Vorbild Mertesacker

Bankpersonal als wahre Stärke des DFB-Teams

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Arsenal-Kollegen: Mertesacker mit Koscielny.

München - Per Mertesacker macht es vor - und die anderen Spieler orientieren sich an ihm. Der DFB-Kicker ist ein Vorbild, wenn es um die Einstellung derer geht, die auf der Bank sitzen müssen.

Beim ausgiebigen Training der Ersatzleute fehlte er, ein Infekt hatte sich in seinen Körper geschmuggelt und ihn vorerst kalt gestellt. Und so musste Per Mertesacker die Füße hochlegen, wie schon beim Spiel am Vorabend gegen Frankreich. Wobei er sich auf der Bank von Rio eigentlich keine einzige Minute in die Ruhe-Haltung begab, der Abwehrstar des FC Arsenal war ständig unterwegs, genau wie seine Kollegen rechts und links von ihm. Lukas Podolski powerte und klatschte in die Hände, trieb die Feldspieler nach vorn, Erik Durm und Christoph Kramer sprinteten mit den Wasserflaschen an die Linie, wenn es mal eine kurze Verschnaufpause gab. Der Einsatz der Männer von der Bank war bemerkenswert – und er zeigte den Teamgeist in dieser Mannschaft. Vor zwei Jahren hatte sich Bastian Schweinsteiger noch darüber beschwert, dass die Ersatzleute nicht mal richtig jubelten, wenn auf dem Feld ein Bundes-Adler einnetzte..

Das ist nun komplett anders, das 1a-Beispiel dafür ist eindeutig Per Mertesacker! Nach vier Spielen bei dieser WM war er plötzlich draußen. Und zeigte nach der Partie, wie man mit so einer Entscheidung professionell umgeht. Punkt eins: Er war ehrlich. Merte sagte: "Ich wäre gern mehr als nur ein Wasserträger gewesen. Es war für mich am Abend nicht so einfach und eine Überraschung, denn ich hatte ja alle Spiele gemacht." Punkt zwei: Er hatte Verständnis. Merte: "Ich habe schon öfters gesagt, dass alle eine Berechtigung haben zu spielen, dass alle gebraucht werden. Der Trainer hat sich so entschieden. Das ist auch völlig okay so. Ich glaube, das sind keine einfachen Entscheidungen. Ich möchte da nicht in der Haut stecken, deshalb versuche ich das zu relativieren." Und dann gibt es noch Punkt drei: Er hat es akzeptiert. Auch Merte ist nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen. "Man wird nicht nur Weltmeister auf dem Platz, sondern auch auf der Bank. Die Bank, die am besten unterstützt und denen, die spielen, das beste Gefühl gibt. Dass man es den anderen gönnt und selbst zurückstecken muss, darin liegt die wahre Stärke einer tiefen Mannschaft."

Ganz starke Worte eines Mannes, der nach dem Algerien-Spiel noch durch seinen Wut-Ausbruch aufgefallen ist. Aber auch da ging es nur um die Verteidigung des DFB-Spiels und damit seiner Kollegen. Merte präsentiert sich als echter Leader! Genauso sah es auch ARD-Experte Mehmet Scholl, der großen Respekt für Mertesacker empfand. Scholl: "So eine Entscheidung des Trainers tut weh, das ist klar. Aber trotzdem ist und bleibt Mertesacker einer, der Gehör findet. Zu ihm schauen die jungen Spieler auf, er sitzt neben ihnen auf der Bank und sie orientieren sich an ihm. Was macht er, wie ist er drauf? Dieser Teamgedanke ist wichtig, die Spieler merken jetzt, was damit möglich ist."

Der Einblick in die Welt der Ersatzspieler hat dann auch den Innenverteidiger selbst gewundert. „Ich hatte eine andere Perspektive und war wieder einmal begeistert, wie die Mannschaft auf der Bank lebt“, sagte er. „Die sehr gute Stimmung im Hintergrund hat mich positiv überrascht! Wie jeder für jeden da ist und jedem das Gefühl gibt, da und wichtig zu sein. Ob mit einer Wasserflasche oder mit einem positiven Wort.“

mic

 

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