Augsburg darf wieder hoffen

Die Prominenz im Griff: FCA-Abwehrmann Klavan (r.) bremst Schalkes Starstürmer Klaas-Jan Huntelaar. Foto: firo

FC Augsburg – Es gibt Unentschieden, zu denen man den Kopf senkt. Und es gibt Unentschieden, die ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Von Günter Klein

Aus Sicht des FC Augsburg war das 0:0 gegen Schalke 04, obwohl man Chancen und Überlegenheit für einen Sieg hatte, ein Unentschieden der freundlichen Kategorie.

Man hat das daran gemerkt, wie launig Stefan Reuter, der neue Manager des FCA, hinterher von seiner Verbannung auf die Tribüne erzählt hat. Unmittelbar vor der Bank war einer seiner Spieler rustikal gefoult worden. „In der Coaching Zone“, sagte Reuter, „darf immer einer aufstehen – und ich wusste nicht, dass die anderen auch aufspringen“. Fast in Kompaniestärke forderten die Augsburger Sanktionen für Schalkes Höwedes, den Foul-Spieler. Schiedsrichter Dingert griff sich von den aufdringlichen Reklamierern dann eben den Manager Reuter als Ranghöchsten heraus.

Aber alles nicht so schlimm, denn der FCA konnte so viel Positives aus dieser Begegnung ziehen. Das Wichtigste: Er verschaffte sich wieder Perspektive im Abstiegskampf, zog an Hoffenheim, 1:2-Verlierer in Frankfurt, vorbei – vom Festabsteiger- auf den Relegationsplatz. Er hatte mehr Ballbesitz und Schüsse (einen sogar an den Pfosten, durch Mittelstürmer Mölders) – und das „gegen einen Champions League-Teilnehmer“, wie FCA-Trainer Markus Weinzierl betonte. Der FCA hat sich über den Winter zu einer offensiveren Ausrichtung durchgerungen. „Wenn man sich zurückzieht und den Gegner spielen lässt, wird es schwer. Darum muss man Druck aufbauen“, erklärt Abwehrmann Jan-Ingwer Callsen-Bracker.

Was er in der Hinrunde auch noch nicht gegeben hatte: personelle Konstanz. In den beiden Partien der Rückrunde, beim 3:2-Sieg in Düsseldorf, und nun dem 0:0 gegen Schalke bot Weinzierl die gleiche Start-Elf auf. Vier Punkte aus zwei Spielen – das klingt besser als neun aus 17. „In der Hinrunde“, glaubt der Coach, „hätten wir so ein Spiel durch einen Konter vor Schluss noch verloren, jetzt sind wir stabil.“

Die Schalker konnten mit der Augsburger Aggressivität nicht viel anfangen, sie brauchten eine Halbzeit, um sich ins Geschehen zu finden, erst dann kamen Bälle auf die beiden Stürmer Huntelaar und Marica. Jens Keller , der noch ziemlich neue, aber schon ziemlich hinterfragte Trainer, nahm als positiven Eindruck zumindest mit, „dass die Mannschaft jetzt wieder das Gefühl hat, dass sie ,zu null’ spielen kann“. Am Wochenende zuvor hatte sie von Hannover vier Gegentreffer verabreicht bekommen (zum Glück jedoch auch selbst fünf Tore geschossen).

In Augsburg mitgespielt hat Lewis Holtby, der im Sommer zu Tottenham Hotspur wechseln wird. Oder doch noch bis 31. Januar, so lange das Transferfenster offen ist? Dann wäre das 0:0 in Augsburg sein Schalke-Abschiedsspiel gewesen. „Ein komisches Gefühl“, verschaffe ihm diese Situation der Unentschiedenheit. „Ich habe keinen Stöpsel im Ohr und keinen Newsticker. Meine Wohnung ist auch noch komplett und der Kühlschrank voll mit Wasser und Essen.“ Holtby sagte es mit einem Lächeln.

Quelle: fussball-vorort.de

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