Nach Spanien-Aus

Spanien-Star Villa weint auf der Ersatzbank

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David Villa weint auf der Ersatzbank.

Curitiba - Für Spanien ist die WM vorbei, es beginnt das große Reinemachen. Wer beim Neuaufbau die Regie übernimmt, ist völlig offen. David Villa weinte auf der Bank.

Nach dem zumindest halbwegs versöhnlichen Ende einer ansonsten ziemlich in den Sand gesetzten Fußball-WM war unter dem mächtigen Schnurrbart von Vicente del Bosque sogar ein leises Lächeln zu erahnen. „Ich denke, wir haben uns in Würde verabschiedet“, sagte Spaniens Nationaltrainer nach dem 3:0 (1:0) im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Australien und sah sogar von einer „positiven Zukunft“ des gescheiterten Titelverteidigers: „Mir ist nicht bange. Wir haben viele junge, gute Spieler.“

Ob diese Zukunft mit dem 63-Jährigen bestritten wird, ließ del Bosque derweil weiter offen. „Ich werde mich zeitnah mit dem Verbands-Präsidenten und dem Generalsekretär zusammensetzen, und dann werden wir ganz rational entscheiden, was die beste Entscheidung für den spanischen Fußball ist“, sagte er. Doch alles deutete auf Abschied hin.

Bei seiner Auswechslung fiel David Villa, Rekord-Torschütze Spaniens, seinem Trainer mit Tränen in den Augen um den Hals und weinte auf der Ersatzbank hemmungslos. In der Mixed Zone schüttelte der große Gentleman del Bosque jedem seiner Spieler die Hand. Und sprach: „Wir stehen am Ende einer sechsjährigen, sehr erfolgreichen Ära. Es wird jetzt weitergehen - wer auch immer der Trainer sein wird.“

Del Bosques Vertrag läuft noch bis 2016. Dass ihn der Verband nach dem Vorrunden-K.o. feuert, ist angesichts seiner Verdienste unwahrscheinlich. Del Bosque wird wohl zurücktreten, Platz für einen neuen Hoffnungsträger machen. Das alles zeitnah, um die ohnehin nicht leichte Nachfolger-Suche nicht zu behindern.

Trotz des Abschluss-Erfolgs übte Spaniens Sportpresse harsche Kritik am Abschneiden. „Der brasilianische Albtraum ist vorbei, der Sieg kann den Misserfolg nicht überschminken“, schrieb Sport. „Dieser Sieg der Würde kann nicht über das totale Fiasko hinwegtäuschen. Spanien war keine Einheit, das ist die große Sünde bei dieser WM“, hieß bei El Mundo Deportivo. Die Marca sah „keinen Grund zum Lächeln“.

Wie sehr der spanische Fußball eine Frischzellenkur benötigt, wurde gegen arg limitierte Australier offensichtlich. Die Socceroos rannten in den ersten zehn Minuten wild an, Spanien, im Vergleich zum 0:2 gegen Chile mit sieben Neuen in der Startelf, hatte große Probleme. „Da sahen wir wirklich nicht gut aus“, sagte del Bosque.

Zu selten blitzte das Genie der goldenen Generation auf, aus der nur noch Villa, Fernando Torres, Xabi Alonso, Sergio Ramos und Andres Iniesta von Beginn an mitwirkten: Iniesta bereitete die Treffer von Villa (36.) und Torres (69.) mit Traumpässen vor, dem 3: 0 durch Juan Mata (82.) ging eine Sahnevorlage von Cesc Fabregas voraus.

Auffällig war aber, wie viele Auszeiten sich die Stars nahmen. Einzig Villa sorgte für Tempo, vor allem Iniesta, Fabregas und Torres bewegten sich im Trab über das Feld - Spaniens Fußball anno 2014 wirkt gnadenlos antiquiert. Apropos antik: Der leicht angeschlagene Altstar Xavi verfolgte das Geschehen mit Leichenbittermiene von der Ersatzbank - beim 1:5 zum Auftakt gegen die Niederlande hatte er sich eindrucksvoll aus der Startelf gespielt. Seine Zeit im Nationalteam dürfte abgelaufen sein.

Der nimmermüde Villa, der über Melbourne City zu New York City FC wechseln wird, ließ indes seinen Abschied offen. „Am liebsten würde ich noch mit 55 Jahren für Spanien spielen, aber das ist leider nicht möglich. Das Team war und ist meine große Leidenschaft“, sagte Villa: „Der Trainer muss entscheiden, ob er mich weiter braucht.“ Wie auch immer er heißen mag.

sid

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