Wir sprachen mit dem Trainer

Fußball-Team direkt von Bier-Fest zu Spiel! So ging's aus

Wittichenau - Direkt von einem Bier-Fest ist ein Fußballteam aus Sachsen zu einem Pflichtspiel gereist. Wir verraten, wie das Spiel ausging - und sprachen mit dem Trainer.

Ein Mini-Spielankündigungstext aus einer sächsischen Zeitung kam durch die beliebte Facebook-Seite "Perlen des Lokaljournalismus" an die breitere Öffentlichkeit. Darin wird der Trainer eines Kreisoberligisten wie folgt zitiert: "Ich hoffe, eine spielfähige Mannschaft auf den Platz zu bekommen. Denn alle Spieler haben Karten für den Karnevalsfrühschoppen in Wittichenau. Die Ralbitzer haben einer Spielverlegung nicht zugestimmt. Vom Ergebnis her machen wir uns da keine großen Hoffnungen, werden aber versuchen, so lange wie möglich zu Null zu spielen."

In der Kreisoberliga muss man halt Prioritäten setzen... - Via Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs.

Posted by Perlen des Lokaljournalismus on Sonntag, 8. November 2015

Mehr als 1000 Likes für die skurrile Meldung waren die Folge. Aber die kann doch eigentlich nicht echt sein? Oh doch! Denn unsere Onlineredaktion hat sich mit besagtem Trainer in Verbindung gesetzt. Waldemar Adamowicz (42) bestätigt: Genau so war es. Und erklärt die ganze Geschichte hinter der Meldung.

"Der eine oder andere hatte schon ein Bier getrunken oder mehr"

"Wir hatten großes Derby gegen Ralbitz/Horka", holt der Coach aus. "Der große Karnevalsbeginn ist jedes Jahr zu dieser Zeit. Für so ein Dorf gibt es da nichts anderes, das steht an erster Stelle, da wird kein Fußball gespielt, da gibt es nur Feierlichkeiten. Man muss dafür Karten kaufen, die hatte fast jeder Spieler bei uns." Schon ab 8 Uhr tobt seiner Schilderung nach die Kleinstadt, ob in Kneipen oder bei verschiedenen Großveranstaltungen. Üblicherweise schaue der Verband schon im Vorfeld darauf, dass nicht gleichzeitig ein Spiel stattfindet. Heuer war es anders. Für 14 Uhr war die Begegnung angesetzt! Und beim Antrag auf kurzfristige Verlegung habe sich der Gegner quergestellt. "So mussten wir dann antreten, auch wenn der eine oder andere Spieler schon ein Bier getrunken hat oder mehr."

Darf man einen Fußballtrainer fragen, wie viele Promille seine Kicker bei einem Spiel hatten? Unsere Onlineredaktion hat sich's einfach mal getraut. Adamowicz' Antwort: "Ich habe nicht kontrolliert, wer was getrunken hat. Die Spieler hatten immerhin so viel Anstand, dass alle erschienen sind. Ich wollte ihnen nicht den Spaß nehmen."

Die Partie in der Kreisoberliga - der achthöchsten Spielklasse, es gibt noch zwei darunter - ging übrigens noch recht glimpflich aus. Adamowicz' Team verlor mit 0:2. "Es fehlte an Energie und am läuferischen Einsatz", schrieb die lokale Zeitung Lausitzer Rundschau in ihrem Spielbericht. "Vom Ergebnis her bin ich ja noch zufrieden", sagt er. Und auch mit dem Zustand seiner Spieler. "Sie sahen ganz ordentlich aus."

Abhaken will der Coach aber die Sache sicher nicht. Er hat den Vorfall gespeichert über den Gegner, der sich in Sachen Spielverlegung quergestellt hat. "Wir merken uns das. Man sieht sich immer zweimal im Leben."

lin

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