Die Lichtgestalt im Visier

Wann äußert sich Franz Beckenbauer?

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Franz Beckenbauer steht unter Zugzwang.

Frankfurt in Main - Der Fußball-Kaiser steht mächtig unter Druck. Er setzte die Unterschrift unter die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro vor der WM-Vergabe 2006.

Die schweigende „Lichtgestalt“ wirft einen immer dunkler werdenden Schatten auf das Sommermärchen. Nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident gerät Franz Beckenbauer im Skandal um die WM 2006, bei dem es längst nicht mehr „nur“ um die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro geht, immer stärker unter Druck. Der WM-Organisationsboss wird mit versuchtem Stimmenkauf in Verbindung gebracht. Der DFB geht angesichts der Unterschrift von Franz Beckenbauer unter einem Vertrag mit dem früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner von einem möglichen Bestechungsversuch aus.

„Das muss man so werten, dass zumindest über diese Fragen nachgedacht worden ist“, sagte Reinhard Rauball, der gemeinsam mit Rainer Koch den DFB interimsmäßig führt, am Dienstag bei Sky. „Wenn etwas schriftlich konzipiert ist, egal ob es dann formwirksam geworden ist oder nicht, dann ist das etwas, was diese Vermutung zulässt. Um Licht ins Dunkel zu bringen, soll der „Kaiser“ nach dem Willen von Interimspräsident Koch (56) endlich sein Schweigen brechen. Beckenbauer, dessen erste Befragung durch die externen DFB-Ermittler als völlig unzureichend angesehen wird, müsse sich „intensiver in die Aufklärung der Vorgänge einbringen“, sagte Koch: „Das ist die große Bitte der Spitze des DFB, diese Fragen zu beantworten.“

Und jetzt, Franz?!

Womöglich sitzt Beckenbauer in diesen Tagen in seinem Haus in Salzburg und denkt sich genervt: Geh, lasst’s mich doch in Ruh’ mit euerm Schmarrn. Für Beckenbauer gab es ja selten ein Problem, und wenn, dann hat er es weggefranzelt. Nun aber könnte der „Kaiser“ bald ohne Kleider dastehen und jeder sehen: Die „Lichtgestalt“ hat eine dunkle Seite.

Der Wirbel um diese 6,7 Millionen Euro und jetzt auch um den Vertrag, deretwegen der Verdacht besteht, dass bei der WM-Vergabe nachgeholfen wurde, mag Beckenbauer befremden. Nonchalant könnte er sagen: Was wollt’s denn?, so läuft das eben. Doch nonchalant rausreden geht nicht mehr: Beckenbauer steht im Verdacht, unlautere Mittel angewendet zu haben, um sein Ziel zu erreichen.

Beckenbauer hatte schon immer eine Halb-so-wild-Mentalität, nachzuvollziehen anhand vieler Äußerungen – sei es über die Arbeitssklaven im umstrittenen WM-Gastgeberland Katar, die er nie gesehen haben wollte und die es deshalb seiner Logik nach nicht gab. Er hat Urteile gefällt, die launig und lustig klangen, die aber auch verletzend oder einfach falsch waren und den Gedanken aufkommen ließen: Weiß der Franz eigentlich, was er da sagt?

Beckenbauer: "Es wurden keine Stimmen gekauft

„1. Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen“, hat Beckenbauer am 26. Oktober in einer Stellungnahme erklärt. Das mag sogar stimmen, aber es liegt doch der Verdacht nahe, dass vor Juli 2000 zumindest darüber nachgedacht wurde, vor der Abstimmung über den Gastgeber der WM 2006 ein wenig nachzuhelfen. Und Beckenbauer könnte in der für ihn so typischen Art gesagt haben: Ja mei, wenn’s denn sein muss, dann mach ma’s halt.

Franz Beckenbauer –das ergibt kein vollständiges Bild ohne die Männer an seiner Seite. Früher war es Robert Schwan, nun ist es Marcus Höfl. Beim Kampf um die WM-Vergabe 2006 war es freilich auch Fedor Radmann (71), für den der Begriff Strippenzieher hätte erfunden sein können. Radmann wirkte an entscheidender Stelle bei der WM-Vergabe mit, und er war bis 2003 Vizepräsident des Organisationskomitees, ehe er wegen dubioser Geschäfte zum „Berater“ degradiert wurde.

Dubiose Verträge von Franz Beckenbauer abgeschlossen

Dubios war die WM-Vergabe, dubios waren die Geschäfte von Radmann. Dubios ist auch der Vertrag, den Beckenbauer 2012, zwei Jahre nach der gleichzeitigen Vergabe der WM-Endrunde 2018 an Russland und 2022 an Katar abgeschlossen hat: Für seine Rolle als „Botschafter“ der russischen Gaswirtschaft sollen ihm 18 Millionen Euro zugesichert worden sein. Außerdem: Sogar die Ethikkommission der FIFA hat gegen das ehemalige Exko-Mitglied Beckenbauer ermittelt.

Darüber hinaus war es Beckenbauer am Ende des Tages scheinbar egal, was mit langjährigen Wegbegleitern geschieht. Wolfgang Niersbach nannte den „Kaiser“ einen Freund, doch Beckenbauer hat das entweder ganz anders gesehen, oder die Freundschaft ist nun, da Niersbach sie einforderte, zerbrochen. Niersbach „wurde alleine gelassen von Menschen und Freunden, von denen er glaubte, dass er sich auch in schwierigen Zeiten auf sie verlassen kann“, resümierte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth nach dem Rücktritt.

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