Demut und Bescheidenheit

DFB-Kicker warnen: "Noch sind wir nicht die Helden"

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So sehen Sieger aus!

Santo Andre - Nach dem 7:1 gegen Brasilien zeichnet die deutsche Nationalmannschaft vor allem eines aus: Demut und Bescheidenheit. Noch ist nämlich das ersehnte Ziel nicht erreicht.

Füße hoch und zuschauen, wie sich die anderen quälen, am besten in gesellig entspannter Runde. Es gibt ja eigentlich nichts Schöneres, insbesondere wenn die eigene Arbeit schon hinter einem liegt. Und wenn man sich dann noch ein bisschen ablenken kann von einem Ereignis, das man sowieso nur so ganz allmählich und Stück für Stück begreifen kann, umso besser. So taten es Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und all die anderen Helden von Belo Horizonte gestern rund um ihr Haupthaus im Campo Bahia, als sich Holländer gegen Argentinier mühten (das Ergebnis stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest), um gegen deutsche Giganten spielen zu dürfen. Denn das sind sie schon jetzt! Nach dem 7:1 gegen den Gastgeber Brasilien gibt es weltweit keine bessere Beschreibung für die Jungs von Jogi Löw.

Sie selbst hatten ohnehin keine Ahnung, wie sie das einordnen sollten, was in Belo Horizonte passierte. So zumindest hörte man es heraus – hier ein paar Beispiele.

Mats Hummels: „Ich habe nicht ständig auf die Anzeigetafel geschaut, aber ich habe mir in dem ein oder anderen Moment gesagt: Bitte, lass das jetzt kein schöner Traum sein!“

Julian Draxler: „Ich glaube, die Stimmung wäre noch euphorischer gewesen, wenn wir knapp 2:1 gewonnen hätten. So war es ein bisschen Fassungslosigkeit bei uns in der Kabine.“

Benedikt Höwedes: „Jedes einzelne Tor war fantastisch herausgespielt. Für mich ist es ein absoluter Wahnsinn, der da passiert ist.“

Thomas Müller: „Man schaut sich nur grinsend ins Gesicht nach dem 3:0 und 4:0. Das ging zack-zack!“

Die deutschen Spieler waren perplex. Aber auch nur für einen Moment! Denn wie kleine Maschinen hakten sie das eine ab und blickten zum anderen nach vorne: Rio de Janeiro! Am Sonntag geht es im Maracana-Stadion darum, zu Legenden zu werden. Thomas Müller ergänzte sogleich: „Wir sind eine Runde weiter! Es bringt uns nichts, dass wir jetzt die Favoriten sind und alles super ist und wir die Helden sind. Noch sind wir nicht die Helden, noch haben wir nichts gewonnen!“

Auch Jogi Löw hatte es eilig, gar nicht erst eine Schwebe-Stimmung aufkommen zu lassen. Der Bundestrainer sagte: „Man sollte das Ergebnis nicht zu hoch hängen. Wir wissen, dass Brasilien nicht seinen besten Tag hatte. Wir müssen Demut zeigen.“ Es klang wie beim FC Bayern nach einer Double-Saison. Löw weiter: „Die Stimmung war gut, aber nicht überschwänglich. Natürlich waren alle glücklich über diesen Sieg, aber bei uns ist keiner abgehoben.“

Denn noch ist der Weg nicht zu Ende. Und so ein historischer Sieg bringt auch die Bürde mit sich, dass im nächsten Spiel alle Zuschauer Entsprechendes erwarten. Lahm sagte: „Wir wissen, wie es ist, so ein Finale kann in beide Richtungen gehen. Trotzdem, wir gehen mit Selbstvertrauen ins Finale.“ Und vorher kann man ja noch die Füße hochlegen und das Spiel um Platz drei genießen. Ganz ruhig in geselliger Runde.

Michael Knippenkötter

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