Von verschütteten Bergleuten

Chile profitiert von Motivations-Video

+
Bergmann Mario Sepulveda im Jahr 2010 nach seiner Rettung.

Sao Paulo - Chile sorgt bei der WM derzeit für Furore. Mit nach Brasilien nahm die Nationalelf eine besondere Motivation: Die 33 im Jahr 2010 verschütteten Bergleute hatten ein Video für sie gedreht.

Mario Sepulveda kniet sich hin und füllt Erde in einen Becher. Die 32 Männer dahinter tun es ihm gleich. „An diesem Ort waren wir 70 Tage eingeschlossen. Die Erde hatte uns verschluckt“, sagt Sepulveda: „Damals mussten wir beweisen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Aber wir wussten, dass dort draußen Millionen von Chilenen an uns glaubten.“

Die Erde, „die Zeuge von allem“ war, ließen Sepulveda und seine 32 Kumpel nach Brasilien bringen, wo derzeit die Fußball-Nationalmannschaft ihres Landes für Furore sorgt. „Damit sie unsere Mannschaft mutig und stark macht. Damit auch sie der ganzen Welt zeigen können: Für Chilenen ist nichts unmöglich. Chi-Chi, le-le-le. Viva Chile!“

Durch diesen Ruf ist Sepulveda vor knapp vier Jahren bekannt geworden. Er hatte ihn ausgestoßen, als ihn die Rettungskapsel am 13. Oktober 2010 als zweiten von 33 Bergleuten zu Tage befördert und damit gerettet hat. Im August 2010 waren er und seine 32 Kumpel in der Atacama-Wüste in 700 Meter Tiefe verschüttet worden. Die Welt hielt damals den Atem an.

Erschüttern kann ihn seitdem nichts mehr im Leben. Erst recht nicht, dass die Gruppe der Chilenen vor der WM als „Todesgruppe“ bezeichnet wurde. „Die Todesgruppe jagt uns keine Angst ein“, sagt der 44-Jährige, der in der soeben entstehenden Verfilmung „The 33“ von Hollywood-Star Antonio Banderas verkörpert wird: „Denn den Tod haben wir vorher schon besiegt.“

Das Video, das auf Initiative eines Sponsors entstand, hat der Roja bisher durchaus Glück gebracht. Nach dem 3:1 gegen Australien und dem 2:0 gegen den entthronten Weltmeister Spanien steht der erst vierte Einzug in die K.o-Runde einer WM schon nach den ersten beiden Spielen fest.

Gegen die Niederlande am Montag in Sao Paulo (18.00 Uhr MESZ/ARD) geht es nur noch um den Gruppensieg. „Wenn Chile zusammenhält, können die unmöglichsten Dinge geschehen“, sagt Sepulveda im Video: „Weil Chile immer dann sein wahres Gesicht zeigt, wenn es um ein großes Ziel geht.“

In die Partie gegen die Niederländer kommt aber unnötige Brisanz durch eine geschmacklose Parodie des Videos. Mit lächerlichen Sätzen wie „mein Sohn hat mich bis zum Hals im Sand eingegraben“, „wir haben stundenlang auf der A1 im Stau festgesteckt“ oder „in Groningen hat die Erde gewackelt“, erzählen sechs niederländische Männer in einem TV-Sketch, was sie alles schon „überlebt“ haben.

Besonders unpassend ist letzteres, schließlich hat es in Chile im April ein Erdbeben gegeben, das mehrere Menschenleben gefordert und Teile des Landes zerstört hat. Staatspräsidentin Michelle Bachelet hatte die Nationalmannschaft begleitet von sechs Kindern aus der betroffenen Region nach dem Australien-Spiel in der Kabine besucht und auf die Wichtigkeit des Erfolges im gesamten Land hingewiesen: „Vor allem für die Menschen, die von der Naturkatastrophe in unserem Land betroffen sind.“

Die Roja hat sie alle bisher nicht enttäuscht.

sid

Auch interessant

Meistgelesen

So sehen Sie die Bundesliga-Konferenz heute live
So sehen Sie die Bundesliga-Konferenz heute live
HSV forderte VfL: So endete die Partie Hamburger SV gegen Wolfsburg
HSV forderte VfL: So endete die Partie Hamburger SV gegen Wolfsburg
Abstiegskrimi und Aufstiegskampf am letzten Spieltag
Abstiegskrimi und Aufstiegskampf am letzten Spieltag
Von Ordnern nicht erkannt: HSV-Stars unsanft vom Feld geführt
Von Ordnern nicht erkannt: HSV-Stars unsanft vom Feld geführt

Kommentare