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WM-Protest mit manipulierter Fernbedienung: TV in Bars während Live-Spiel ausgeschaltet

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Von: Christoph Klaucke

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Kurioser WM-Protest in Deutschlands Nachbarland Frankreich. Katar-Gegner schalten Fernseher in Pariser Bars ab – mit manipulierter Fernbedienung.

Paris – An der WM 2022 scheiden sich weiterhin die Geister. Fußball-Fans stehen vor der schwierigen Frage, ob sie sich das umstrittene Wüstenturnier ansehen und ihre Mannschaft unterstützen oder sich dem Boykott vieler Menschen anschließen sollten.

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich für einen stillen Protest entschieden. Vor der 1:2-Niederlage zum WM-Auftakt gegen Japan hielt sich die DFB-Elf demonstrativ die Hand vor den Mund.

WM 2022
Katar
20. November bis 18. Dezember
Acht Stadien
64 Spiele

WM-Gegner schalten Fernseher in Pariser Bars ab – mit manipulierter Fernbedienung

Die FIFA hatte zuvor die „One Love“-Binde verboten und mit Sanktionen gedroht. Mit dem Stück Stoff wollte Deutschland eigentlich auf die Missstände in Katar, das unter anderem wegen der Verletzung von Menschenrechten in der Kritik steht, aufmerksam machen. Die DFB-Protestaktion war europaweit ein Riesen-Thema.

Einen kreativen Protest gab es nun auch in Frankreich zu sehen – oder eben auch nicht. Denn eine Gruppe von WM-Gegnern schaltete mit einer manipulierten Fernbedienung die Fernseher in Pariser Bars ab.

Bei einer Protest-Aktion gegen die WM wurden Fernseher in Bars abgeschaltet.
Bei einer Protest-Aktion gegen die WM wurden Fernseher in Bars abgeschaltet. © Jonas Walzberg/dpa

WM-Protest: Aktivisten sorgen in Frankreich für schwarze Bildschirme während Live-Übertragung

Der Zeitung Le Parisien zeigte die Gruppe, wie sie die kleinen Sender mit der Bezeichnung „TV-B-Gone“ montiert. Diese ermöglichen es auf eine Entfernung von bis zu 45 Metern, die Fernseher unterschiedlichster Marken schwarz zu schalten. 

Mit der Kamera begleitete die Zeitung einen der Aktivisten in ein Lokal. Dort tat sich auf dem Fernsehbildschirm plötzlich gar nichts mehr, die Fans äußerten ihren Unmut darüber lautstark. In Deutschland hingegen kämpfen Kneipen in Bayern gegen die Fußball-WM in Katar.

WM-Gegner schalten TV in Bars ab: „Die Idee ist nicht, Fans zu ärgern“

„Die Idee ist nicht, politische Entscheidungen auf dem Rücken der Fans auszutragen oder sie zu ärgern“, verteidigte sich Dan Geiselhart, der den Treff zum Montieren der Fernbedienungen mit einem Hacker zusammen angestoßen hatte. „Vielmehr geht es darum, ein Zeichen zu setzen und zu sagen, dass man den Fußball lieben kann, aber auch sagen kann, dass bei dieser Weltmeisterschaft einige Dinge nicht in Ordnung sind.“

Geiselhart betonte die Notwendigkeit des Dialogs, wenn man die Übertragung eines Spiels in der Bar unterbricht. Und riet von Konfrontationen ab. „Und wenn man dann während des Spiels abschaltet, kann man auch zu den Leuten gehen und es ihnen erklären“, meinte er. „Man kann auch versuchen, die Werbung auszuschalten, die will ja keiner sehen“. Übrigens: Frankreich-Kapitän Lloris verweigerte Europas Protest-Aktion bei der Katar-WM.

WM-Protest mit manipulierter Fernbedienung: Hacker macht Bauanleitung frei zugänglich

Bei den manipulierten Fernbedienungen handele es sich um eine friedliche Form des Widerstands gegen die WM. „TV-B-Gone“ wurde 2004 von einem Hacker erfunden, die Bauanleitung wurde später für alle zugänglich freigegeben.

Wegen der fehlenden „One Love“-Binde sagte ein Wirt kurzfristig ein geplantes Public Viewing der WM-Spiele ab, er habe die „Schnauze voll“. Dass die WM nicht mehr so zieht wie früher bei vergangenen Turnieren bekommen nun die öffentlich-rechtlichen Sender hierzulande zu spüren. Das Quoten-Desaster für ARD und ZDF geht weiter – auch beim Deutschland-Spiel. (ck/dpa)

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