Viertelfinale

Duell der Hymnen: 4:2 für Deutschland

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Die Spieler der deutschen und der französischen Nationalmannschaft beim Singen ihrer Hymnen bei der WM 2014 in Brasilien.

München - Die großen Ereignisse finden nicht im Theater statt. Das kollektive Fest gibt's in den Fußballstadien dieser Welt. Heute um 18 Uhr gibt’s das Duell Deutschland gegen Frankreich. Wenn’s nach den Hymnen geht, gewinnen wir 4:2.

Die deutsche Hymne:

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand: Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland!

Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Melodie: Joseph Haydn

Verwendungszeitraum: 1922 – 1945, 1952 bis heute (nur noch 3. Strophe)

Konstantin Sellheim, Philharmoniker-Bratscher:

Selbstverständlich ist die deutsche Hymne schöner. Ich will den Franzosen nicht zu nahe treten, sie haben eine großartige Hymne, aber eher aggressiv. Einigkeit und Recht und Freiheit sind etwas sehr Erstrebenswertes – angemessen speziell für uns Deutsche. Die Musik aus Haydns Kaiserquartett ist groß. Wenn wir die in einem Konzert spielen, lauscht das Publikum noch eine Spur ergriffener als sonst. Sie erreicht mit wenigen Harmonien eine riesige emotionale Stimmung. Sie ist sehr kompakt, und der Hochton bei "Blüh im Glanze" – der blüht wirklich! Man muss das aus der Geschichte sehen: Deutschland als Flickenteppich mit Hunderten Einzelstaaten, nicht geeint – all dies hebt diese Musik aus einem Guss auf und ist in ihrer Geschlossenheit das schönste Symbol für eine Einheit.

Die französische Hymne:

Auf, Kinder des Vaterlands, der Tag des Ruhms ist gekommen! Gegen uns Tyrannei, das blutige Banner ist erhoben (2x). Hört ihr auf den Feldern diese wilden Soldaten brüllen? Sie kommen bis in eure Arme, um euren Söhnen, Euren Gefährtinnen Die Kehlen durchzuschneiden.
Zu den Waffen, Bürger, formt eure Truppen, marschieren wir! Marschieren wir! Dass unreines Blut unsere Furchen tränke!

Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Melodie: Joseph Haydn Verwendungszeitraum: 1922 – 1945, 1952 bis heute (nur noch 3. Strophe)

Das Duell der Hymne: 4:2 für Deutschland

Wie kommt’s zu dem hart umkämpften, aber letztlich klaren Ergebnis von 4:2? Hier unsere Spiel-Analyse:

Abteilung Attacke: Hier geht der Punkt eindeutig an unsere Freunde aus Frankreich. Die Marseillaise legt los wie die Feuerwehr, ab dem ersten Ton brennt es lichterloh. Dem Gegner kann es ebenso angst und bange werden wie den Franzosen feurig heiß ums Herz. Allerdings – davon wird später zu reden sein – verpufft das Feuer recht flott.  Stand: 0:1

Die Einzelspieler:  Klar, die französische Hymne klingt spektakulärer, die Melodie geht flotter und auch virtuoser voran als das Legato aus deutschen Landen. Allerdings darf man die technischen Anforderungen eines langsamen, punktgenauen Spiels nicht unterschätzen. Über schnelle, vermeintlich schwierigere Passagen kann man leichter wegwischen. Beide brauchen große Könner. Stand: 1:2

Der Spielaufbau : Hier geht der Punkt klar an uns. Was daran liegt, dass die Franzosen die Schmissigkeit und den sensationellen Ohrwurm der ersten Takte nicht halten können. Nach umgerechnet 15 von 90 Minuten ist die Luft raus – wohl gemerkt ohne Verlängerung. Bei uns führt die Schönheit des Spiels, das Aus-einem- Guss und der späte Höhepunkt zum klaren Punktsieg. Stand: 2:2

Die Kondition: Auch hier müssen die Franzosen ihrem sensationellen Antrittstempo Tribut zollen. In welcher Hymne kommt es sonst schon vor, dass man so ruckartig aus dem Spiel fliegt? Gut, außer bei den Italienern, da kommt man auch nach den ersten Takten gehörig ins Stolpern. Aber eine wirklich zwingende Hymne kann und muss am Ende, wie die Spieler eben auch, immer noch ein paar Scheiben drauflegen. Während zum Beispiel die Briten ebenfalls über eine majestätische, getragene Hymne verfügen, fehlt bei ihnen der entscheidende Funke nach hinten raus. Das wabert auf der Quinte vor sich hin – bei uns wird die Melodielinie da erst so richtig berührend, ohne zu weinen.

Es hilft also nichts: Wie die Weltmeister beginnen und dann flott vor sich hinwabern hat keinen Zug und verliert. Also: Stand: 3:2

Die Geschlossenheit: Die mannschaftliche Geschlossenheit ist der größte Trumpf der deutschen Nationalhymne. Hier bricht die Tricolore ein und erholt sich nicht mehr nach ihrem musikalischen Blitztor zu Beginn. Keine Hymne auf der Welt ist schöner als die unsere nach dem Streichquartett-Variationssatz von Joseph Haydn. Weil sie mit (vermeintlich) einfachen, natürlichen Mitteln den größten und tiefsten Effekt erzielt. Da kommt auch die zu pathetisch aufgeladene russische nicht mit. Endstand: 4:2

M. BIEBER

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