Vorbecks Kampf um die Zukunft

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Marco Vorbeck hört im Sommer mit dem Fußballer-Dasein auf.

Augsburg - "Jetzt ist es eh zu spät“, sagt Marco Vorbeck. Der Stürmer des FC Augsburg hat seine Profi-Karriere abgehakt: „Ich höre im Sommer auf.“

Der Sehnenanriss an der Fußsohle vor einem Jahr war zu viel, der Weg zurück in den Profi-Kader des FC Augsburg zu weit, zu beschwerlich.

Ein weiterer Wechsel, in die Dritte Liga oder die Regionalliga, ist für den 27-Jährigen keine Option. „Was soll ich denn da noch fünf Jahre herumgammeln?“, fragt Vorbeck: „Nach diesem Jahr finde ich keinen Zweitliga-Verein mehr.“ Und sich noch einmal schinden? Er entgegnet: „Für drei geile Jahre, und zehn, zwanzig beschissene danach?“ Wohl kaum. Deswegen zieht er jetzt den Schlussstrich – und wechselt frühzeitig ins zweite Berufsleben. Vorbeck will zur Kriminalpolizei und bewirbt sich für den gehobenen Dienst. Vielleicht Sonderkommando, scherzt er. „Ich denke, das ist ein ganz cooler, interessanter Job.“

Mit Plan B will er dem Schicksal vieler Profi-Kicker entgehen: Nämlich als Mittdreißiger ohne Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbar zu sein.

Das vermeintlich Naheliegendste, nämlich Trainer zu werden, kommt für ihn nicht infrage. Stattdessen Beamtentum, abgesichert sein. „Ich habe mir über meinen Beruf noch nie wirklich Gedanken gemacht“, gibt Vorbeck zu: „Ich wollte immer nur Fußballer werden. Aber seit ich in Augsburg bin, denke ich darüber nach, was ich machen könnte.“

Der Stürmer hat seine Karriere knallhart analysiert. Das Urteil: „Ich habe mich sportlich nicht wirklich weiterentwickelt. Und finanziell schon gar nicht. Ich glaube nicht, dass ich mich in den nächsten Jahren so absichern kann, dass ich mit 35 nichts mehr machen muss und keine Sorgen habe“, glaubt er.

Dann das, worüber er am liebsten gar nicht mehr nachdenken würde, nämlich der Knackpunkt seiner Karriere, als vielversprechendes Talent bei Hansa Rostock. „Ich habe dort zu lange gespielt und die falschen Entscheidungen getroffen“, weiß Vorbeck heute. Zu Werder Bremen hätte er gehen sollen, als die ihn wollten, meint er. „Ich war ein kleiner Schisser. Ich dachte mir immer: ‚Rostock ist meine Heimat, den Verein mag ich so gerne. Da bin ich bei Mutti und meinen ganzen Freunden. Irgendwann werd’ ich schon noch mal ganz viel Geld verdienen.‘“

Jetzt weiß er es besser, und denkt schon an seinen Nebenjob während des Studiums: Fußball, fünfte oder sechste Liga. Weil die 800 Euro netto sonst zu wenig sind.

Vorbecks Freunde und Trainer Holger Fach befürworten all diese Pläne. Vernünftig, sagen sie. Wer weiß? Vielleicht wird Vorbecks zweite Karriere größer als die erste.

Tobias Kimmel

Quelle: tz

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