Ex-DFB-Boss im Fokus

Wirbel um gekaufte WM 2006 - Zwanziger auf Rachefeldzug?

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Ein Bild aus dem Jahr 2005: DFB-Präsident Theo Zwanziger (v. l.), OK-Vize Fedor Radmann und OK-Präsident Franz Beckenbauer.

München - Die WM 2006 soll von den Deutschen "gekauft" worden sein? Flossen tatsächlich Bestechungsgelder? Und wer ist dafür verantwortlich, dass die Sache ausgerechnet jetzt ans Licht kommt?

Es ist ein Artikel, der den deutschen Fußball und einige seiner größten Persönlichkeiten innerhalb weniger Tage komplett verdunkelt. Das Sommermärchen, die WM 2006, ist gekauft! So schreibt es der Spiegel – und fügt hier und da die Worte „mutmaßlich“ und „möglicherweise“ ein. Das Politmagazin schafft es nicht, auf alle Fragen eine Antwort zu geben, hat aber längst einen Schatten über dem DFB ausgebreitet. Dem Verband wiederum gelingt es nicht, Licht in das große Dunkel zu bringen. Und dennoch geht er in die Offensive.

Allen voran Präsident Wolfgang Niersbach wehrt sich, er erklärte am Samstag bei dfb.de in aller Deutlichkeit: „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine ‚schwarzen Kassen‘ beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat. Das kann ich allen Fußball-Fans versichern. Auch der Spiegel hat dafür keine Beweise genannt, sondern beruft sich letztlich auf ein angebliches, von einer anonymen Quelle kolportiertes Zitat von Günter Netzer, das der bereits im gleichen Artikel vehement bestritten hat. Noch mal: Die WM war nicht gekauft.“

Demnach, so lässt sich mit Betrachtung der Spiegel-Recherchen festhalten, gibt es vor allem einen Fakt in dieser ganzen Geschichte: Dem DFB fehlt die Begründung zu einem Zahlungsvorgang von 6,7 Millionen Euro an die FIFA aus dem Jahr 2005. Diesen wolle man prüfen, erklärte Niersbach. Er könne allerdings schon jetzt ausschließen, „dass die Zahlung in Zusammenhang mit der WM-Vergabe im Jahr 2000 steht“.

In dem Artikel ist die Rede davon, dass dieses Geld über den Weltverband an den Unternehmer Robert Louis-Dreyfus zurückfließen sollte. Der Ex-Adidas-Chef hätte dem Organisationskomitee des DFB einst mit dieser Summe geholfen, die nötigen Stimmen für eine erfolgreiche WM-Bewerbung „zu generieren“. Als Grundlage für diese Behauptung bezieht sich das Magazin auf ein Fax, in dem sich auch die Handschrift von Wolfgang Niersbach finden lassen soll. Bleibt die Frage: Warum bildet der Spiegel das Fax nicht ab? Niersbach selbst will sich nicht daran erinnern, bittet die Journalisten sogar darum, ihm das Schriftstück vorzulegen.

Mit Blick auf die zahlreichen Mutmaßungen in Bezug auf diverse Insider-Informationen stellt sich eine weitere Frage: Wie sehr ist der Skandal aus dem Hintergrund gesteuert?

„Es hat mich ziemlich überrascht, ich habe mit anderen Themen gerechnet, mit weiteren Skandalen. Aber dass das Thema Deutschland 2006 nochmals auf den Tisch kommt, das hätte ich nicht erwartet“, sagt Guido Tognoni, langjähriger Mediendirektor bei der FIFA. Im ZDF ließ er seinen Gedankenspielen sehr offen freien Lauf. Tognoni: „Irgendwie fällt alles in sich zusammen. Wir fürchten eine Implosion der FIFA, die alten Seilschaften halten nicht mehr. Es ist die Zeit, in der Rache genommen wird.“ Ganz konkret sagt er: „Es ist bekannt, dass Wolfgang Niersbach und sein Vorgänger Theo Zwanziger nicht unbedingt die innigsten Freunde sind.“ Zwanziger wehrte sich gegen diese Behauptungen am Sonntag: „Die abenteuerlichen Vorwürfe von Herrn Tognoni, auf welcher Grundlage sie beruhen mögen oder aus welcher Motivation heraus sie gesteuert werden, sind weder in irgendeiner Weise begründet noch in irgendeiner Weise geeignet, der Wahrheitsfindung zu dienen.“

Fedor Radmann, laut Tognoni „das Mastermind in dieser Geschichte, der Mann fürs Grobe“, äußerte sich am Wochenende ebenfalls. „Das Bewerbungskomitee hat niemals irgendjemanden bestochen. Ich bin bereit, dies sogar zu beeiden. Wir haben keine Stimmen gekauft“, sagte das ehemalige OK-Mitglied. Franz Beckenbauer äußerte sich am Sonntag über sein Management: „Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

mic

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