Vor dem Duell Bremen gegen Bayern

Werder-Legende Aílton: „Zwei Tore würde ich schon machen!“

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Ailton: Lebensfreude pur

Er ist einer der Kultfiguren in der Historie von Werder Bremen: Aílton. Im Interview  spricht der Brasilianer über seine persönliche Erfahrungen aus den Duellen mit dem FC Bayern.

Aílton an die Strippe zu kriegen, ist nicht einfach. Der Kugelblitz hat seinen PIN dreimal falsch eingegeben, ist daher nur über SMS zu erreichen. Die tz bleibt aber hartnäckig, und nach kurzem Hin und Her erfolgt grünes Licht. „Ruf mich über Whatsapp an“, schreibt Aílton. Gesagt, getan. Das tz-Interview mit der Werder-Legende:

Was macht das Leben?

Aílton: Es läuft soweit, danke. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und kümmere mich um meine Firma in Brasilien, die kleinere Häuser baut und renoviert. Ich bin auch oft auf unserer Ranch bei den Pferden, unser Lebensmittelpunkt liegt aber in Dallas. Dort gehen die Kinder zur Schule und meine Frau betreibt ihr Kosmetikunternehmen. Wir sind glücklich.

Bleibt da überhaupt noch Zeit, um die Bundesliga zu verfolgen.

Aílton: Aber natürlich. Ich halte mich auf dem Laufenden, gerade bei meinen Bremern. Die Spiele laufen in den Staaten ja frühmorgens, aber ich stelle mir meinen Wecker. Und sonst muss es eben die Zusammenfassung sein.

Am Samstag geht es gegen die Bayern. Schwierig, oder?

Aílton: Kann man so sagen, zuletzt haben ja immer die Bayern gewonnen. Sie sind einfach die bessere Mannschaft. Aber man weiß nie. Die Motivation dürfte auf Bremer Seite enorm sein, und wenn sie gut verteidigen und auf Konter spielen, schenken sie den Bayern vielleicht eins ein. Dann wird es interessant, zumal die Bayern in meinen Augen einen Tick nachgelassen haben.

Und Werder?

Aílton: Ich bin im Tagesgeschäft nicht dabei, in meinen Augen hakt es aber an den Transfers. Junge Spieler verletzen sich weniger und laufen mehr, es braucht aber auch erfahrene. Die Mischung macht es. Bei uns war das nicht anders. Ich war 30, unser Torwart war sogar 35. Die Art Spieler gibt es bei Werder nicht mehr.

Zu Ihrer Zeit war das Duell mit den Bayern noch ein anderes.

Aílton: Unvergesslich war unser 3:1-Sieg in München, mit dem wir uns 2004 die Meisterschaft gesichert haben. Das bleibt auf immer in meinem Gedächtnis, da es so eine Situation für Werder nie wieder geben wird. Ein Finale. Gegen die Bayern. Und in München. Das passiert einmal im Leben. Jeder hat auf die Bayern gewettet, aber wir haben die ganze Saison über schon sehr gut gespielt und waren dementsprechend selbstbewusst.

Ähnlich selbstbewusst waren auch die Schnappschüsse nach Abpfiff. Die Schale und Aílton, wie der Herrgott ihn schuf.

Aílton: Wenn du Meister wirst, ist alles erlaubt. Alles. Ich erinnere mich noch genau an meinen Jubel nach meinem Tor zum 3:0. Ich bin losgelaufen, habe meinen Finger hochgehalten und vor mich hin gesagt: „Ich bin Meister. Und niemand wird mir diesen Titel mehr nehmen.“ Und soll ich Ihnen etwas sagen?

Bitte!

Aílton: Der größte Fehler meiner Karriere war, Deutschland zu verlassen. Ich hätte bleiben und danach noch ein, zwei Jahre in Katar dranhängen sollen, aber irren ist ja bekanntlich menschlich. Nach einer Saison auf Schalke bin ich in die Türkei gegangen, und von da an ging es bergab.

Nichtsdestotrotz haben die Menschen Aílton nicht vergessen.

Aílton: Weil ich anders war. Ich komme aus Brasilien, spreche daher nicht so unfallfreies Deutsch, aber dafür bin ich authentisch. Ich werde nicht zu einer anderen Person vor den Kameras, wie das bei dem einen oder anderen Brasilianer der Fall ist. Ich verstecke und verstelle mich nicht.

Diese Einstellung bräuchte Werder am Samstag.

Aílton: Glauben Sie mir, ich würde es lieben, auf dem Platz zu stehen. Und zwei Tore würde ich schon machen. (lacht)

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