenheit, die der Verband wohl am liebsten unter Verschluss gehalten hätte: „Joachim Löw hat uns bereits vor einiger Zeit darüber informiert, dass er den Führerschein abgeben musste. Wir wissen, dass sich Jogi selbst am meisten darüber ärgert.“

Löw soll nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Medien zu schnell gefahren sein und mit dem Handy am Steuer seines DFB-Dienstwagens telefoniert haben. Der Vorfall soll sich bereits im März ereignet haben.

Kaymer und Rosberg geben Tipps

Der Bundestrainer, der bereits 2006 wegen eines ähnlichen Vergehens schon einmal vier Wochen seine Fahrerlaubnis abgeben musste, hat aber keine Punkte wegen Alkohols am Steuer oder eines Unfalls bekommen. Nach der Pinkel-Affäre um Kevin Großkreutz, der wegen seines Aussetzers in Berlin nach dem Pokalfinale von Löw die dunkelgelbe Karte gesehen hatte, wirft allerdings auch Löws Verhalten kein gutes Licht auf die Nationalmannschaft. Diese sieht sich gerne als wichtiger Repräsentant Deutschlands.

„Wir wollen natürlich immer Vorbild sein. Wir sind aber auch nur Menschen, die Fehler machen. Ich sehe jetzt keine Gefahr, dass Jogi als Raser durchgeht. Er ist halt viel unterwegs, da passiert so etwas dann schneller“, betonte Bierhoff und versuchte, den Vorfall herunterzuspielen. Ausgerechnet WM-Spitzenreiter Rosberg konterkarierte allerdings Bierhoffs Aussage: „Ich fahre auf der Straße ganz normal und habe noch nie einen Punkt in Flensburg gehabt.“

Löws Eskapaden auf der Autobahn waren aber nicht das einzige Thema, mit dem sich die Nationalmannschaft und ihre prominenten Gäste am 10. Tag des WM-Trainingslagers beschäftigten. Rosberg (28) und der ehemalige Weltranglistenerste Kaymer (29) berichteten der Mannschaft beim Mittagessen von ihren jüngsten Siegen und ihrem jeweiligen Erfolgsgeheimnis.

„Man muss an sich selbst glauben, sich selbst vertrauen und dann locker ins Spiel gehen“, riet der frühere Mittelstürmer Kaymer dem DFB-Team und Rosberg empfahl, dass man „mit ganz viel Spaß“ an die Sache gehen und dazu den Teamgeist beschwören müsse.

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Bierhoff betonte, dass man diese Ratschläge beim WM-Turnier (12. Juni bis 13. Juli) in Brasilien beherzigen würde, ehe Kaymer mit einigen Nationalspieler auf dem Golfplatz übte und Rosberg mit anderen auf einer eigens präparierten und hermetisch abgeschirmten Teststrecke ein paar Runden drehte. Am Abend stand dann für die DFB-Auswahl ein weiteres Testspiel gegen die eigene U20 auf dem Programm.

Kapitän Philipp Lahm konnte dabei zwar noch nicht mitwirken, aber zuvor erstmals nach seiner Sprunggelenkverletzung gemeinsam mit seinem Bayern-Kollegen Bastian Schweinsteiger wieder eine Laufeinheit absolvieren.

Geschont wurde gegen den Nachwuchs auch Champions-League-Sieger Sami Khedira, der am Vorabend in Südtirol eingetroffen war und zunächst regenerieren sollte. Marcel Schmelzer (Knieprellung) konnte nach einer dreitägigen Pause wieder am Trainingsbetrieb teil, während Torwart Manuel Neuer (Schulter) weiter im Teamhotel Andreus behandelt wurde.

sid

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