Gründe für das WM-Aus

Breitner: Spaniens Zeit ist lange nicht vorbei!

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Ratlos: ­Trainer ­Vicente del Bosque, (links). Rechts: Spanien-Experte Paul Breitner.

München - Für Paul Breitner waren die Spanier der Top-Favorit auf den WM-Titel. Doch das Ausscheiden war für ihn nach den beiden Spielen gegen die Niederlande und Chile die logische Konsequenz. Warum, verrät er im tz-Interview.

Am Tag nach dem Ende der spanischen Fußball-Weltherrschaft mussten die gedemütigten Fußballhelden viel Spott ertragen. „Taca-taca statt Tiki-Taka!“, schrieb ein enttäuschter Fan im Internet. Tiki-­Taka, das ist (beziehungsweise war) der berühmte Kombinationsfußball der „Selección“, taca-taca werden in Spanien Rollatoren genannt. Auch die Presse rechnete mit dem entthronten Titelverteidiger schonungslos ab, und Trainer Vicente del Bosque deutete Konsequenzen an. Die 0:2-Pleite gegen Chile besiegelte das sensationelle Vorrunden-Aus des Titelverteidigers. Die Könige treten ab!

Für Paul Breitner waren die Spanier der Top-Favorit auf den Titel (tz berichtete). Doch das Ausscheiden war für ihn nach den beiden Spielen gegen die Niederlande und Chile die logische Konsequenz. Warum, verrät er im tz-Interview.

Herr Breitner, gibt es eine Erklärung für das sensationelle Aus?

Breitner: Ja, die gibt es. Überraschend ist nur, dass ihr Scheitern so früh und so deutlich gekommen ist. Ich habe ja gesagt, solange die Spanier in Normalform sind und ihr Spiel aufziehen können, sind sie der Top-Favorit. Doch nach ungefähr sieben Jahren hat die Fußball-Welt ein wirksames Rezept gegen Tiki-Taka gefunden. So lange hat es gedauert. Die Niederländer und auch die Chilenen haben dieses Rezept in Perfektion angewandt.

Wie haben sie das geschafft?

Breitner: Ganz einfach. Sie haben das Tiki-Taka gar nicht erst entstehen lassen. Denn das Tiki-Taka hat sich selbst überholt. Und zwar in dem Moment, als der FC Barcelona angefangen hat, ohne echten Mittelstürmer zu spielen. Von da an lebte es nur noch von Lionel Messi. Er hat das Spiel alleine getragen und vollendet.

Es war aber sehr lange erfolgreich…

Breitner: Wenn es in Perfektion gespielt wird, wie lange Jahre von Barcelona, dann ist es unschlagbar. Aber dafür brauche ich jemanden, der die Angriffe vollenden kann. Habe ich den nicht, weiß ich nicht wohin mit dem Ball. Wenn du die richtigen Spieler dafür hast, ist das Tiki-Taka nach wie vor das Nonplusultra.

Dafür geht kein Weg an einem echten Stürmer vorbei?

Breitner: Auch der Spielstil des FC Bayern ist ballorientiert, aber mit der deutschen Komponente. Wir haben vorne immer mindestens einen Angreifer, der die Aktionen im Strafraum abschließen soll.

Deshalb haben die Spanier doch extra Diego Costa eingebürgert!

Breitner: Richtig. Die Spanier haben gesehen, dass sie einen brauchen, der vorne die Tore macht. Und dann ist irgendwer auf die Idee gekommen, einen Rammbock wie Diego Costa vorne aufzustellen. Die Idee ist genauso falsch wie die, ohne einen echten Stürmer zu spielen. Diego Costa kann das ganze System technisch überhaupt nicht umsetzen. Er wird immer wieder in die Kombinationen eingebunden, aber dafür ist er völlig ungeeignet.

Ist die Selección vielleicht auch zu alt? Muss ein Umbruch her?

Breitner: Da hat vor einem halben oder dreiviertel Jahr keiner davon gesprochen. Jetzt soll auf einmal das Alter das Problem sein? Nein. Man muss aus den Fehlern des Tiki-Taka lernen. Aber die Spanier haben noch einen Fehler draufgesetzt. Das ist der Grund für ihr frühes Ausscheiden.

Ist die Zeit der Spanier vorbei?

Breitner: Nein, noch lange nicht. Dazu haben sie eine überragende Jugend. Es muss sich die Erkenntnis durchsetzen: Unser Code ist geknackt. Jetzt müssen wir uns was Neues einfallen lassen.

Interview: Sven Westerschulze

 

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