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TV-Kritik zur Eröffnungsfeier im ZDF: Béla Réthy liefert besten WM-Spruch

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Von: Jörg Heinrich

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Die ZDF-Experten bei der WM 2022: Per Mertesacker, Christoph Kramer und Martina Voss-Tecklenburg.
Die ZDF-Experten bei der WM 2022: Per Mertesacker, Christoph Kramer und Martina Voss-Tecklenburg. © ZDF

Die WM in Katar hat mit der Eröffnungsfeier im ZDF begonnen. Kommentator Béla Réthy liefert den besten Spruch. Die TV-Kritik von Jörg Heinrich.

München – Willkommen bei der Turn-WM in Katar! Wenn Sie jetzt glauben, dass wir uns in der Sportart getäuscht haben – von wegen! So spektakuläre Spagats, wie sie ARD und ZDF in den nächsten Wochen hinlegen (müssen), sind in keiner Turnhalle zu bestaunen. Nach 71 Minuten Übertragung von der WM 2022 fand Katar-Katrin Müller-Hohenstein gestern, dass man ruhig auch mal über Fußball reden könnte: „Jetzt geht es aber um den Sport in unserer schönen Sendung.“

Bei MagentaTV plauderten sie derweil schon lange übers Eröffnungsspiel. Die viele Politik im Zweiten wühlte die Twitter-Hassfraktion auf. Andererseits: Im Vergleich zu all dem Irrsinn rund um die WM ist ein Spiel Katar gegen Ecuador nicht ganz so aufregend. Insofern: Gut gemacht, ZDF! Wir halten es mit Bald-Rentner Béla Réthy, der die Zuschauer so begrüßte: „Auch wenn Sie vielleicht nur heimlich kucken, geht es heute los.“ Bei uns auch.

WM 2022
Katar
20. November - 18. Dezember
Acht Stadien
64 Spiele

TV-Kritik zur WM-Eröffnungsfeier im ZDF: „Für 100 Sendestunden 214 Millionen Euro ausgegeben“

Wie war die Stimmung beim ZDF? Eher so mittel. Wenn man weiß, dass ARD und ZDF in 100 Sendestunden 214 Millionen Euro für die TV-Rechte der WM ausgeben, wurden gestern die ersten acht Millionen verballert. Und fürs viele Geld war die Euphorie überschaubar. So richtig Bock hatte noch niemand. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg war happy, dass sie nicht Johanna Flick ist: „Ich bin froh, dass ich mich nicht mit diesen vielfältigen Themen als Trainerin beschäftigen muss.“

Weltmeister Per Mertesacker ist auch lieber im kuscheligen Mainz: „Das Gefühl ist schon so, dass man jetzt froh ist, nicht mehr dabei sein zu müssen.“ Und Mit-Weltmeister Christoph Kramer gab nach der Zuschauerflucht der Gastgeber beim faden Eröffnungsspiel zu: „Ich wäre wahrscheinlich auch früher gegangen.“

WM 2022: TV-Kritik zur ZDF-Eröffnungsfeier – „Wenn Uli Hoeneß zugeschaut hat, hat er gleich wieder Blutdruck 200 gehabt“

Was war mit den Menschenrechten? Ach, fragen Sie nicht! Nachdem Wenzel Michalski, Deutschland-Chef von Human Rights Watch, zu Jahresbeginn im ZDF bei Olympia das Unrecht in China erklären musste, muss er jetzt das Unrecht in Katar erklären. Es lebe der Sport! Wenn Uli Hoeneß zugeschaut hat, hat er gleich wieder Blutdruck 200 gehabt. Michalski verglich FIFA-Machthaber Infantino mit einem Möchtegern-Putschisten aus den USA: „Das macht Donald Trump auch.“

Dann erläuterte er, dass nur 40.000 von zwei Millionen Arbeitern in Katar von Verbesserungen profitieren: „Das sind 0,2 Prozent.“ Wir haben nachgerechnet, wie wahrscheinlich der Uli auch: Es sind genau genommen zwei Prozent. Hoffentlich sind die anderen Zahlen vom Michalski zuverlässiger.

TV-Kritik zur Eröffnungsfeier im ZDF: Béla Réthy liefert bisher besten WM-Spruch

Was hat Béla Réthy erzählt? Die ZDF-Legende war ihr Geld wert – wenn auch vielleicht nicht acht Millionen. Zur scheinheiligen Eröffnungsfeier sprach er Klartext, relativierte aber auch: „Es ist und bleibt ein schmaler Grat zwischen der zwingend erforderlichen Kritik und einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit unsererseits.“ Und er kam sogar pünktlich – im Gegensatz zu Magenta-Kollege Wolff Fuss, dessen Busfahrer sich verirrt hatte.

Réthy lobte WM-Maskottchen La’eeb („Im Gegensatz zu Goleo voll bekleidet“) und erklärte das Katar-Wetter plastisch: „Man kann hier im Sommer nicht mal spazieren gehen – es sei denn, man mag seinen Hund nicht.“ Wau, bisher der beste Spruch der WM! Beim Spiel konzentrierte er sich auf den Sport, denn: „Wenn der Ball durch den Strafraum segelt, kann ich nicht mit Menschenrechten anfangen.“ Guter Mann, der kluge Réthy, und klarer Favorit bei der Senioren-Spagat-WM. Auf Twitter flippen Fans wegen ZDF-Kommentator Béla Réthy aus.

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