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Flick kritisiert WM-Vergabe an Katar deutlich wie nie

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Von: Antonio José Riether

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Zwei Monate vor dem Start der WM in Katar äußerte Hansi Flick seinen Unmut bezüglich der Turniervergabe und wird dabei deutlicher als jeder hochrangige DFB-Vertreter.

Frankfurt - Nach sieben Spieltagen legt die Bundesliga eine einwöchige Unterbrechung ein, die Länderspielpause steht an. Nur drei Partien stehen für die deutsche Nationalelf auf dem Programm, ehe das erste Gruppenspiel bei der WM in Katar ansteht. Nur zwei Monate vor dem umstrittenen Turnier äußerte sich Bundestrainer Hansi Flick zu der Kritik an der Weltmeisterschaft und verurteilte deren Vergabe in noch nie dagewesener Schärfe.

WM 2022: Bundestrainer Flick hätte Frage nach Turnier-Vergabe „mit einem Nein“ geantwortet

Flick, der nun Woche für Woche mehr in den Fokus rücken wird, gab der Süddeutschen Zeitung ein Interview, in dem auch die negativen Aspekte des WM-Turniers gesprochen wurde. Die Frage nach der Vertretbarkeit des Zuschlags für Katar „hätte schon viel früher beantwortet werden müssen - und zwar mit einem Nein!“, so der Bundestrainer. „Dass in Katar beim Thema Menschenrechte, beim Thema Nachhaltigkeit vieles nicht stimmt, ist ja offensichtlich“, fügte der 57-Jährige hinzu.

Was wie gängige Kritik am Emirat klingt, ist eine kleine Premiere, denn seit der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 im Jahr 2010 äußerte sich wohl kein hochrangiges Mitglied des DFB derart klar zur Thematik. Sowohl Geschäftsführer Oliver Bierhoff, der seine Vorbehalte hinter rhetorischen Fragen („Wie konnte die FIFA die WM in dieses Land vergeben?“) als auch der neue Präsident Bernd Neuendorf, der die Vergabe als „fragwürdig“ bezeichnete, vermieden eine eindeutige Positionierung in Richtung Katar.

Hansi Flick kritisierte zwei Monate vor Turnierbeginn die WM-Vergabe.
Hansi Flick kritisierte zwei Monate vor Turnierbeginn die WM-Vergabe. © IMAGO/Ulrich Hufnagel

Schon im August hatte Flick erstmals seinen Unmut hinsichtlich des FIFA-Großevents geäußert, seiner Meinung nach werde „dieses Turnier keine WM für die Fans“. Er selbst habe Bekannte, „die gerne nach Katar fliegen würden, es aber aus vielerlei Gründen unterlassen“, und führte die Menschenrechtsverletzungen, die Ausgrenzung von Minderheiten und die inakzeptable Situation für Homosexuelle im Land an.

WM 2022: Flick äußert sich kritisch zum Turnier - „Bin gut damit gefahren, mich so zu geben, wie ich bin“

Die Aussagen Flicks sind authentisch, ohne selbstdarstellerisch zu wirken. Dem Heidelberger scheint trotz seines persönlichen Drucks – es ist sein erstes großes Turnier als Bundestrainer – ein Zeichen setzen zu wollen und erklärt seine offene Art unmissverständlich in einem Satz. „Ich bin auch als Cheftrainer bei Bayern München gut damit gefahren, mich so zu geben, wie ich bin“, meint der ehemalige Münchner Erfolgscoach.

Am Freitag steht für die Nationalelf bereits das erste Spiel an, in Leipzig geht es gegen Ungarn. Nur drei Tage später folgt der Klassiker zwischen England und Deutschland in London. In den beiden Spielen könnte Flick wohl noch etwas testen. Wie in den bisherigen 13 Länderspielen unter seiner Leitung könnten die Tricks seines Spezial-Trainers wieder für Tore sorgen. Auch in seiner Defensive könnte er mit seinem Neuling Armel Bella-Kotchap eine neue Alternative ausprobieren. Beim ersten WM-Gruppenspiel am 23. November gegen Japan sollten dann jedoch keine Experimente mehr notwendig sein. (ajr)

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