1. tz
  2. Sport
  3. Fußball

FIFA-Präsident Infantino liefert neue Skandal-Aussagen: „Würde und Stolz“ bei Arbeitern in Katar

Erstellt:

Von: Antonio José Riether

Kommentare

Im Vorfeld der WM in Katar ließ sich FIFA-Präsident Gianni Infantino zu mehreren umstrittenen Aussagen zu den Arbeitsmigranten auf den Baustellen hinreißen.

Beverly Hills - Im November und Dezember 2022 geht die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar über die Bühne. Besonders in Europa häuften sich in den vergangenen Jahren die Stimmen gegen das Turnier, bei einer Konferenz in den USA wies FIFA-Präsident Gianni Infantino die Kritik zurück und leistete sich nicht nur eine verwunderliche Aussage.

Besonders mit Äußerungen zur Situation der Arbeitsmigranten, die laut übereinstimmenden Berichten zu Tausenden auf den WM-Baustellen verstarben, eckte der Schweizer an.

WM 2022: Gianni Infantino vergleicht sich mit Arbeitsmigranten in Katar

Auf der Milken Institute Global Conference im kalifornischen Beverly Hills diskutieren meist Investoren, Geschäftsführer, Broker und Prominente über die aktuellen Trends auf dem Markt. Dabei wurde auch Gianni Infantino, immerhin Oberhaupt der Gelddruckmaschine FIFA, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 766 Millionen US-Dollar verzeichnen konnte, vor dem Publikum interviewt.

Beim Thema Arbeitsmigranten sorgte er mit einem abwegigen Vergleich für Kopfschütteln. Der Kritik an den Bedingungen der Arbeiter entgegnete er eine persönliche Geschichte und versuchte dabei, aus seiner Sicht positive Aspekte aufzuzeigen. „Wir dürfen eine Sache nicht vergessen, wenn wir über dieses Thema sprechen. Meine Eltern sind aus Italien in die Schweiz ausgewandert. Wenn man jemandem Arbeit gibt, auch unter harten Bedingungen, verleiht man ihm Würde und Stolz“, so der 52-Jährige, der mittlerweile auch seinen Wohnsitz nach Katar verlegt hat.

Oft kritisiertes FIFA-Oberhaupt: Gianni Infantino.
Oft kritisiertes FIFA-Oberhaupt: Gianni Infantino. © Yolanda Ruiz/imago-images

WM 2022: FIFA-Boss Infantino widerspricht Todeszahlen deutlich - „Es sind nicht 6000“

Seit Beginn der Errichtung der WM-Stadien wurden Zehntausende Migranten ins bevölkerungsarme Land geholt. Die meist aus Bangladesch, Indien, Nepal, Pakistan oder anderen asiatischen und ostafrikanischen Ländern stammenden Arbeiter werden dabei meist menschenunwürdig untergebracht und nur unzureichend bezahlt.

Weiter behauptete Infantino, dass es auf den Baustellen lediglich zu drei Todesfällen gekommen sei, Berichte sprechen von 6000 bis 15.000 verstorbenen Migranten. „Es sind nicht 6000“, sagte der FIFA-Boss, 6000 könnten es in anderen Bereichen sein. Zudem verwies er auf die Fortschritte im Land, etwa die Abschaffung des Kafala-Systems oder die Einführung eines Mindestlohns in dem Emirat. Menschenrechtsorganisationen zufolge werden diese noch immer nur unzureichend umgesetzt.

WM 2022: Gianni Infantino weicht unangenehmer Frage zu Arbeitsmigranten aus

Infantino versuchte sein Produkt Katar-WM auch im Land des Co-Gastgebers von 2026 zu verkaufen, wich dabei jedoch unangenehmen Fragen aus, etwa der nach möglichen Entschädigungen für die Familien verstorbener Arbeiter. Beim FIFA-Kongress Anfang April hatte sich die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness, die auch durch eine bemerkenswerten Rede auffiel, noch für einen entsprechenden Hilfsfonds für Angehörige eingesetzt.

Die deutsche Mannschaft qualifizierte sich als Gruppenerster für die 22. WM-Endrunde und wird trotz eines Treffens mit Menschenrechtsorganisationen Ende März in Katar spielen. Die erste Partie der Mannschaft von Hansi Flick beim umstrittenen Großevents steigt am 23. November in der Vorrunde gegen Japan. (dpa/ajr)

Auch interessant

Kommentare