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Mauro Silva: Halbfinale wird ein hartes Stück Arbeit!

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Hoch das Ding: Mauro Silva mit dem WM-Pott.

München - Mauro Silva wurde 1994 mit Brasilien Weltmeister. Für die tz schreibt er, vor welcher Herausforderung das Team von Trainer Scolari ohne Neymar steht und auf was es für die Seleçao jetzt ankommt.

Was für ein Hammer! Just in dem Moment, in dem Brasilien die größte Sicherheit ausstrahlte, haben wir diesen Faustschlag einstecken müssen: Neymar ist weg! Das Problem dabei ist: In unserem gesamten Kader findet sich kein Spieler, der auch nur ansatzweise seine Freude und Leichtigkeit hätte. Daher werden die Stunden und Minuten vor dem Halbfinale von entscheidender Bedeutung für Trainer Luiz Felipe Scolari sein. Und da er seinen Zehner ohnehin nicht ersetzen kann, wird er den Fokus auf die mannschaftliche Geschlossenheit legen, um den Ausfall des Superstars vielleicht so ansatzweise zu kompensieren. Und dennoch: Das Halbfinale wird ein hartes Stück Arbeit!

Deutschland hat Müller, Özil und Götze – eigentlich ist das ja ein vorgezogenes Finale, das durch Neymars Verletzung zu einer noch größeren Feuerprobe für unsere Elf wird. In meinen Augen wird eine Sache entscheidend sein: Wie Scolari seinen Spielern den Druck nimmt. Anstatt ihnen irgendetwas von Verantwortung im eigenen Land zu erzählen, müsste er ihnen vorschwärmen, wie großartig es wäre, erst einen Gegner wie Deutschland im Halbfinale aus dem Weg zu räumen, um sich dann mit einem Sieg im eigenen Land für immer zu krönen. So ein Halbfinale auf heimischem Terrain gegen ein Kaliber wie das DFB-Team ist ja schließlich auch keine Selbstverständlichkeit für einen Fußballer.

Das Wichtigste aber wird sein, dass die Seleçao ihr Selbstbewusstsein nicht verliert, das sie sich gegen Kolumbien hart erarbeitet hat. Man hat auf dem Platz richtig erkennen können, dass sämtliche Kicker eine psychologische Entwicklung durchgemacht haben. Anstatt wie wild auf das gegnerische Tor zu laufen, wie es Scolaris Truppe in diesem Turnier eigentlich stets gemacht hat, hat die Mannschaft diesmal darauf geachtet, den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen zu lassen. Da kam es ihr nur zu gelegen, dass Fer­nandinho an der Seite von Paulinho und Oscar einen großartigen Tag hatte. Und dann, im richtigen Moment, hat sie auch ihre Schwäche über die rechte Seite behoben. Maicon hat nach hinten stets Sicherheit ausgestrahlt und seine Vorstöße nach vorne waren auch brandgefährlich. Und genau darauf müssen wir jetzt aufbauen. Mit diesem Selbstbewusstsein können wir auch ein Team wie die Deutschen schlagen, mit diesem Spiel können wir den Unterschied ausmachen. Auch dann, wenn mit Neymar die Seele unseres Spiels fehlt. Und wer weiß, so ein Ausfall kann ein Team ab und an auch richtig beleben.

Es ist kein Geheimnis, dass die Seleçao stark von Neymar abhängig war. So gut wie jede Aktion in der Offensive lief über seine Schuhe ab, so gut wie jeder Pass hatte ihn als Ziel. Jetzt sind die restlichen Kicker auf sich allein gestellt – und das könnte ungeahnte Kräfte freisetzen.

Es geht gegen Deutschland. In einem WM-Halbfinale. Im eigenen Land. Diese Chance bietet sich einem Spieler höchstens einmal in der Karriere. Ob wir sie am Ende auch nutzen, wird sich morgen zeigen. Mit oder ohne Neymar: Ich bin überzeugt, dass wir das packen können!

Von Mauro Silva

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