Wenn Träume platzen

Viele Profi-Karrieren enden, ehe sie richtig angefangen haben

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„Meistens geht es um die Playstation“, sagt ex-Kicker Stefan Reisinger.

München - Profis in der Bundesliga und Zweiten Liga verdienen überdurchschnittlich gut, allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum. Da sich viele Kicker keine Gedanken über die Zeit nach der Karriere machen, fehlt oft das zweite standbein.

Von diesen Summen können die meisten Menschen nur träumen. Dass Philipp Lahm oder Thomas Müller jedes Jahr Millionen kassieren, ist kein Geheimnis. Doch auch Ergänzungsspieler in Ingolstadt oder Augsburg verdienen mehr als ordentlich, im Schnitt liegt das Gehalt eines Bundesliga-Profis bei knapp einer Million Euro im Jahr. 934 000 Euro, um genau zu sein – das ergab eine Studie des Instituts für Fußballmanagement.

Um einen objektiven Überlick vermitteln zu können, befragte das Ismaninger Institut 20 Spielerberater mithilfe qualitativer Leitfadeninterviews. Eine weitere Erkenntnis: Auch in der Zweiten Liga werden die Akteure mit durchschnittlich 299 000 Euro erstklassig entlohnt, ihr Verdienst entspricht immer noch fast dem zehnfachen Jahreseinkommen des deutschen Durchschnittsbürgers. Fußballer verdienen unfassbar viel Geld, aber nicht für immer. Meist dauert eine Karriere nicht länger als 15 Jahre – und dann? Fehlt nicht wenigen Kickern ein Standbein für die zweite Karriere. Für das Institut ein Anlass, um das „Karrieremanagement im Profisport“ im Münchner Bankhaus Donner & Reuschel mit 70 geladenen Experten aus der Welt des Sports einmal genauer zu beleuchten.

Viele sind nicht auf ihr Karriereende vorbereitet

Kein großes Rampenlicht, keine dicken Gehaltsschecks, kein durchgetakteter Alltag – mit dem Ende der Laufbahn ändert sich im Leben eines Fußballers einiges. Das Problem: Viele sind auf diesen Moment nicht vorbereitet, das Bewusstsein für diese Situation fehlt. Denn obwohl heutzutage vergleichsweise viele Profis Abitur haben (70 Prozent), bleibt die Bildung während der Karriere meist komplett außen vor. Nur 16 Prozent von ihnen studieren nebenbei, immerhin 34 Prozent beginnen eine Ausbildung.

Einer von ihnen ist Stefan Reisinger. Der Ex-Löwe absolvierte parallel zum Fußball eine Ausbildung zum Bankkaufmann, war damit aber ein Außenseiter. „Meistens geht es um die nächste Partie an der Playstation“, verrät Reisinger die wirklich wichtigen Themen in der Kabine und berichtet von Erfahrungen, die er mit ehemaligen Mitspielern gemacht hat: „Was ich teilweise erlebt habe, das glaubt mir keiner.“

Nicht wegzudiskutieren ist dagegen die Tatsache, dass viele Karrieren enden, bevor sie richtig angefangen haben. Über den „Drop-out im Fußball“ referierte Alexander Schmalhofer und führte dabei eine Studie an, an der sich 21 Profivereine beteiligten. Diese gaben 1320 Drop-outs an – in einem Zeitraum von gerade einmal fünf Jahren. Und dann sind Fußballer häufig auf sich allein gestellt.

Verletzungen beenden Karrieren oft früher als geplant

Auch deshalb ist es aus Sicht von Karsten Schumann für die Vereine unerlässlich, mit ihren Talenten nicht nur an den fußballerischen Fähigkeiten, sondern auch an der Persönlichkeit zu arbeiten. „Die Vereine haben im Erziehungsprozess eine Verantwortung für ihre jungen Spieler“, erklärt Schumann, der vier Jahre beim FC Bayern tätig war. Er fungierte als Assistent von Ex-Sportvorstand Matthias Sammer und beschäftigte sich dabei auch mit dem Nachwuchs intensiv. „Der Fußball hat sich gewandelt. Heute braucht es intelligente Spieler“, meint Schumann. Es sei enorm wichtig, „auf jeden Spieler individuell einzugehen. Diese Komponente kommt mir noch zu kurz. Die Vereine müssen die fußballerische Ausbildung noch intensiver mit der Persönlichkeitsentwicklung verknüpfen.“

Doch auch gestandene Profis kann ein Karriereende schneller ereilen als gedacht. Denn der häufigste Grund für das Ende einer Laufbahn ist nicht das Alter, wie die Studie des Instituts ergab. Noch öfter wurde als Antwort eine Verletzung genannt. Das große Gehalt ist plötzlich weg – und nicht selten geschieht das früher als erst nach 15 Jahren...

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