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Wut-Analyse nach WM-Schmach: Schweinsteiger zerlegt deutsche Mannschaft – „Das ist nicht abgezockt“

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Von: Patrick Mayer

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Kritischer Experte: Bastian Schweinsteiger bei der WM 2022 in Katar, hier mit ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek.
Kritischer Experte: Bastian Schweinsteiger bei der WM 2022 in Katar, hier mit ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek. © Screenshot ARD

Deutschland blamiert sich bei der WM 2022 gegen Japan. Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger kennt in seiner Analyse für die ARD anschließend keine Gnade. Auch gegenüber Hansi Flick nicht.

München/Katar - Deutschland, eine Turniermannschaft? Davon ist anno 2022 nichts mehr zu sehen! Bei der WM 2022 hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Auftakt 1:2 (1:0) gegen Japan blamiert. Und das, obwohl es in der ersten Halbzeit vom DFB-Team ein Spiel auf ein Tor war.

WM 2022: Deutschland blamiert sich gegen Japan

Doch: Die Führung durch einen Foulelfmeter von Ilkay Gündogan (33. Minute) reichte letztlich nicht, weil Jamal Musiala, Serge Gnabry, Thomas Müller und Kai Havertz in der Offensive selbst allerbeste Chancen ungenutzt ließen. Die beiden Bundesliga-Profis Ritsu Doan (76./SC Freiburg) und Takuma Asano (83./VfL Bochum) drehten die Partie schließlich in ar-Rayyan für den krassen Außenseiter. Die Ernüchterung beim DFB, selbst erklärter WM-Mitfavorit, war nach dem Spiel entsprechend riesig.

Und so hat die einstige Turniermannschaft Deutschland von den letzten neun Spielen bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften insgesamt nur zwei gewonnen. Mehr noch: Letztmals schenkte eine deutsche Auswahl bei einer Fußball-WM eine Führung zur Pause 1978 her - bei der legendären „Schmach von Córdoba“ gegen Österreich (2:3). Beide Teams schieden damals aus dem Turnier in Argentinien aus. Ein schlechtes Omen für die WM in Katar (20. November bis 18. Dezember). Am Sonntag (20 Uhr, bei tz.de im Live-Ticker) muss die deutsche Mannschaft gegen Spanien ran, das am Mittwochabend Costa Rica keine Chance ließ - zur Pause führte „La Furia Roja“ bereits 3:0.

Im Video: Bitterer WM-Start - Deutschland verliert gegen Japan 1:2

Einer, der weiß, wie man bei einer WM die Trendumkehr schafft, ist Bastian Schweinsteiger. Der Weltmeister von 2014 zerlegte das Spiel des DFB-Teams als Experte der ARD schonungslos - und deckte dabei die Defensive als große Schwachstelle auf.

„Wir haben wieder große Fehler in der Defensive gemacht. Und so lange wir das haben, werden wir die Spiele verlieren. So einfach ist das. Wir müssen die Fehler abstellen, sonst haben wir gegen Spanien keine Chance. Wenn wir die PS nicht auf den Platz bringen, scheiden wir aus“, sagte der langjährige Spieler des FC Bayern im Gespräch mit Moderatorin Esther Sedlaczek. Schweinsteiger weiter: „Das ist wirklich enttäuschend, dass wir so ein Spiel verlieren. Es zeigt aber auch, wo wir gerade stehen. Diese Fehler hatten wir auch in anderen Spielen schon.“

Deutschlands WM-Schmach gegen Japan: ARD-Experte Bastian Schweinsteiger zerlegt DFB-Team

Was der 38-jährige Oberbayer konkret kritisierte: „Wir haben nicht die Qualität, den Ball von hinten raus zu bekommen. Wir haben es nicht geschafft, in der zweiten Halbzeit von hinten raus zu spielen.“ Niklas Süle, Antonio Rüdiger, Nico Schlotterbeck - die Verteidiger hätten keine Anspielstation gehabt, „weil keiner im Offensivbereich diesen (den Ball, d. Red.) wollte“, erklärte der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft in der ARD: „Gerade im Defensivverbund waren heute wieder einfache Fehler da. Schlotterbeck in der zweiten Halbzeit mit seinen Stellungsfehlern. Das ist nicht abgezockt, das ist nicht clever genug. Da müssen wir unbedingt zulegen, sonst haben wir gegen Spanien keine Chance.“

Bedient: Die deutsche Nationalmannschaft verliert bei der WM 2022 überraschend gegen Japan.
Bedient: Die deutsche Nationalmannschaft verliert bei der WM 2022 überraschend gegen Japan. © IMAGO/ULMER

Schweinsteigers Einschätzung deckte sich mit der von Gündogan. „Uns fehlen die Möglichkeiten, von hinten raus zu spielen. Da fehlt uns die Überzeugung“, sagte der 32-jährige Spieler von Manchester City: „Die kurzen (Bälle, d. Red.), die wir gespielt haben, haben wir relativ einfach verloren. Da hatte man das Gefühl, dass nicht jeder den Ball haben wollte. So haben wir den Ball viel zu einfach und viel zu oft verloren.“

Bastian Schweinsteiger: ARD-Experte analysiert deutsches Spiel der WM 2022 schonungslos

Damit nicht genug: In Schweinsteigers Analyse kam auch Bundestrainer Hansi Flick nicht gut weg. „Durch die taktische Umstellung von Japan auf ein 5-3-2-System hatten wir keinen Zugriff mehr. Dadurch sind die Japaner zurück ins Spiel gekommen“, sagte er und kritisierte mit viel Nachdruck in der Stimme: „Die Japaner haben umgestellt, dann musst du erkennen: Wie spiele ich gegen den Ball? Wir haben keine Lösung gefunden.“ Auch die Wechsel Flicks konnte er nicht so richtig nachvollziehen. Der 57-jährige Badener nahm nach 67 Minuten die routinierten Müller (für Jonas Hofmann) und Gündogan (für Leon Goretzka) vom Platz, die dem Spiel Struktur gegeben hatten.

In den schwierigen Situationen zeichnet sich eine große Mannschaft aus. Das habe ich heute vermisst. 

Bastian Schweinsteiger in der ARD

„Wenn er nicht müde war, ich weiß es nicht: Thomas hat zumindest versucht, sich anzubieten und den Ball zu halten mit seiner Erfahrung“, meinte Schweinsteiger. Der frühere Mittelfeldstratege nimmt das aktuelle Team jetzt in die Pflicht: „In den schwierigen Situationen zeichnet sich eine große Mannschaft aus. Das habe ich heute vermisst. Auf dem Platz fehlen Spieler, die das in die Hand nehmen. Da fehlt mir einfach Körpersprache. Spieler, die sich reinwerfen, den Ball haben und diesen verteidigen wollen. Auch mal ein bisschen böse zu sein.“ (pm)

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