Diagnose da: So lange fehlt Müller fehlt den Bayern

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"Ich Katrin, du Jane!"

TV-Kritik: KMH im ZDF - wie Aiderbichl mit Indianern

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"Die fressen aus der Hand" - KMH im Dschungel.

Santo André - tz-Kolumnist Jörg Heinrich seziert in seiner TV-Kritik die WM-Berichterstattung des ZDF. Heute hat er es auf Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein abgesehen, die seiner Meinung nach Tiersendungen moderiert.

Viele Menschen sagen uns in diesen Tagen: „Fußball interessiert mich nicht. Aber die Tiersendung mit der netten Frau im Discovery Channel seh ich recht gern.“ Wir müssen dann immer erklären, dass es dem Grunde nach gar keine Tiersendung ist, sondern WM, und dass der Discovery Channel in Wahrheit das ZDF ist. Glaubt uns aber niemand.

Denn man muss zugeben: Die neue Reihe „Äffchen, Jogibär & Co.“ ist mit das Schönste und Lehrreichste, was Naturfreunde seit dem großen Horst Stern im sonst so verrohten TV sehen können. Jeden zweiten Tag im Zweiten zeigt uns Moderatorin Katrin Müller-Grzimek, dass Brasilien auch nichts anderes ist als Gut Aiderbichl mit Indianern, als Hellabrunn ohne Eisbären. Freundlich lugt sie unter ihrer Stammpalme hervor, gibt den Sonnenstand durch oder liest aus Regentropfen. Mal erklärt uns die Kachelfrau: „Der Regen, der hört dann manchmal auch relativ schnell wieder auf, dann kommt die Sonne raus“, und mal ist es andersrum. Die Macht und die Herrlichkeit der Natur – hier kann man sie noch unmittelbar erleben.

Letztens fütterte die Urwald-Dame Klammeräffchen, die man bei uns nur von E-Mail-Adressen kennt, mit Bananen. Und freute sich, glucks: „Es dauert nicht lange, hihi, dann fressen sie einem aus der Hand. Ist es nicht erstaunlich, was man mit so einer Banane auch Sinnvolles anstellen kann, Oliver?“ Wir dachten sofort an schlimme Sachen, Öko-Dildo und so. Doch es war nur eine harmlose, heitere Anspielung für Naturfreunde, die in diesen Tagen, die im Fernsehen doch sehr von Tierfilmen dominiert werden, den Fußball vermissen.

Fröhlich sitzt Frau Müller-Grzimek im regen Wald und berichtet uns, was es Neues gibt fernab jeder Zivilisation, beim bisher kaum erforschten Stamm der Urwald-Jogis. Nämlich nichts, hihiglucks. Nach dem Motto: „Hier is ja nix“ – außer mich. Dafür bietet der Dschungel viele kleine Wunder: „Hin und wieder kommt auch ne Katze vorbei.“

Hach, wie schön wäre es, würde sich das Kätzlein mit Katrins Klammeräffchen zum Klammerkätzchen paaren. Wir werden es erfahren, demnächst aus Campo Aiderbichlinho. Wer die niedliche neue ZDF-Tiersendung sieht, denkt unweigerlich an unvergessene Höhepunkte des naturnahen Fernsehens, an Daktari und den schielenden Löwen Clarence, an die Follyfoot Farm, an Loriots Steinlaus. Und natürlich ans Dschungelbuch, an Jogli und die Schlange KMH.

Doch auch Liebhaber der modernen TV-Unterhaltung, der Dschungelshow, fühlen sich im ZDF-Urwald zu Hause. Endlich Dschungel mit lustigen Leutchens, aber ohne Tierhoden (bisher zumindest), das haben sich viele Zuseher schon lange gewünscht. Beim Gucken von Katrins Dschungelshow hat man immer das Gefühl: Ja, hier ist jemand angekommen – vielleicht nicht beim Fußballfan, aber bei sich selbst. Ich bin KMH – holt mich bloß nicht hier raus!

Stets strahlt sie uns an, als möchte sie sagen: „Muss ich schon heim?“ Wir kleinen Sadisten sagen dann immer vor dem Fernseher: „Du bist es – vielleicht.“ Täglich verwächst die Moderatorin mehr mit ihrem Dschungel, sie assimiliert sich. Bald schon wird sie auf Lianen durch die Wipfel schwingen: „Ich Katrin, du Jane!“ Insgesamt also wunderbar entschleunigtes Fernsehen, beinahe so meditativ wie „Brasiliens schцnste Bahnstrecken“. Sollten Sie unbedingt anschauen. Außer, wenn Sie sich für Fußball interessieren.

Die WM 2014 bei Twitter: Alle Infos

Jörg Heinrich

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