Fußballwelt verneigt sich vor ihm

Schweinsteiger stimmt Rede vor Journalisten an

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Geburtsstunde eines Fußballgiganten: Schweinsteiger war der überragende Spieler des WM-Finals.

Rio de Janeiro - Bastian Schweinsteiger war der Dirigent des WM-Finals, er rieb sich auf, ging in die ganz fiesen Zweikämpfe. Die Fußballwelt verneigt sich vor dem Leader.

Kevin Großkreutz stand schon an der Linie und tippelte von dem einen Fuß auf den anderen, bereit wie nie, endlich seine ersten WM-Minuten zu bestreiten. Der Bundestrainer hatte ihn zum Ablegen der Trainingsjacke aufgefordert, weil sein Mittelfeldleader mit einer Risswunde unter dem Auge neben dem Spielfeld lag. Obendrein hatte Bastian Schweinsteiger eine unfassbare Kampf- und Laufleistung hinter sich. Es schien unmöglich, dass er die hochdramatische Schlussphase noch mitgehen kann. Und dann plötzlich stand er wieder wie eine Eins vor Jogi Löw und winkte dem Schiedsrichter, er möge ihn wieder aufs Feld lassen. Spätestens in diesem Moment wurde aus einem Chefchen ein Chef, ein Vorausgänger, einer der ganz großen Leader der deutschen Fußballgeschichte.

„Ich bin auch leer“, sagte der Bayernstar anschließend. „Ich versuche einfach, den Moment zu genießen. So oft bekommt man den Pokal nicht in die Hand. Das war ein Kampf, aber es musste sein. Die Beine sind natürlich völlig fertig. Aber alles hat sich rentiert, und der Kopf ist okay.“

Schweinsteiger war der Dirigent des Finals, er rieb sich auf, ging in die ganz fiesen Zweikämpfe mit Mascherano, Biglia und den anderen grätschenden Gauchos. Bundestrainer Jogi Löw sagte voller Hochachtung: „Die Mannschaft wurde angeführt von einem überragenden Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Ich habe ihnen vorher gesagt, ihr müsst so viel geben wie noch nie. Wie noch nie.“ Sie taten es, und Schweini war am Ende gezeichnet. Wie das so ist mit echten Leadern, die auch mal arbeiten, wenn es nötig ist.

Neben dem Platz zeigte er dann auch noch Größe. Er dachte an Uli Hoeneß und dankte ihm für sein Lebenswerk beim FC Bayern, er hob Philipp Lahm und einige andere Spieler hervor, die seit Jahren auf hohem Niveau alles geben für Deutschland, er erwähnte die Auswechselbank als großen Baustein des Erfolgs. Sogar den Kevin, der wegen ihm nicht reindurfte. „Wir wissen alle, wie er ist. Aber ich hätte nie gedacht, dass er so ein cooler Typ ist“, sagte Schweini – und es klang, als begrabe da jemand tiefe Differenzen zwischen dem FC Bayern und dem leidigen Verfolger Borussia Dortmund.

Und dann machte Schweinsteiger noch etwas ganz Besonderes: Er versammelte ein paar ausländische Journalisten um sich herum. „Ich habe etwas zu sagen“, begann der 29-Jährige. „Ich glaube, Brasilien ist eine große Fußballnation, und diese Mannschaft hat es bis ins Halbfinale geschafft. Das ist eine große Sache, ein großer Erfolg. Ich habe die Brasilianer kennengelernt, es sind so liebenswürdige Menschen. Und in dieser Nacht in Rio haben wir auch für die Brasilianer gespielt!“

So macht man sich Freunde in der Ferne. Und mit der Spielweise macht man sich Fans in der Heimat.

Michael Knippenkötter

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