Klopp über BVB-Chancen

"Wenn Bayern sich nicht über den Haufen laufen"

+
Jürgen Klopp.

Dortmund - BVB-Trainer Jürgen Klopp blickt zurück auf eine am Ende enttäuschende Bundesliga-Hinrunde. Der 46-Jährige spricht außerdem über die Verfolgerrolle, Ziele und die Ausnahmestellung des FC Bayern.

Vom Gejagten zurück zum Jäger. In den vergangenen drei Jahren überwinterte Borussia Dortmund stets auf einem direkten Champions-League-Platz. Nach dem Sturz auf den vierten Rang spricht niemand mehr vom Zweikampf mit dem derzeit übermächtigen FC Bayern. Hauptkonkurrenten sind andere. „Platz zwei in der Liga ist superschwer. Wir sind nun wieder in der Rolle des Jägers und gehen vollgeladen in die Rückrunde. Leverkusen hat uns im Nacken, Gladbach auch“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp eine gute Woche vor dem Rückrunden-Start in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Der Spitzenreiter aus München ist dem BVB bei zwölf Punkten Vorsprung erneut frühzeitig enteilt. „Wenn die Bayern sich im Training nicht gegenseitig über den Haufen laufen, kann die wohl keiner mehr holen“, kommentierte der Fußball-Lehrer.

Der Zweite Bayer Leverkusen (37 Punkte) und der Dritte Borussia Mönchengladbach (33) sind für die Borussia (32) das erklärte Ziel, um am Ende der Saison erneut die direkte Qualifikation für die Champions League und damit Millionen-Einnahmen sicher zu haben.

„Wenn wir am Saisonende Zweiter werden sollten, hole ich mir einen Lastwagen, fahr durch den Garten und freu mich“, scherzte Klopp. Angesichts der Ausnahmestellung des Triple-Siegers von der Isar wäre dieser Rang für ihn und seine Mannschaft als Erfolg zu werten. In den Spielzeiten 2011 und 2012 habe man die Bayern mit drei Titeln zwar bis zur „Weißglut“ treiben können. Aber der Rekordmeister habe „mit allem zurückgeschossen, mit dem man zurückschießen kann.“

Der Trainer sprach damit auch indirekt die Abwerbungen von Mario Götze im Sommer 2013 und die von Robert Lewandowski an, der nach Saisonende ablösefrei nach München wechselt. Und das Verletzungspech in der Hinrunde, das der BVB irgendwann nicht mehr kompensieren konnte. „Die Bayern haben die allergrößten Möglichkeiten, auf das zu reagieren, was im Fußball passieren kann. Es ist eine Topmannschaft mit einer Breite, die ihresgleichen auf diesem Planeten sucht“, erklärte Klopp. In einem Spiel könne man sie schlagen, aber: „Wir messen uns die ganze Zeit mit ihnen. Diesen Wettkampf kann man auf Dauer nicht gewinnen.“

So bleiben für den Revierclub neben dem zweiten Rang der DFB-Pokal mit dem Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt und die europäische Königsklasse. Gegner im Achtelfinale ist Zenit St. Petersburg. „Was den DFB-Pokal angeht, gibt es keine Limits. In der Champions League sind wir nicht gerade der Titelfavorit, aber das waren wir letztes Jahr auch nicht und sind trotzdem ins Finale gerutscht. Da würden wir uns auch ungern limitieren“, sagte er.

Sichtlich zugesetzt habe ihm die öffentliche Wahrnehmung der Leistungen seines Teams. So hatte der Erfolgscoach in der Hinrunde auch wiederholt empfindlich auf unliebsame Fragen von Medienvertretern reagiert. Dies habe er selbstkritisch hinterfragt und abgehakt.

Dennoch ärgerte sich Klopp über die Frage, ob man seine Mannschaft überhaupt für den Kampf um Platz zwei motivieren könne. „Wie könnte ein Mensch sich hinstellen und sagen: Für Platz zwei bin ich nicht bereit, etwas zu investieren. Das empfinde ich als dämlich. Das zeigt aber, dass so ein Gefühl in der öffentlichen Diskussion manchmal vermittelt wird. Als wenn Platz zwei nichts ist, bloß weil man mal Erster war“, sagte Klopp.

dpa

Die Ausraster des Jürgen Klopp - eine Chronologie

Der Ausbruch vom Spiel in Neapel am 18.9.2013 war nicht der erste Ausraster von Jürgen Klopp. Allein von den Geldstrafen, die der Trainer des deutschen Fußball-Vizemeisters Borussia Dortmund in seiner Karriere zahlen musste, hätte er sich ein Luxusauto kaufen können. Wir haben eine Chronologie seiner Ausraster (die Bilder sind weitgehend Symbolfotos). © dpa
5. Dezember 2004: Während der Begegegnung des FSV Mainz 05 beim 1. FC Kaiserslautern (0:2) äußert sich Klopp unsportlich gegenüber dem Schiedsrichter-Gespann. Dafür muss er 2500 Euro zahlen. © dpa
18. März 2007: Als Trainer des FSV Mainz 05 ruft Klopp im Spiel bei Werder Bremen (0:2) „Du Idiot“ in Richtung des Schiedsrichters Thorsten Kinhöfer. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verurteilt Klopp wegen unsportlichen Verhaltens zu 12.500 Euro Geldstrafe. © dpa
8. November 2008: Nach einer 1:2-Niederlage beim Hamburger SV läuft der BVB-Trainer wütend aufs Spielfeld zu Schiedsrichter Jochen Drees und dessen Assistenten. Er geht die Unparteiischen auch noch in der Schiedsrichter-Kabine verbal an. Die Folge: 12.000 Euro Strafe. © dpa
17. Januar 2010: Beim Spiel der Dortmunder beim 1. FC Köln (3:2) verlässt Klopp mehrfach die Coachingzone und wird auf die Tribüne verbannt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verhängt 5000 Euro Strafe für Klopp. © dpa
12. November 2010: Nach einem Foul von Ze Roberto an Mario Götze im Spiel gegen den Hamburger SV (2:0) rennt Klopp auf den vierten Offiziellen Stefan Trautmann zu und drückt ihm seine Mütze ins Gesicht. 10.000 Euro muss der BVB-Trainer zahlen. „Das war nicht in Ordnung“, gibt Klopp zu und entschuldigt sich bei Trautmann. © dpa
25. September 2012: Im Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt (3:3) stürmt Klopp in der Nachspielzeit zum vierten Offiziellen Guido Kleve und schreit diesen an. Daraufhin wird er aus dem Innenraum verwiesen. „Das Gesicht sah nicht gut aus“, sagte Klopp im Anschluss. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilt ihn zu 6000 Euro Geldstrafe. © dpa
18. September 2013: Im Champions-League-Spiel beim SSC Neapel (1: 2) wird Klopp von Schiedsrichter Pedro Proenca nach 30 Minuten auf die Tribüne geschickt. Zuvor hatte der Dortmunder Trainer dem vierten Offiziellen aus nächster Nähe ins Gesicht geschrien. Hinterher gibt sich Klopp mal wieder reumütig: „Ich mach da draußen “nen Affen, das geht nicht. Ich bin über das Ziel hinausgeschossen, das war völlig doof.„ © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

EM 2020: Austragungsort für DFB-Gruppenspiele steht fest: Deutschland jubelt - „Richtig cool“
EM 2020: Austragungsort für DFB-Gruppenspiele steht fest: Deutschland jubelt - „Richtig cool“
EM-Qualifikation: So endete Deutschland gegen Nordirland
EM-Qualifikation: So endete Deutschland gegen Nordirland
DFB-Einsatz endet mit Fiasko - Üble Diagnose bei Toptalent Waldschmidt
DFB-Einsatz endet mit Fiasko - Üble Diagnose bei Toptalent Waldschmidt
Irres Ajax-Foto sorgt für ungläubiges Staunen: Wenn das mal kein „Riesentalent“ ist
Irres Ajax-Foto sorgt für ungläubiges Staunen: Wenn das mal kein „Riesentalent“ ist

Kommentare