Wettmonopol fällt: "Ein Meilenstein!"

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Das Wettmonopol ist gefallen.

München - Revolution auf dem deutschen Wettmarkt! Der Europäische Gerichtshof hat am Mittwoch das in Deutschland geltende staatliche Monopol für Sportwetten und Glücksspiele gekippt.

 Begründung: Die Alleinstellung sei nicht mit dem Recht der EU vereinbar. Das Monopol verstoße unter anderem gegen die Niederlassungs- sowie die Dienstleistungsfreiheit und sei deshalb ab sofort nicht mehr anwendbar. Der Werbemarkt ist somit offen. Gut für den gesamten deutschen Fußball! Denn die Entscheidung dürfte den Vereinen Millionen garantieren. Aber was ändert sich genau? Welche Auswirkungen hat die Entscheidung des Gerichtshofs? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zur Wett-Revolution:

Was bedeutet das Urteil für den Profi-Sport? Hartmut Zastrow, Mitbegründer des Forschungs- und Beratungsunternehmens Sport+Markt, zur tz: „Dem Fußball hierzulande konnte nichts Besseres passieren. Es gibt jetzt neue Wettbewerber auf dem Werbemarkt. Der deutsche Wettmarkt ist ja gegenüber dem englischen deutlich unterentwickelt.“ Logisch, war es doch bisher dem staatlichen Anbieter Oddset vorbehalten, zu werben. Den Klubs erschließen sich neue Einnahmequellen. Zastrow: „Ich gehe davon aus, dass nach der Umsetzung des Urteils in den nächsten zwei bis drei Jahren ein dreistelliger Millionenbetrag in den deutschen Profisport fließen wird. Davon werden 70 bis 80 Prozent auf den Fußball entfallen.“ Ob auch der TSV 1860 davon profitiert?

Die 20 umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt

Platz 20: Aston Villa 109,4 Millionen Euro © Getty
Platz 19: VfB Stuttgart 114,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 18: AS Rom 122,7 Millionen Euro © Getty
Platz 17: Atlético de Madrid 124,5 Millionen Euro © Getty
Platz 16: FC Schalke 04 139,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 15: Olympique Marseille 141,1 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 14: Olympique Lyon 146,1 Millionen Euro © Getty
Platz 13: Hamburger SV 146,2 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 12: Tottenham Hotspur 146,3 Millionen Euro © Getty
Platz 11: Manchester City 152,8 Millionen Euro © Getty
Platz 10: Juventus Turin 205,0 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 9: Inter Mailand 224,8 Millionen Euro © Getty
Platz 8: FC Liverpool 225,3 Millionen Euro © Getty
Platz 7: AC Mailand 235,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 6: Chelsea London 255,9 Millionen Euro © Getty
Platz 5: Arsenal London 274,1 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 4: FC Bayern München 323,0 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 3: Manchester United 349,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 2: FC Barcelona 398,1 Millionen Euro © Getty
Platz 1: Real Madrid 438,6 Millionen Euro © Getty

Zur Erinnerung: Bwin beendete den Sponsoringvertrag 2007 bei den Löwen wegen des Werbeverbots vorzeitig. In anderen Ländern sieht das anders aus. Ob Real Madrid in Spanien oder Sunderland in England: Wettanbieter zahlen Millionen für die Werbung auf den Trikots.

Wie reagieren die Sport-Funktionäre? Die Meinungen sind einhellig: Und zwar positiv! „Es werden neue Einnahmen zugunsten der Bundesliga kommen, das ist klar“, freut sich Karl-Heinz Rummenigge. „Der Profifußball hat aber auch die Verantwortung für den Breitensport mitzutragen.“ DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger: „Der Sport und ganz besonders der Fußball leistet durch die Organisation der Spiele einen aktiven und erheblichen Beitrag für den Wettmarkt. Dieser Leistung muss Rechnung getragen werden.“ Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes: „Das Urteil ist ein Meilenstein. Es erlaubt den Gemeinwohlinteressen des Sports ebenso gerecht zu werden wie denen der Sportveranstalter.“

Wie reagiert die Politik? Die Grünen im Bayerischen Landtag äußerten ihre Freude in einer Pressemitteilung. „Wir haben die frühzeitige Festlegung der bayerischen Staatsregierung auf das staatliche Monopol von Anfang an kritisiert“, erklärte der wirtschaftspolitsche Sprecher Martin Runge. Er betonte, dass sich die Staatsregierung zur Monopolrechtfertigung gerne das scheinheilige Deckmäntelchen der Bekämpfung der Spielsucht umgehängt habe.

Was ändert sich auf dem Wettmarkt? Der Wettmarkt ist offen. Der Unterschied ist jetzt aber vor allem die Werbe-Erlaubnis. Denn aufgrund von EU-Verträgen durften ausländische Firmen Sportwetten über das Internet anbieten. So ist bwin in Gibraltar ansässig. Zuletzt hatte sich ohnehin gezeigt, dass die unregulierten Anbieter für Kunden deutlich attraktiver als Oddset sind. Zastrow zur tz: „Natürlich wird es jetzt auch Wildwuchs geben, es werden auch unseriöse Anbieter werben. Aber es werden sich die seriösen durchsetzen.“

ta, lk

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