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Rollen Köpfe nach WM-Aus? Ein Satz des DFB-Präsidenten dürfte vor allem Bierhoff aufhorchen lassen

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Von: Manuel Bonke

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Hansi Flick und Oliver Bierhoff beim Abflug der Deutschen Nationalmannschaft zur WM 2022 in Katar.
Hansi Flick (l.) und Oliver Bierhoff: Muss einer von ihnen gehen? © IMAGO/Marc Schueler

Das WM-Debakel hat sich in Katar wiederholt. Müssen Oliver Bierhoff oder Hansi Flick gehen, oder gleich beide? DFB-Boss Neuendorf bittet zur Turnier-Analyse.

München - Die WM 2022 endete für den Deutschen Fußballbund so unglücklich wie sie mit der Binden-Diskussion und der Japan-Pleite begonnen hatte. Nach dem erneuten Vorrunden-Aus kündigte der Verband noch in der Nacht an, dass Präsident Bernd Neuendorf am Freitag am Flughafen ein Statement zur Lage der Fußball-Nation abgeben wolle. Problem: Dort darf nur gefilmt werden, wenn 48 Stunden zuvor eine Genehmigung eingeholt wurde. Und so startete der nicht sorgsam genug geplante Zwei-Minuten-Auftritt von Neuendorf mit erheblicher Verspätung – erst musste noch das katarische Innenministerium, natürlich nach Rücksprache mit der ­FIFA, grünes Licht geben.

Nachdem das Verbands­oberhaupt angesichts der ­Situation eine etwas skurrile Begrüßungsformel gewählt hatte („Herzlich Willkommen meine Damen und Herren – vor dem Abflug heute“), ging Neuendorf zu den erwartbaren Einschätzungen der Kata(r)strophe über: „Eine herbe Enttäuschung“ sei das alles und „außerordentlich schmerzhaft“, trotzdem müsse der Verband „den Blick nach vorne richten“. Man werde daher „ein geordnetes Verfahren einleiten, wie wir mit dieser Situation umgehen“ – und da wurde es interessant: Denn in der Praxis bedeutet das, so Neuendorf, dass „wir einen Fahrplan entwickelt haben. Dieser sieht vor, dass wir uns in der kommenden Woche zusammensetzen: Hansi Flick, Aki Watzke und meine Person.“ Sowohl Flick als auch DFB-Direktor Bierhoff müssen bei Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke zum Rapport antreten! (Spielplan der WM 2022 in Katar)

Bierhoff: „Bei drei schlechten Turnieren habe ich natürlich keine Argumente“

In einem ersten Treffen soll festgelegt werden, wie sich die aktuelle Situation darstellt. Von Flick (57) und Bierhoff (54) erwartet die DFB-Spitze eine umfassende sportliche Analyse des Turniers. Gleichzeitig soll das Duo Perspektiven im Hinblick auf die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land aufzeigen. Laut Neuendorf ebenfalls als Analyse gewünscht: „Die Entwicklung der Nationalmannschaft und unseres Fußballs seit der WM 2018. Das ist eine Anforderung und ein Anspruch, den wir als Verbandsleitung an die sportliche Leitung in dieser Situation haben.“

Bei diesen Worten dürfte vor allem Bierhoff in seiner Funktion als Direktor Nationalmannschaft und Akademie aufhorchen. Denn anders als Flick war der Manager bekanntlich auch schon 2018 in Amt und Würden – er sitzt seit 2004 im DFB-Sattel. Braucht es vielleicht auf seiner Position Veränderung? „Die Frage stelle ich mir gerade nicht“, gab sich Bierhoff unmittelbar nach dem WM-Aus vor den TV-Kameras cool, erklärte aber auch: „Natürlich weiß ich, dass solche Fragen kommen werden. Ich bin jetzt auch seit 18 Jahren da. Vielleicht schaut man sich die gesamte Bilanz an, schaut sich das sachlich an. Da mache ich mir jetzt nicht die großen Sorgen. Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl. Bei drei schlechten Turnieren habe ich natürlich keine Argumente. Das muss ich akzeptieren.“

Neuendorf vermied ein klares Bekenntnis zu Bierhoff

Vielleicht sollte sich Bierhoff nicht zu sicher sein. Neuendorf vermied ein klares Bekenntnis, als er zum Abschluss seines Flughafen-Auftritts gefragt wurde, ob er personelle Konsequenzen ausschließen könne: „Wir machen den ersten Schritt vor dem zweiten. Analyse bedeutet, dass wir die Situation bewerten. Das ist die Aufgabe, der wir uns jetzt stellen müssen.“ Erst danach werden Entscheidungen getroffen – und eventuell auch Köpfe rollen. Angesichts mangelnder Alternativen, Jürgen Klopp hat schon mehrfach abgesagt, scheint es unwahrscheinlich, dass es der des Bundestrainers sein wird.

Flick steht zwar massiv in der Kritik, diese kommt allerdings in weiten Teilen von ehemaligen Nationalspielern und heutigen Fußball-Fachsimplern – er muss eher nicht um seinen Job bangen, im Verband hat er Rückhalt. Und er hat noch genügend Motivation. „Von meiner Seite gibt es keinen Grund, nicht weiterzumachen“, sagte der 57-Jährige nach dem wertlosen Costa-Rica-Sieg. „Mir macht es Spaß, wir haben gute Spieler, die nachkommen, an mir wird’s nicht liegen. Wer mich kennt, der weiß, dass wir es sehr schnell aufarbeiten.“

Beginnen muss er allerdings schnell mit seiner Aufarbeitung: Ein Weiter-so wird nicht reichen. Manuel Bonke

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