Neues System ärgert England

Erste Saison mit Videobeweis: Hitzige VAR-Debatte spaltet die Premier League

Es scheint, als habe man sich in der Bundesliga mit dem Videobeweis weitestgehend arrangiert. In der Premier League ist das anders. Man ist sich einig: In der jetzigen Form hat der VAR keine Zukunft.

  • Zur Saison 2019/2020 wurde in der Premier League der Videobeweis eingeführt.
  • Nach mehreren strittigen Entscheidungen ist in England eine hitzige Debatte entbrannt.
  • Die Premier-League-Klubs planen ein Treffen, um das bestehende VAR-System abzuändern.

London - Während der Videobeweis hierzulande bereits seit zwei Jahren im Einsatz ist, gibt es den „VAR“ in der vermeintlich besten Liga Europas erst seit Beginn der laufenden Saison. Zeitlich versetzt ist nun also auch in England eine hitzige Debatte über Sinn und Unsinn der Video-Schiedsrichter entstanden.

Doch die Ausmaße auf der Insel erscheinen noch drastischer, als es hierzulande in der Saison 2017/2018 der Fall war.

Videobeweis sorgt in hart umkämpfter Premier League für Unmut

Kein Wunder: Schließlich gilt die Premier League mittlerweile nicht nur als beste, sondern seit jeher schon als körperbetonteste Liga des Kontinents. Die meisten der Matches sind hart umkämpft, die Fußballprofis gehen regelmäßig an den Rand ihres physischen Leistungsvermögens.

So ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche spielentscheidende Situationen zuletzt Fans und auch Vereine in Aufruhr versetzten. Jüngst heizte ein Platzverweis für Ex-Bundesliga-Profi Heung-Min Son die Debatte weiter an: Der Tottenham-Star holte Everton-Gegenspieler Andre Gomes rüde von den Beinen, dieser brach sich das Sprunggelenk und nach VAR-Einsatz mit anschließendem Videobeweis wurde Son schließlich des Feldes verwiesen.

Heung-Min Son holte Andre Gomes rüde von den Beinen. Der Videobeweis schaltete sich ein und heizte die VAR-Debatte in der Premier League weiter an.

In der Aufnahme zeigte sich jedoch, dass Sons Gegenspieler erst als Folge der Aktion mit Serge Aurier (ebenfalls Tottenham) zusammenprallte und aufgrund dieser Folgesituation die schwerwiegende Verletzung erlitt. Nicht erst seit dieser Aktion diskutieren Experten, Klubs und Anhänger eifrig über die Sinnhaftigkeit des neuen technischen Hilfsmittels.

Im Gegensatz zu anderen Topligen wie Deutschland und Spanien bahnen sich in der Premier League jedoch bereits in diesem frühen Stadium Veränderungen an: Wie der Daily Telegraph berichtet, gibt es in der nächsten Woche ein Treffen zwischen Verantwortlichen der 20 Premier-League-Vereine. 

Dort sollen die Beteiligten Anpassungen des jetzigen Systems diskutieren. Eine dieser potenziellen Stellschrauben ist angeblich die Möglichkeit, dass Trainer der Klubs in einem Spiel bis zu drei Möglichkeiten eines Widerspruchs besitzen, in dem gegen eine strittige VAR-Entscheidung Veto eingelegt werden kann. Dies erläutert u. a. das Portal Sportbuzzer.de.

Premier League: Kommt der Videobeweis in einer abgewandelten Form?

Doch was sagt der britische Dachverband dazu? Laut englischen Medienberichten beäugt die Premier League diese Gedankenspiele kritisch. Die Verantwortlichen befürchten, dass die Begegnungen unnötig verzögert würden und der Spielfluss in bestimmten Situationen gezielt von den Teams unterbrochen werden - sofern es dem eigenen Vorteil dient. Abwegig sind derlei Vermutungen sicher nicht: Schließlich ist auch im Profifußball heutzutage noch die Unsitte verbreitet, bei einem knappen Vorsprung reichlich Zeit zu schinden, um sich einen Vorteil zu erschleichen. 

Ein weiterer Grund für den Verdruss in England könnte sein, dass das VAR-System ein Stück weit anders angewendet wird, als auf dem europäischen Festland:

Dass der Videobeweis in der Premier League gänzlich wieder abgeschafft wird, scheint keine Alternative zu sein. TV-Experte und Ex-Nationalspieler Jamie Carragher bringt es auf den Punkt: „Der Videobeweis kann in seiner bestehenden Form nicht weiter existieren. Aber ich glaube noch immer an die Idee, ich möchte, dass sie Erfolg hat", so der frühere Liverpooler.

Auch Jürgen Klopp hat seinen Unmut zur Fassung des VAR-Systems in England schon geäußert. Anlass war der knappe 2:1-Sieg des FC Liverpool gegen Aufsteiger Aston Villa, als ein vermeintlich reguläres Tor von Roberto Firmino durch den Videobeweis aufgrund einer Abseitsposition aberkannt wurde. Der Trainer des Champions-League-Siegers sagte nach der Partie: "Es ist nicht richtig, dass wir hier sitzen und darüber lachen. Derartige Situationen können Teammanagern den Job kosten.“

In der Bundesliga kommt der Videobeweis bereits in der dritten Spielzeit zum Einsatz. Allerdings wurden hier seitens DFL gleich mehrere Optimierungen vorgenommen. Für einen Eklat sorgte die aktuelle Regelauslegung in Hannover, wo der VAR ein wichtiges Traumtor verhindert hat.

PF

Rubriklistenbild: © AFP / OLI SCARFF

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