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„Habe einiges nicht verstanden“: Matthäus-Schelte für Flick nach WM-Blamage

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Von: Patrick Mayer

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Versteht nach der deutschen Niederlage gegen Japan die Fußball-Welt nicht mehr: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.
Versteht nach der deutschen Niederlage gegen Japan die Fußball-Welt nicht mehr: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. © IMAGO/ULMER/Markus Ulmer

Hansi Flick muss sich nach der unerwarteten Niederlage Deutschlands gegen Japan bei der WM 2022 Fragen gefallen lassen. Das finden Lothar Matthäus und Bastian Schweinsteiger.

München/Katar - Was lief schief beim 1:2 (1:0) Deutschlands gegen Japan zum Start in die WM 2022? Viel. Bei Social Media und im Netz steht unter Fans insbesondere Nico Schlotterbeck in der Kritik. Der 22-jährige Innenverteidiger, der seit Wochen bei Borussia Dortmund durchwachsene Leistungen gezeigt hatte, erwischte gegen die Asiaten einen schlechten Tag. Bei beiden Gegentoren konnte er nur hinterhersehen.

Deutschland patzt gegen Japan: Lothar Matthäus hinterfragt Aufstellung von Hansi Flick

Dass man Niederlagen nicht an einzelnen Spielern herunterbrechen kann, bewies die WM-Pleite des DFB-Teams gegen die Japaner ebenfalls. So hob Niklas Süle vor dem 2:1 durch Bochums Takuma Asano (83. Minute) das Abseits auf. Es war der Punch nach dem Ausgleich durch den Freiburger Ritsu Doan (76.) und vorheriger Führung durch ManCity-Star Ilkay Gündogan (33./Elfmeter). Geht es nach Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist diesmal auch Nationalcoach Hansi Flick nicht frei von Verantwortung.

„Ich stehe immer zu Hansi Flick, aber ich habe in dem Spiel einiges nicht verstanden. Der Bundestrainer muss sich Fragen gefallen lassen. Zum Beispiel die nach der Aufstellung der Außenverteidiger. Warum spielt (Thilo) Kehrer nicht, der zuletzt immer gespielt hat?“, fragte Matthäus im Gespräch mit der Bild: „Die Gegentore fielen über Außen. Süle ist kein Außenverteidiger. Beim 1:2 steht (David) Raum viel zu weit vorn, Verteidiger sind aber zum Verteidigen da. Dann wirkt Schlotterbeck überrascht, geht nicht aggressiv genug hin, Süle hebt das Abseits auf.“

Im Video: WM 2022 - Deutschland verliert Auftaktspiel gegen Japan

Der frühere Profi des FC Bayern und heutige BVB-Spieler hatte an diesem Mittwoch den Vorzug vor dem 26-jährigen Kehrer (West Ham United) erhalten, der seit der Amtsübernahme durch Flick im Spätsommer 2021 fast immer Stammspieler in der Abwehr war. Gegen Japan erwies sich die Viererkette indes als große Schwachstelle, weil Süle zu langsam wirkte - und Leipzigs David Raum oft sehr weit aufrückte, wodurch sich Räume hinter der Kette boten.

Matthäus, Schweinsteiger, Hitzlsperger: WM-Experten können Wechsel von Flick nicht verstehen

„Die Auswechslungen waren auch nicht glücklich“, meinte Matthäus im Interview mit der Bild und erklärte: „Durch die Auswechslungen von Müller und Gündogan, von zwei erfahrenen Spielern zugleich, ist die Ordnung verloren gegangen. Der Rhythmus ging verloren.“ Denn: Der 32-jährige Müller lief bis zu seiner Auswechslung (für Jonas Hofmann) in der 67. Minute im Pressing viele potenzielle Laufwege der Japaner zu. Gündogan (für Leon Goretzka), zeitgleich mit dem Münchner ausgewechselt, ließ sich meist fallen und lenkte das deutsche Spiel etwas versetzt aus der Zentrale.

Ich stehe immer zu Hansi Flick, aber ich habe in dem Spiel einiges nicht verstanden. Der Bundestrainer muss sich Fragen gefallen lassen.

Lothar Matthäus in der „Bild“

Auch andere Ex-Nationalspieler konnten die Auswechslung Müllers nicht nachvollziehen. Thomas Hitzlsperger meinte in der ARD: „Er (Thomas Müller, d. Red.) war hervorragend im Spiel.“ Ebenfalls „im Ersten“ meinte Weltmeister Bastian Schweinsteiger: „Wenn er nicht müde war, ich weiß es nicht: Thomas hat zumindest versucht, sich anzubieten und den Ball mit seiner Erfahrung zu halten.“ Der 38-jährige Oberbayer vermisste zudem taktische Lösungen auf die modifizierte japanische Formation nach der Pause.

Deutschland bei der WM 2022: Lothar Matthäus befürchtet frühes Aus gegen Spanien

„Durch die taktische Umstellung von Japan auf ein 5-3-2-System hatten wir keinen Zugriff mehr. Dadurch sind die Japaner zurück ins Spiel gekommen“, sagte ARD-Experte Schweinsteiger und kritisierte mit viel Nachdruck in der Stimme: „Die Japaner haben umgestellt, dann musst du erkennen: Wie spiele ich gegen den Ball? Wir haben keine Lösung gefunden.“ Das Coaching während des Spiels gehört freilich ins Anforderungsprofil des Bundestrainers. Matthäus kritisierte noch mehr.

Siegtreffer für Japan: Deutschlands Manuel Neuer (li., FC Bayern) muss sich Takuma Asano (re., VfL Bochum) geschlagen geben.
Siegtreffer für Japan: Deutschlands Manuel Neuer (li., FC Bayern) muss sich Takuma Asano (re., VfL Bochum) geschlagen geben. © Robert Michael/dpa

„Die Japaner haben nach der Pause anders gespielt, aggressiver, wirkten auch körperlich überlegen. Unverständlich, weil sie die gleichen Voraussetzungen hatten, zumindest die japanischen Bundesligaspieler, von denen zwei die Tore geschossen haben“, meinte er und mahnte: „Wenn wir gegen Spanien so spielen wie in der 2. Halbzeit, dann scheiden wir aus. Die Mannschaft steht jetzt mehr als extrem unter Druck. Sie ist zum Siegen verdammt! Nur ein Punkt wird höchstwahrscheinlich zu wenig sein.“

WM 2022: Deutschland steht vor Spanien-Spiel unter Mega-Druck

Spanien besiegte in Gruppe E Costa Rica übrigens 7:0 (3:0). „La Furia Roja“ ist am Sonntag (20 Uhr, MEZ, bei tz.de im Live-Ticker) zweiter deutscher Gruppengegner. Bei einer Niederlage und einem Sieg Japans gegen Costa Rica wäre das DFB-Team sicher raus, selbst bei einem Unentschieden würde es am letzten Spieltag sehr eng werden. (pm)

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