WM-Fieber in Südafrika steigt - Spielverderber drohen

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In Südafrika ist es diese Woche wieder zu Protesten gekommen. Hier demonstrieren Bewohner einer Armensiedlung in Kapstadt am Montag (24.05.2010) vor dem Rathaus der Metropole für bessere Lebensbedingungen.

Kapstadt - Zwei Wochen vor Beginn des Fußball-Spektakels in Südafrika steigt unverkennbar das WM-Fieber. Doch einige Spielverderber drohen mit drastischen Protesten.

Die Fahnen der 32 WM- Teilnehmer, das Gelb der südafrikanischen Nationaltrikots und die enervierenden Töne der Vuvuzela-Tröten prägen immer stärker den Alltag in den Innenstädten von Johannesburg, Durban oder Kapstadt. Aber es gibt offensichtlich auch immer mehr Spielverderber. Südafrika befindet sich in einem fast fiebrigen Zustand von Vorfreude, Nervösität und Unruhe - auch wenn am Donnerstag zur Erleichterung der Regierung zumindest der Streik der Transportarbeiter zu Ende ging.

Die jungen Männer auf der Pressekonferenz in Khayelitsha nahe Kapstadt scheuen sich nicht, offen zu Gewalt aufzurufen. Mit ruhiger Stimme fordern Loyiso Nkohle und Andile Lili die Jugendlichen der Armenviertel auf, aus Protest gegen soziale Missstände “Kapstadt zu verwüsten“ und “alle städtischen Fahrzeuge zu zerstören“. Nkohle bittet die Südafrikaner um Verständnis, “aber die Stadt hat uns betrogen, wir müssen uns wehren“. “Kaum kaschierter Faschismus“, nannte die Sozialarbeiterin Liz Cowan diese Haltung in der “Cape Times“.

Tipps vom Auswärtigen Amt für Sicherheit der WM-Besucher

Wie sicher wird die Fußball-WM in Südafrika? Darüber wird seit Monaten diskutiert. Das Land am Kap der guten Hoffnung gilt als Hochburg des Verbrechens. © dpa
Fußballfans, die im Sommer einen Besuch in Südafrika planen, sollten sich vorab über Gefahren informieren - und darüber, wie man sie vermeidet. © dpa
Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de) finden sich zahlreiche Reisewarnungen für Südafrika. © dpa
Nachfolgend zeigen wir einige dieser Warnungen: © dpa
Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland hohe Kriminalitätsraten, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten. © dpa
Dies schließt auch Straftaten unter Anwendung von körperlicher Gewalt ein. © dpa
Auch wenn der überwiegende Teil der Gewaltkriminalität in Gegenden und unter Umständen erfolgt, von denen üblicherweise deutsche Urlaubs- oder Geschäftsreisende nicht betroffen sind... © dpa
..., ist es nicht ausgeschlossen, dass deutsche Reisende Ziel und Opfer von Diebstählen, Einbrüchen und Raub und ähnlicher Delikte werden. © dpa
Die großen Städte werden zum Teil von scharfen Gegensätzen geprägt. © dpa
Während bessere Wohngebiete oft großzügig angelegt und gepflegt sind, bestehen die "Townships", in denen nach wie vor der Großteil der nicht-weißen Bevölkerungsgruppen lebt, aus überwiegend einfachen Häusern, Baracken oder slumartigen Hütten. © dpa
Townships sind nicht gleichzusetzen mit Slums, es gibt auch in Townships Wohngegenden der Mittelklasse bis hin zu Millionärsvillen. © dpa
Vor allem die Townships, aber auch die Innenstädte der großen Städte wie Johannesburg, Pretoria, Kapstadt und Durban (alles WM-Spielorte; Anm. d. Red.), leiden unter der hohen Kriminalität im Land. © dpa
Gerade Touristen sind ein beliebtes Opfer von Räubern, die meist vor Gewalt nicht zurückschrecken. © dpa
Man sollte im Falle eines Überfalls daher unbedingt auf Gegenwehr verzichten! © dpa
Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt (alles WM-Spielorte; Anm. d. Red.) und anderer großer Städte sollten nach Geschäftsschluss gemieden werden. © dpa
An Sonn- und Feiertagen sollte man nur in Gruppen in die Innenstädte gehen. Ebenso wird tagsüber zu erhöhter Vorsicht geraten. © dpa
Bei Besuchen in Townships ist erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht angeraten. © dpa
Sowohl Stadtbesichtigungen als auch Township-Besuche sollten in organisierter Form und nur mit ortskundiger Führung stattfinden. © dpa
Bei Ausflügen in öffentlich zugängliche Naturflächen und Nationalparks ( z. B. am Tafelberg in Kapstadt) und zu bekannten Sehenswürdigkeiten Südafrikas ( z.B. Rhodes Memorial, Kapstadt ) sollte man keine einsam gelegenen Wanderwege benutzen und unbelebte Gegenden meiden. © dpa
Für Einzelreisende empfiehlt es sich, generell Anschluss bei den meist vor Ort vorhandenen größeren Reisegruppen zu suchen. © dpa
Abgeraten wird vom Benutzen der Vorortzüge in Johannesburg, Pretoria, Durban und z.T. in Kapstadt. © dpa
Falls die Züge gleichwohl genutzt werden, empfiehlt es sich, in der 1. Klasse und nur zu Hauptverkehrszeiten am Tage zu reisen. © dpa
Taxis sollte man möglichst bei zuverlässigen, bekannten Unternehmen reservieren. In der Regel sind bei der Reservierung Hotels und Gasthäuser behilflich. © dpa
Rucksacktouristen sollten auf sichere Unterkünfte und sicheren Transport achten. Einschlägige Reiseführer geben Empfehlungen für Backpacker Hostels ab; trotzdem ist Vorsicht geboten. © dpa
Von Fahrten per Anhalter und mit sog. Minibus-Taxis wird dringend abgeraten. © dpa
Von Fremden angebotene Getränke in Bars oder Restaurants sollte man nicht annehmen. Fälle, in denen „K.O.-Tropfen“ beigemischt werden, werden auch in Südafrika berichtet. © dpa
Wegen der Gefahr von Fahrzeugentführungen (das so genannte „car-jackiing“) und so genannter „smash-and-grab“-Überfälle sollten die Autofenster immer geschlossen und die Türen stets von innen verriegelt sein. © dpa
Handtaschen, Photoapparate usw. sollten nicht sichtbar im Auto liegen. Bei Wartezeiten an großen Kreuzungen in den größeren Städten sollte man aufmerksam sein und seine Umgebung beobachten. © dpa
Es empfiehlt sich, beim Anhalten hinreichend Abstand zu anderen Fahrzeugen zu halten, um ggf. wegfahren zu können. © dpa
Angesichts des schlechten Zustands vieler Nebenstraßen im ganzen Land, besonders in zentralen ländlichen Teilen der Provinz Kwazulu-Natal und durch die sog. Transkei in der Provinz Eastern Cape... © dpa
...wird empfohlen, möglichst Hauptverkehrsstraßen zu nutzen. © dpa
Dort wie in den übrigen Landesteilen sollten Überlandfahrten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr unternommen werden... © dpa
...da Autopannen, schlechte Straßen mit Schlaglöchern, nicht hinreichend ausgeschilderte und gesicherte Baustellen sowie Tiere auf der Fahrbahn nach Einbruch der Dunkelheit ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. © dpa
Es wird davon abgeraten, an Aussichtspunkten oder Rastplätzen Halt zu machen, wenn dort keine anderen Touristen in Sichtweite sind. © dpa
An Geldautomaten ist erhöhte Vorsicht geboten. Neben einfachem Raub und Trickdiebstahl nehmen Manipulationen der Geldautomaten und Missbrauch der Kartendaten zu. © dpa
Es wird empfohlen, Kreditkarten bei anstehenden Zahlungen nicht aus dem Auge zu verlieren. © dpa
In vielen Restaurants ist es üblich, portable Kreditkarten-Lesegeräte zu nutzen. Gibt es das nicht, so sollte die Kreditkarte zum Zahlungssystem begleitet werden. © dpa
Auch wenn Einheimische auf dem Land mitunter ungeschoren Marihuana (hier „Dagga“ genannt) konsumieren, führt dies bei Ausländern meist zu Strafverfolgung. © dpa
Aus Sicherheitsgründen wird empfohlen, für die Dauer des Aufenthaltes ein Mobiltelefon mitzuführen. © dpa
Deutsche Mobiltelefone mit Roaming-Funktion können landesweit verwendet werden. © dpa

In diesen Tagen, in denen mit Australien und Brasilien die ersten WM-Mannschaften eintrafen, bestätigen die Funktionäre der ANC- Parteijugend die schlimmsten Befürchtungen vieler Südafrikaner. Werden die Schattenseiten der jungen Demokratie, die Armut, die Kriminalität, die Gewalt, alle Anstrengungen für ein strahlendes, positives Bild Südafrikas zunichtemachen?

Südafrikas Präsident Jacob Zuma muss entsetzt gewesen sein, als er die Fernsehbilder aus Kapstadt sah. Denn die ANC ist seine Partei, und deren Jugendliga mit ihrem schrillen Vorsitzenden Julius Malema bereitet ihm schon seit Monaten sichtlich Kopfschmerzen. Nun also wüste Drohungen in Kapstadt. Im Township Khayelitsha zerstörten Bewohner neue Wellblechwände von frei stehenden Toiletten, weil ihnen ursprünglich feste Wände versprochen worden waren. Vielerorts in Südafrika protestieren täglich aufgebrachte Bewohner der Armenviertel, kommt es zu Ausschreitungen, oft genug zu Akten von blindem Vandalismus.

Zuma selbst wurde im Siyathemba Stadium in Balfour von wütenden Bürgern niedergeschrien, die neue Häuser und bessere Strom- und Wasser-Versorgung verlangten. Eine Umfrage des renommierten TNS Research Instituts zeigt, dass jeder zweite Südafrikaner über schlechte Leistungen des öffentlichen Dienste klagt. Zu der sozialen Unruhe im Land kommen zahlreiche Arbeitskämpfe: Der 17-tägige Streik der Transportarbeiter, der die Wirtschaft Milliarden kostete, ging zwar gerade noch rechtzeitig zu Ende.

Aber es drohen neue Streiks und Proteste. Der mächtige Gewerkschaftsverband Cosatu will sich von der WM keineswegs von Streiks abhalten lassen. “Unsere Anliegen sind größer als die WM“, betonte Cosatu-Generalsekretär Zwelinzima Vavi. Die Gewerkschaften erwägen wegen steigender Strompreise zu Proteststreiks aufzurufen. Mitarbeiter der Bahn streiken ohnehin noch. Das Flehen Zumas, “die WM nicht zu Erpressung zu missbrauchen“ findet bei vielen Gewerkschaftsfunktionären kaum Gehör. “Ein Weg, das Land zu ruinieren“, kommentierte die “Financial Mail“.

Aber auch Begeisterung und Vorfreude prägen in den Wochen vor WM- Start Südafrika. “Es ist ein tolles Gefühl, dass wir die WM bei uns haben“, strahlt Babalo Mikinja an seinem kleinen Obststand im Zentrum Kapstadts. Der 46-Jährige formuliert, was viele Südafrikaner bewegt. An fast jedem zweiten Auto weht inzwischen die farbenfrohe Fahne Südafrikas, die Außenspiegel sind mit den Nationalfarben verkleidet. “Ich interessiere mich nicht für Fußball, aber so langsam werde ich auch angesteckt“, meinte die Hausfrau Sally Jordan in Constantia.

Der staatliche Rundfunk heizt mit viel südafrikanischer Musik und WM-Werbung die Stimmung an. Die Städte sind herausgeputzt, die Fan-Zonen vorbereitet. Geschäfte und Warenhäuser haben für die WM dekoriert, überall liegen Souvenir aus, von den Vuvuzela-Tröten, WM- Tassen und WM-Bällen bis hin zu den Trikots und Schals in allen Farben der 32 WM-Teilnehmer.

Die WM-Freude wird überschattet von den Befürchtungen, Südafrika werde der Welt vor allem das hässliche Gesicht zeigen. Inzwischen hat sich die ANC-Jugendliga von ihrer Ortsgruppe in Kapstadt distanziert, mit Gewaltaufrufen wolle man nichts zu tun haben. Aber alle wissen, dass es in diesem Land mit den enormen sozialen Gegensätzen eine große Zahl Gewaltbereiter junger Menschen gibt. Und unzählige Kriminelle sowieso.

dpa

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