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Flick geht mit „Supergefühl“ in die Pause: WM-Achse steht schon

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Das 5:2 gegen Italien war ein echter Stimmungsbooster – auch für Bundestrainer Hansi Flick. Vor dem WM-Start ist jetzt mal abschalten angesagt. Ein Sorgenkind gibt es aber noch.

Mönchengladbach – Nationalspieler ist man immer. Jeden Tag, auch an solchen, an denen einen der Verein komplett in Beschlag nimmt. So hat Hansi Flick das festgelegt, als er am 1. August 2021 offiziell als Bundestrainer anfing und im September erstmals einen Kader um sich sammelte. Doch als er seine Leute am Dienstag in Mönchengladbach ziehen ließ, versprach er, sie in nächster Zeit nicht anzutexten, nicht anzurufen, keine Videoschulungen einzuberufen. „Jetzt sollen die Spieler erst einmal abschalten, manche haben weniger als drei Wochen Urlaub“, sagte Flick.

DFB-Trainer Hansi Flick legt noch nicht die Beine hoch

Flick beschloss seine erste Saison als Chef der Nationalmannschaft in relativer Zufriedenheit. 13 Spiele waren zu bestreiten, keines ging verloren. „Gefreut hat mich“, bilanzierte er, „dass wir noch ungeschlagen sind. Nicht besonders gefreut haben mich die vier 1:1.“ Das zeigt, wohin der Anspruch geht – und wie Flick gestrickt ist. Bei all seiner menschlichen Korrektheit und steten Fairness ist er berüchtigt für seinen Ehrgeiz, der sich sogar zeigt, wenn er in der Freizeit selbst kickt, der dieser Tage geäußerte Satz „Wir sind da, um Spiele zu gewinnen“ ist als sein Mantra zu verstehen. Und er glaubt an das, was im deutschen Fußball steckt.

Der 5:2-Erfolg gegen Italien mit zwischenzeitlicher 5:0-Führung war ein Statement. Offiziell der erste Sieg in einem Turnier („Die Nations League ist ja ein kleines“) gegen die Azzurri, vor allem aber bestand die Mannschaft einen „Stresstest“, so Flick. Nach dem schwachen Spiel drei Tage zuvor in Budapest raffte sie sich auf, in jeder Hinsicht: körperlich und mental.

Leroy Sané bleibt das große Sorgenkind im DFB-Team

„Es war nicht das perfekte Spiel, wir müssen in den fußballschlauen Dingen besser werden“, monierte Thomas Müller einige Fehlpässe und Nachlässigkeiten im Abschluss, doch Hansi Flick durfte sich vor allem in seinem Projekt Vertrauen bestätigt fühlen. Er hält an den Spielern fest, die in der Kritik stehen. An Timo Werner, weil der immer noch der mittelstürmerigste Spieler in einer Nation ohne Mittelstürmer ist – Werner schoss nun endlich wieder Tore, zwei Stück. Flick stellte auch Leroy Sané auf, den viele andere Trainer aus dem Kader geworfen hätten. „Er hat ein sensationelles Potenzial, das der Mannschaft helfen kann. Wir als Trainer müssen es bewerten.“ Gegen Italien verballerte Sané einige Abschlüsse, war aber voll im Spiel. Wer hat beim historischen Sieg besonders überzeugt? Hier gibt es die tz-Einzelkritik zum Nachlesen.

Deutschland - Italien: DFB-Trainer Hansi Flick kann nach dem historischen Sieg gegen Italien wieder lachen.
DFB-Trainer Hansi Flick kann nach dem historischen Sieg gegen Italien wieder lachen. © Bernd Thissen/dpa

Bundestrainer Flick hat seine WM-Achse schon gefunden

Zur Achse gehört er noch nicht. Die hat Flick nun benannt: „Manuel Neuer – die beiden Innenverteidiger – die Sechs – Thomas. Sie war ballsicher gegen gut stehende Italiener.“ Für Müller hat er, anders als Joachim Löw, eine Position gefunden, in der der Münchner seine Stärken ausspielen kann, Joshua Kimmich hat in den vier Sommer-Spielen zwei Tore geschossen, Süle sich gefangen – und einen besonderen Status genießen Antonio Rüdiger und Manuel Neuer. Bei Rüdiger führt Flick Statistik: „Er hat diese Saison über 6000 Minuten bestritten, das ist außergewöhnlich.“ Umgerechnet sind es an die 70 komplette Spiele.

„Das ist Deutschland, und Deutschland hat sehr gut gespielt“, meinte Italiens Trainer Roberto Mancini, der „derzeit einen enormen Unterschied zwischen uns“ sieht. Sein Team steckt nach verpasster WM-Qualifikation im Neuaufbau, „ich dachte, dass wir schon in Bologna 0:3 oder 0:4 verlieren würden“. Im Hinspiel gelang noch ein 1:1. Flick zeigte, dass er binnen zehn Tagen sein Team weiterentwickeln kann. Auch für den September ist er optimistisch, „an der einen oder anderen Stellschraube drehen zu können“. Aber nun geht auch er erst einmal in Urlaub – „mit einem Supergefühl“. (Günter Klein)

England dagegen muss die höchste Heimniederlage seit über 90 Jahren einstecken. Der Fan-Hass richtet sich zuerst gegen die Ungarn, dann gegen Gareth Southgate.

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