tz-Redakteur Michael Knippenkötter

Kommentar: Diesmal muss es einfach klappen

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Die deutsche Nationalmannschaft steht im WM-Finale.

Belo Horizonte - tz-Redakteur Michael Knippenkötter kommentiert den historischen Sieg der deutschen Nationalmannschaft im WM-Halbfinale gegen Brasilien. Auch er ist begeistert.

Reiben Sie sich immer noch die Augen? Können Sie es immer noch nicht glauben? Dass die deutsche Nationalmannschaft jetzt nur noch einen Schritt vom ganz großen Ziel entfernt ist, dass sie nach 24 Jahren endlich wieder den wichtigsten Fußball-Pokal der Welt nach Deutschland holen kann, darauf haben alle deutschen Fußballfans gehofft. Vielleicht haben sie auch von dem ein oder anderen rauschenden Auftritt geträumt – aber dass die Mannschaft am Sonntagabend der ganz große Favorit ist, egal welcher Gegner nun kommt? Nein, das kam wohl nicht einmal in diesen Fanträumen vor.

Weil Philipp Lahm & Co. in diesem Turnier nicht immer überzeugt hatten, weil sie spielerisch nicht das gezeigt hatten, was sie zeigen können. Weil sie nicht der Linie treu geblieben waren, die uns lange begeistert hatte. Aber: Joachim Löw und sein Team haben sich auch nicht davon beeindrucken lassen davon, dass man ihnen diese Umkehr vorgeworfen hat. Sie haben weitergemacht, und sie haben gewonnen. Sie haben sich durch ein Achterbahnturnier gesiegt und im Halbfinale einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Zunächst gab es den großartigen Erfolg gegen Portugal, dann das Tief gegen Ghana, den Krampf gegen die USA, das verkorkste Spiel gegen Algerien, die kämpferische Rückkehr gegen Frankreich. Und gestern dann haben Löw und seine Jungs den Gastgeber besiegt, in seinem eigenen Wohnzimmer demontiert. Wer das schafft, der ist zwangsläufig Favorit im Finale. Und wer zuvor – zum Teil selbstverschuldete – Nackenschläge so wegsteckt, der ist auch gerüstet.

Und für diese Stärke gibt es Gründe. Schon nach dem Viertelfinaleinzug war nahezu jeder Analyse aus DFB-Kreisen zu entnehmen, dass man reifer geworden sei. Dass man clever vorgehe, wenn nötig mit viel Bedacht. Das mag den Fans nicht immer Spaß machen, aber das ist effektiv. Die deutsche Mannschaft hat gelernt, zielstrebig zu sein, mitunter sogar kaltschnäuzig, sonst wäre ein Erfolg wie gestern unmöglich gewesen. Welchen Anteil der Trainer daran hat? Viele werden sagen, man habe trotz und nicht wegen der Leistung von Löw dieses Endspiel erreicht. Diese Leute sehen die Mannschaft als sehr stark und ihren Fußballlehrer als Fehlbesetzung an. Diese Leute werden erst Ruhe geben und zufrieden sein, wenn Löw am Sonntag auch den Titel holt. Sie werden sagen: Wenn nicht jetzt, dann nie. Und sie haben recht: Am Sonntag muss es einfach klappen mit dem Titel – denn dieser Auftritt von gestern, er ist auch eine Verpflichtung…

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