Hetze gegen den Bundestrainer

Jogi – wirklich fremd & ungeliebt?

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Bundestrainer Joachim Löw.

Belo Horizonte - Ganz Deutschland fiebert mit seinen WM-Männern mit, es schwappt eine vereinsübergreifende Sympathiewelle durch Wohnzimmer, Fanmeilen und soziale Netzwerke. Nur einer schwimmt nicht mit: Jogi Löw.

Der Bundestrainer ist seit vielen Jahren die zentrale Figur der DFB-Elf und eines neuen, frischeren Erscheinungsbildes. Doch was vor Jahren noch cool war, wofür er geliebt oder zumindest gelobt worden ist, scheint bei vielen heute nur noch eine Zutat zu sein, die nach schwächeren Leistungen in einem Topf der Kritik mit verrührt wird. Das polemische Salz in der Suppe.

Der Spiegel titelte gestern „Der fremde Deutsche“. Man könnte meinen, ein Großteil der Zuschauer würde ein Aus gegen Brasilien mit einem lachenden Auge sehen, könnte es doch auch das Aus des Bundestrainers bedeuten. Der ungeliebte Jogi, der Unverstandene! „Wir haben uns intensiv vorbereitet auf alles. Was Jogi hier macht, ohne sich von Sachen von außen beeinflussen zu lassen, wie er ruhig bleibt, das ist super“, sagt Co-Trainer Hansi Flick und nimmt seinen Chef in Schutz. Löw selbst lässt sich nichts anmerken von der Kritik aus der Heimat. Schon gar nicht von der unsachlichen. Und auch nicht von klugen Erklärungen, wie er seine Mannschaft aufzustellen hat. Er sagt: „Von solchen Dingen habe ich mich in meinen Entscheidungen nie beeinflussen lassen. Ich verfolge eine klare Linie und werde diese nicht der öffentlichen Meinung anpassen, nur um dieser Meinung zu entsprechen.“

Passend zur Hetze in der Heimat hält sich seit Tagen ein Gerücht rund um das Campo Bahia, wonach die Kompetenzen des Bundestrainers bereits eingeschränkter seien. Angeblich habe Hansi Flick das Kommando übernommen, einige „Experten“ deuten unter anderem die verstärkte Präsenz des designierten Sportdirektors in der Coaching Zone während des Spiels als Hinweis auf dessen gewichtigeres Wort.

Eine abenteuerliche Theorie. Löw sagt über die Entscheidungsfindung in seiner Abteilung: „In erster Linie spreche und diskutiere ich natürlich mit Hansi Flick und Andy Köpke. Auch Oliver Bierhoff hilft mir manchmal. Aber wissen Sie: Am Ende bin ich es, der die Entscheidungen trifft. Manchmal muss ich dabei einfach meiner Intuition folgen.“ Ist die falsch, ist es wie in anderen Ländern, wie bei Vereinen: Dann muss der Trainer gehen. Das ist das Geschäft. Dass er dabei begleitet wird von unsachlichen Anfeindungen, ist unverschämt. Das sollten auch die einsehen, die ihn nicht lieben.

mic

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

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